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Wersten
Werstener Bunker fällt Stück für Stück

Wersten. Ende Juli sollen die Abrissarbeiten erledigt sein. Das kleine Türmchen hält bislang hartnäckig dem Bagger stand. Auf dem Areal soll ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit 39 Sozialwohnungen gebaut werden. Von Andrea Röhrig

Mühsam arbeiten sich die großen Bagger Stück für Stück beim Abriss des Hochbunkers an der Kölner Landstraße/Ecke Reusrather voran. Wer regelmäßig an der Baustelle vorbei kommt, kann erkennen, dass sich nur noch das hohe Türmchen des Gebäudes gegen den Abbruch zu wehren scheint. Schon seit einigen Wochen arbeiten sich die Maschinen an diesem Gebäudeteil ab. Doch auch ihn werden die gefräßigen Maschinen besiegen. Das ist alles nur eine Frage der Zeit. Und der Zeitrahmen für die Freiräumung der Fläche war bereits im Vorfeld großzügig bemessen: Die Rückbauarbeiten sollen Ende Juli erledigt sein - es sind also noch gute vier Wochen.

Auf dem Gelände zur Kölner Landstraße hin stapeln sich die übriggebliebenen Einzelteile des 1942 gebauten Hochbunkers: Steine, Metall, Holz, Schutt - alles säuberlich auf verschiedenen Häufchen angeordnet. Wenn der Bunker wie auch seine Bauteile ganz weg geräumt sind, wird mit dem Neubauprojekt begonnen. Die Krefelder Planungsgruppe "Dreika" baut dort für einen Düsseldorfer Investor ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit 39 Sozialwohnungen samt einer Tiefgarage für 20 Stellplätze.

Das auf dem Areal befindliche Trafo-Häuschen der Rheinbahn bleibt erhalten; für das neue Wohnhaus werde ein ausreichender Gebäudeabstand von zirka zehn Metern geplant, um die entsprechenden Immissionsrichtwerte für die Wohnnutzung einzuhalten, heißt es in der Vorlage des Planungsamtes für die zuständige Bezirksvertretung 9. Die hatte in ihrer Sitzung am 4. November 2016 grünes Licht für die Planungen des Investors gegeben. Aus Sicht des Planungsamtes "ergänzt ein zusätzliches Wohnhaus die bereits in der unmittelbaren Umgebung vorhandenen Wohnhäuser an der Kölner Landstraße und an der Reusrather Straße städtebaulich durchaus sinnvoll." Den Baukörper in einen Neubau zu integrieren, hat aus Sicht der Stadt keinen Sinn gemacht, da der Bunker in einem "stark sanierungsbedürftigen Zustand" gewesen sei.

Viele alteingesessene Werstener und Holthausener sehen den Abriss-Fortschritt aber auch mit einem weinenden Auge. Nach Kriegsende wurden in dem Gebäude zunächst Menschen einquartiert. Ende der 1970er Jahre kümmerte sich die "Interessengemeinschaft zur Verschönerung des Bunkers" um eine Aufwertung des massiven Gebäudekomplexes. Die CDU unter der Federführung ihrer Werstener Ratsfrau Ursula Schiefer hatte sogar den Vorschlag gemacht, daraus ein Jugendzentrum zu machen. Aus diesen Plänen wurde allerdings nichts. Unter anderem wurde der Bunker in einer konzertierten Aktion mit Hilfe von Auszubildenden der Firma Henkel bunt angemalt und der gesamte dahinter befindliche Grünzug vom Müll befreit. Bis zuletzt konnte man die Farbe erkennen.

Zwischenzeitlich spielte der Verein Schwarz-Gold Wersten in dem großen Raum unter dem Dach für einige Jahre Tischtennis, bis die Sportler in die Halle am Rheindorfer Weg umziehen konnten. Parterre zog dann ein Getränkehändler ein, der sich den Bunker ab 1984 mit verschiedenen Künstlern teilte. Die mussten 2013 ausziehen.

Quelle: RP
 
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