| 00.00 Uhr

Wersten
Werstenerin erfüllt sich ihren Traum

Wersten. Sabrina Reinert ist studierte Modedesignerin und Maßschneidemeisterin. An der Werstener Dorfstraße betreibt sie ihr Geschäft "Q-Pa". Von Andrea Röhrig

Es gibt so Menschen, die das Glück anzuziehen scheinen. Zu solchen Menschen gehört Sabrina Reinert. Das hat allerdings auch viel mit ihr selbst zu tun. Bei den warmen Temperaturen steht die Tür ihres Kleinen Ladenlokals an der Werstener Dorfstraße 82 offen: Jeder, der vorbei geht, grüßt und wird gegrüßt: "Wersten ist halt ein Dorf" sagt die 27-Jährige lachend und streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Ein Dorf, aus dem sie nicht weg möchte - wie übrigens nahezu die ganze Familie: "Wir wohnen sogar alle in der Nähe der Kirche St. Maria Rosenkranz." Alle Familienmitglieder samt Freund unterstützen sie bei ihrer Selbstständigkeit, einen Weg, den sie im November 2014 mit der Eröffnung des "Q-Pa" eingeschlagen hat. Zuvor wohnte sie viele Jahre über ihrem heutigen Geschäft: "Damals war das ein Büro mit immer heruntergelassenen Jalousien."

Sie zog dann mit ihrem Freund aus, weil die Wohnung für zwei zu klein war; ihre Cousine rückte nach. Und als sie dann ein Ladenlokal suchte, traf es sich, dass das Büro gerade frei wurde. Viel Arbeit hat sie in die Sanierung gesteckt, den alten Dielenboden wie auch den Stuck an der Decke freigelegt. In einem alten Schraubenschrank - "der stand bei meinem Vermieter in der Garage" - stellt sie einige der schönen Dinge aus, die sie verkauft. Und da es in Wersten nicht eben viele Geschäfte gibt, in denen es kleine Mitbringsel und Geschenke zu kaufen gibt, hat sie sich mit ihrem Angebot schon gut etabliert.

Neben Geschenkartikeln bietet sie Näh- und Kreativkurse an - unter anderem - denn Ideen hat die Werstenerin zur Genüge. Ihre Tante steuert Strick- und Häkelkurse bei. Auch wer sich von Sabrina Reinert ein Hochzeitskleid nähen lassen oder einen Kindergeburtstag feiern will - ist bei der 27-Jährigen an der richtigen Adresse. Weil es so gut läuft und sie inzwischen keine Aufträge mehr annehmen kann, würde sie gerne auf 450-Euro-Basis eine Schneiderin einstellen.

Seit Anfang Juli hat sie in einem Gebäude im Hinterhof den Raum im ersten Stock fertiggestaltet, in dem nun die Nähkurse stattfinden werden. Das Ladenlokal ist für dieses Angebot zu klein geworden. "Hier war früher eine Fahrschule für Kutschen untergebracht", erzählt sie. Als sie den Raum übernahm, war die Kutsche, die dort einmal gestanden hat, schon weg; doch die Tafel, an der der Unterricht abgehalten wurde, noch da: "Es war eine Auflage des Vermieters, dass die da bleiben muss," erzählt sie und freut sich darüber. Denn sie passt wunderbar in das Ambiente mit dem alten Schrank und den in rosa gestrichenen Wänden und Decken.

Zunächst hat sie an der Düsseldorfer Modeschule Modedesign studiert. Schnell sei ihr klar geworden, dass die Modebranche sie auf Dauer nicht glücklich machen werde. Als sie für den Vertrieb für eine große Modefirma Boutiquen besucht habe, habe sie festgestellt, dass sie auf der Seite der Betreiber gewesen sei. Weil sowohl ihr Vater als auch ihr Freund selbstständig sind, war ihr schnell klar, dass das auch ihr Weg sein werde. Allerdings wollte sie davor noch den Meister für Maßschneiderei machen. Anfangs sei sie so naiv gewesen, zu glauben, sie könne das Q-Pa parallel zum Besuch der Meisterschule schon mal an den Nachmittagen öffnen. "Der Unterricht ging dann aber oft bis 18 Uhr." So startete sie anfangs damit, das Geschäft samstags zu öffnen. Erst nach der Prüfung weitete sie Öffnungszeiten und Kurs-Angebot aus. Mit viel Liebe hat sie ihren Laden eingerichtet; der Name kommt aus Kindheitstagen. Als sie und ihre Schwester einmal herumblödelten und sich viele witzige Namen gaben, blieb dieses "Q-Pa" hängen. "So nennt mich aber nur meine Schwester."

Sabrina Reinert kann sich für ihre berufliche Zukunft noch vieles vorstellen. Weil einer Kundin die selbstlackierten Möbel so gut gefielen, bat diese, ihr auch eine Kommode zu lackieren. Eine andere Werstenerin wünscht sich zu Weihnachten, dass Reinert ihr gleich die ganze Wohnung umgestaltet.

Doch in den nächsten Tagen wartet auf sie erst einmal eine andere Arbeit: Acht Pullover mit dem Wersten-Aufdruck zu versehen. Den Protyp schenkte sie 2006 einem Freund; seit dem kommt sie mit dem Nachmachen kaum nach. Der Aufdruck ist dem Straßenschild angelehnt, das sie vor vielen Jahren geschenkt bekam. Es dient als Vorlage. Auch ein Benrather Sweatshirt hat sie schon gemacht- Als Renner erweisen sich die Taschen mit dem Aufdruck. Die gehen weg wie die sprichwörtliehn warmen Senmeln.

Zurück zu den acht Bestellungen. Jahrelang begleitete Reinert die Sommerfreizeit der KJG, viele Mitfahrer stattete sie schon mit einem Pulli aus. Auch in diesem Jahr begleitete sie die Tour, kehrte aber schon nach zwei Wochen zurück, weil sie das Q-Pa nicht so lange geschlossen lassen wollte. Acht neue Mitfahrer wollten auch so ein Teil. Wenn der Rest des Ferienlagers heute nach Hause kommt, sollen diese schließlich fertig sein.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wersten: Werstenerin erfüllt sich ihren Traum


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.