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Wittlaer
Dreckpiste vor der Haustür

Wittlaer. In Wittlaer werden 32 Einfamilienhäuser gebaut. Die Nachbarschaft ist genervt. Von Ute Rasch

Als sie einzogen, glaubten sie, in Wittlaer das pure Idyll gefunden zu haben: An einer Seite ist der Schwarzbach die natürliche Grenze zu ihrem Grundstück, und hinter ihren Häusern schweift der Blick weit über das Landschaftsschutzgebiet, manchmal wagen sich Rehe und Füchse in den Garten. Aber dann war es mit der Ruhe vorbei. Vor einem Jahr wurden die alten Werkstatt-und Wohngebäude der Graf-Recke-Stiftung abgerissen und schufen Platz für eine Großbaustelle. Dort entstehen jetzt unter der Regie von Corpus Sireo 32 Einfamilienhäuser. Und der Weg zum Wohn-Idyll des Architektenpaares Melanie Neuhaus und Martin Ritz-Rahman verwandelt sich regelmäßig in eine Schlammpiste.

Sie hatten dieses Naturparadies mit den vier alten Meisterhäusern vor vier Jahren entdeckt. Früher lebten hier Schlosser und Schuster, Tischler und Maler, die Jugendlichen ihr Handwerk beibrachten. "Die Häuser waren runtergekommen, von Brombeersträuchern überwuchert, aber ihr Charme ließ sich mühelos erkennen", erinnert sich Martin Ritz-Rahmann. Das Paar steckte viel Geld und Arbeit in das Objekt, ist selbst in eines der Eckhäuser gezogen, hat die übrigen drei vermietet. Und wenn sie abends aus dem Büro nach Hause kamen, konnten sie oft den Eisvogel beobachten, der am Bach nistet.

Der ist wohl nun in ruhigere Gefilde geflohen, denn vor genau einem Jahr begannen die Abbrucharbeiten von Werkstätten und Wohnhäusern und machten Platz für Neubauten. "Der Ärger begann damit, dass wir lange für die Sicherung der Baustelle kämpfen mussten, das gelang uns erst, nachdem wir die Bauaufsicht eingeschaltet haben", so Melanie Neuhaus. Mittlerweile gebe es Bauzäune, die aber nur schlecht befestigt seien, außerdem habe man die baustellennahen Bäume nicht geschützt, "dafür gibt es eigentlich klare Regeln", kritisiert das Architektenpaar.

Richtig schlimm sei es dann geworden, seit Baufahrzeuge die Zufahrt zu den vier Häusern "regelmäßig in eine Schlammpiste verwandeln." Die Häuser seien zeitweise zu Fuß nicht mehr erreichbar gewesen, auch für Post- und Zeitungsboten. "Im letzten Sommer konnte uns über sechs Wochen die Müllabfuhr nicht erreichen." Corpus Sireo habe sich trotz täglicher Beschwerden nicht gerührt, die Bewohner haben dann den Müll per Handarbeit in große Säcke umgepackt und zur Straße geschafft. "Ekelhaft!"

Auf Anfrage der Rheinischen Post meint ein Sprecher der Baufirma, man habe alle beteiligten Firmen angewiesen, die Zufahrten "verkehrssicher zu halten", im Übrigen sei die Zufahrt der Müllabfuhr gewährleistet und würde auch kontrolliert. Und ansonsten? "Beeinträchtigungen durch die Baustelle sind auch zukünftig nicht auszuschließen."

Das Architektenpaar berichtet derweil von einem anderen Ärgernis: Im März 2017 habe ein Baufahrzeug bei den Abbrucharbeiten der alten Gebäude die Stromkästen der Meisterhäuser derart beschädigt, dass ein Schaden von 7600 Euro entstanden sei. "Bei dem schweren Sturm Anfang 2018 sind dann Bauzäune auf die Kästen gestürzt, was den Schaden verschlimmert hat." Erst nach Tagen seien die Absperrungen teilweise wieder aufgerichtet worden, "gesichert gegen erneutes Umstürzen wurden sie nicht." Corpus Sireo verweist darauf, den Schaden der Versicherung gemeldet zu haben, "aber die verweigert die Kosten zu erstatten", so das Architektenpaar. Die Anwohner sind genervt: "Die Neubauten werden erst im nächsten Jahr fertig - ein unzumutbarer, aufreibender Zustand."

Quelle: RP
 
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