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Wersten
Telekom erzürnt Werstener

Wersten: Telekom erzürnt Werstener
Klaus Napp (v. l.), Heinz-Leo Schuth, Herbert Renz, Bernd Schwemin und Georg Vietor blicken auf den künftigen Standort des Funkturms, mit dem sie nicht einverstanden sind. FOTO: bur
Wersten. Die Anwohner des Sportplatzes am Dechenweg empfanden ein Treffen mit der Telekom zum Thema Funkmast als Alibi-Veranstaltung. Die Verantwortlichen seien zu keinem Kompromiss bereit Jetzt planen die Bürger eine Klage. Von Oliver Burwig

Die beiden Parteien, die am Donnerstagabend beim Sportplatz am Dechenweg zusammenkamen, hatten offenbar ganz unterschiedliche Erwartungen an das Treffen: Die Telekom hatte die Anwohner telefonisch eingeladen, es sollte um den geplanten Mobilfunkmast gehen. 30 Meter hoch soll der Turm mitten in Wersten werden, mit dem das Unternehmen ein Loch im Breitband-Funknetz stopfen will. Die Hausbesitzer der Umgebung nahmen an, bei dem Treffen mit zwei Telekom-Vertretern nun noch einmal die Chance bekommen, ihren Beschwerden Ausdruck zu verleihen und Alternativen vorzuschlagen. Für die Telekom, die sich auf beschlossene Verträge mit der Stadt berufen kann, war es eine nur Infoveranstaltung.

"Die Bürger waren leicht erregt", sagt Frank Harksel, Kommunalbeauftragter bei der Telekom, über das Treffen. "Mir war aber vorher schon klar, dass die Planung so bleiben wird." Es gebe keine Möglichkeit, den Mast an eine andere Stelle auf dem Sportplatz zu setzen. Entweder würden andere Anwohner belastet, oder es gebe zu wenig Platz - neben dem Mast selbst muss auch noch Raum für die Elektronik bleiben, die in einem begehbaren Container oder einem kleineren Technikschrank untergebracht sein wird. Harksel rechnet mit nötigen 100 bis 120 Quadratmetern für das gesamte Bauvorhaben. Im Laufe des Jahres soll der Mast errichtet sein, nächstes Jahr dann in Betrieb gehen. Für die Telekom handelt es sich um ein wichtiges Projekt: Gut 100.000 Euro investiert das Unternehmen laut Harksel in den Funkturm-Bau.

Das hatten sich die Nachbarn anders vorgestellt: Sie kamen mit Ideen zum Treffen, die den 30 Meter hohen Mast zumindest aus dem direkten Sichtfeld ihrer Gärten holen sollten. So könnte der Mast ihrer Meinung nach auch zwischen den beiden Sportplätzen stehen (zu wenig Platz, sagt die Telekom), oder auf einen bestehenden Flutlichtmast gesetzt werden (laut Telekom nicht machbar). Auch mehrere kleinere Masten schlugen sie vor, die insgesamt auf die Leistung eines großen kämen. Harksel zufolge wäre die Reichweite so allerdings zu klein, mit dem 30-Meter-Mast käme man auf einen Funkraum von 700 bis 1000 Meter, in denen die Stadtteilbewohner das schnelle LTE-Netz empfangen könnten.

Dass der Sportplatz selbst zu wenig räumlichen Gestaltungsspielraum bietet, ist nicht das Hauptproblem der Nachbarn: "Das Ganze ging über die Bühne, ohne, dass wir vorher informiert worden wären", sagt Anwohner Klaus Napp. Etwa 20 Meter von der Grundstücksgrenze des 79-Jährigen wird der Mast nun errichtet. Im Winter, wenn die Baumreihe ihre Blätter verloren hat, habe er den Funkturm quasi vor seiner Terrasse stehen. "Das ist eine gewachsene Siedlung, der gehört hier einfach nicht hin", sagt Napp.

"Die Anwohner haben durch Zufall von dem ganzen Projekt erfahren", sagt der ehemalige Bezirksvorsteher Heinz-Leo Schuth. Auch er war bei dem Gespräch mit der Telekom, deren Funkturm GmbH und einem Vertreter der Stadtverwaltung dabei. Er wirft der Telekom vor, den Ball flach halten zu wollen: "Das war keine öffentliche Veranstaltung." Für ihn habe das Treffen einen Alibi-Charakter gehabt, die Telekom habe offensichtlich nicht vorgehabt, auf die Vorschläge der Teilnehmer einzugehen. Stattdessen habe sich das Unternehmen immer wieder des Arguments bedient, dass es genügend Leute gebe, die den Turm haben wollen. "Die Bürger fühlen sich aber gestört", sagt Schuth. "Der Mast ist ein wuchtiges Instrument." Dabei hätten die Bürger noch nicht einmal von dem hoch umstrittenen Strahlungseffekt angefangen, den Funktürme auf ihre Umgebung ausüben.

Am Donnerstag wollen sich die Nachbarn noch einmal zusammensetzen und über ihren nächsten Schritt beraten: Sie wollen klagen. Anwohner Georg Vietor, von Beruf Rechtsanwalt, sieht eine Angriffsfläche in der bereits erteilten Baugenehmigung und der Nutzung des Mastes durch andere Netzanbieter.

Quelle: RP
 
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