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Wittlaer
Ein Wagen nur für die Alten Herren

Wittlaer. Eine Besonderheit gibt es bei den Wittlaerer Schützen, damit auch alle am Zug teilnehmen können. Von Stefanie Thrun

Ob zu Fuß, auf dem Rücken eines Pferdes, im Inneren einer Kutsche oder sogar in elektrischen Rollstühlen, die Fortbewegungsmöglichkeiten beim Schützenfest in Wittlaer waren vielseitig. Etwas Besonderes allerdings, das so nicht bei jedem Verein zu finden ist, ist der Alt-Herren-Wagen. In diesem dürfen all jene mitfahren, die nicht mehr gut zu Fuß sind, ob aufgrund des Alters oder einer Verletzung ist dabei vollkommen egal. Entscheidend ist nur, dass alle dabei sein sollen beim großen Schützenzug.

Wie bei allen Schützen ist der große Umzug, an dem auch viele befreundeten Vereine teilnehmen, einer der Höhepunkte des Schützenfestes. Hans Theo Cremer ist seit 1986 Mitglied bei der St. Sebastianus Bruderschaft in Wittlaer. Drei Jahre später, 1989 war er dann auch direkt König, eine Zeit, an die er sich gerne zurückerinnert. Die Mitgliedschaft bei den Schützen bedeutet für ihn, Teil einer engen Gemeinschaft zu sein. Seit er Mitglied ist, hat er den großen Umzug noch nie verpasst, und auch gestern war er dabei, diesmal allerdings nicht zu Fuß, sondern im Planwagen am Ende des Zugs. Mit ihm fuhren acht weitere "Alt-Schützen" im Wagen mit und konnten die gemütliche Tour hinter dem kleinen roten Trecker genießen. So zum Beispiel Hermann-Joseph Zensen, der noch länger dabei ist als Cremer: 1963 ist er dem Verein beigetreten, stolze 30 Jahre lang war er Leiter des Spielmannzugs. Heute ist er Hauptmann der Kompanie "Alte Kameraden" und wird im Planwagen von seinen Kollegen als langjähriges Vorbild der Jugend gehandelt.

Und genau die steht in Wittlaer ganz oben auf der Prioritätenliste. Jugendförderung wird hier vielleicht noch mehr als bei vielen anderen Vereinen. betrieben. Das beschafft vielleicht Nachwuchs für das Brauchtum, ist aber vor allem als Gemeinschaftsbildung zu verstehen. So lud der Verein am Freitag 400 Grundschüler aus Wittlaer ins Festzelt ein. Eine Zauberkünstlerin war zu Besuch, eine Kinderdisco wurde organisiert. Zur Stärkung gab es Linsensuppe, auf die sich die Kinder begeistert stürzten - zur Überraschung der Schützen. "Am Ende war wahrhaftig alles weg", erzählte Kaspar Hilger, der nicht nur Linsen zu Suppe verarbeitet, sondern auch bekannt ist für seine Erbsensuppe nach Geheimrezept.

Heute Abend, nachdem der neue König ausgeschossen wurde, ist es dann wieder vorbei mit dem Schützenfest. Aber die Mitgliedschaft in der Bruderschaft gerät dann nicht etwa für ein Jahr in Vergessenheit. "Die einzelnen Kompanien veranstalten noch eigene kleine Feste und Ausflüge", erzählt Cremer, für den das Brauchtum im Stadtteil so lebendig ist wie eh und je.

Quelle: RP
 
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