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Wersten
Rheinisches Wetter, persisches Huhn

Wersten. Im neuen Stadtteiltreff in Wersten geht es gleich richtig los: Bei einer Grillaktion lernen sich die neuen Nachbarn im multikulturellen Stadtteil kennen. Von Lisa Kreuzmann

Vor den beiden kleinen Mädchen steht ein riesiger Burger. Den hat Marriott-Koch Thomas Bock zubereitet. Nach amerikanischem Vorbild: New York Beef Burger heißt seine Interpretation. Bock war mal Koch des Jahres in England und hat schon für die saudische Königsfamilie am Herd gestanden. Heute kocht er für die Werstener Nachbarschaft. Und für Angelina, anderthalb Jahre, geboren in Hamburg und ihre Schwester Angie, fünf Monate, geboren in Düsseldorf. Und für ihre Mutter, die aus Syrien geflohen ist und ihre Töchter nach der deutschen Kanzlerin benannt hat. "Als Dank an Deutschland", sagt Nesri Bouzi.

So viel Internationalität auf wenigen Quadratmetern. Knapp 800, um genau zu sein. Denn so viel Raum bietet der neue Stadtteiltreff der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Immigrather Straße 45 in Wersten. Und das brauche er auch, sagt Gudrun Siebel von der Awo. Denn die ehemalige Anlaufstelle ein paar Häuser weiter sei "aus allen Nähten geplatzt." Dort war es also viel zu eng.

Wie stark nachgefragt die Begegnungsstätte ist, zeigte sich bereits vier Tage nach der Eröffnung, die vergangenen Samstag war: 91 Nachbarn waren am Mittwoch zum offenen Treff gekommen, erzählt die Leiterin des Aktivtreffs, Janne Donat. In der Einrichtung können Kinder und Jugendliche ihre Hausaufgaben machen und gemeinsam Kochen oder einfach nur ein wenig "chillen". Vor Ort ist ein Streetworker angesiedelt, und Familien können sich bei dem Treff Unterstützung holen. Außerdem gibt es einen Tauschladen und auch die Jugendfarm ist nun dort angesiedelt. Der frischgebackene Landtagsabgeordnete Rainer Matheisen (FDP) lobt den ganzheitlichen Ansatz: "Das Besondere ist, dass hier alles unter einem Dach passiert", sagt der Noch-Ratsherr: "Früher hat man dort ein Integrationszentrum, und dort ein Familientreff gebaut." In Wersten soll Integrationspolitik nach vorne gehen - zukunftsgewandt.

125 Burger hat Hotelkoch Thomas Bock heute vorbereitet. Ergänzt wird das American Barbecue von persischem Grillhähnchen. Koch Manuel Gholi Sabzabadi ist selbst als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland gekommen. 200 Portionen Hähnchen und verschiedene Salate hat er für das Grillevent im Awo-Aktivtreff vorbereitet. Das Rezept seiner roten Spezialsoße verrät er aber nicht.

Der Kreisgeschäftsführer der Awo, Michael Kipshagen, freut sich über den gelungen Auftakt des neuen Zentrums. Das Grillfest ist Teil einer bundesweiten Aktionswoche der Awo, die noch bis Sonntag läuft. "Dabei geht es um Vielfalt", sagt Kipshaben. "Wir wollen die Nachbarschaft beleben." Und beim Essen, so begrüßt Kipshagen die Gäste, komme man sich viel leichter näher. An das "rheinische Grillwetter", sprich ein ungemütlicher Regentag Ende Mai, müsse man sich eben gewöhnen.

Herzstück des neuen Zentrums ist eine großzügige Cafeteria mit Küche. Auch einen Mehrzweckraum gibt es im Aktivtreff, der für Feiern gemietet werden kann. Drei Millionen Euro hat der Neubau gekostet. 1,8 Millionen übernahm das Land NRW aus der Städtebauförderung Soziale Stadt, 1,2 Million Euro kamen von der Stadt.

Die Lebensmittel beim Auftakt-Grillen wurden gesponsert. Für die Gäste waren das reichhaltige Mittagessen sowie die Getränke somit kostenfrei. So vielfältig wie beim Grillen soll es im neuen Stadtteilzentrum weitergehen. "Das Interesse in der Nachbarschaft ist groß", sagt Leiterin Janne Donat.

Quelle: RP
 
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