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Wittlaer/Benrath
Ein Wittlaerer auf einem besonderen Klassentreffen

Wittlaer/Benrath. Vor 60 Jahren trat Peter Darius zum ersten Mal als Lehrer vor eine Klasse. Ein Grund, morgen mit seinen Schülern zu feiern. Von Beate Gostincar-Walther

Die Vorfreude auf beiden Seiten ist groß: Peter Darius aus Wittlaer und Ursula Verhofen begegnen sich morgen in Benrath bei einem Klassentreffen. Sie als ehemalige Schülerin der Benrather Volksschule an der Erich-Müller-Straße, er als ihr früherer Lehrer. Lehrer und Schülerin trafen sich vor 60 Jahren das erste Mal, und zum Klassentreffen finden sie das zehnte Mal zusammen. In seiner Wittlaerer Wohnung erzählt der 84-Jährige lebhaft und mit glänzenden Augen von seinen früheren Schülern und seinem Beruf - besser gesagt seiner Berufung. Denn Lehrer werden - das sei immer ganz klar sein Berufswunsch gewesen. "Es war wie eine Eingebung. Ich bin schon immer gerne in die Schule gegangen", erinnert sich Darius. Wenn der gebürtige Stettiner an seine eigene Zeit als Schüler zurückdenkt, werden entsetzliche Erlebnisse vom Krieg, vom Einmarsch der Russen und der Flucht geweckt: "Die Granaten schlugen uns um die Ohren, und so endete am 20. April 1943 meine Kindheit." Mit Mutter und Schwester flüchtete er nach Solingen, in die Heimat seines Vaters. Dort begann nach eineinhalb Jahren kriegsbedingter Zwangspause erst wieder seine Schulzeit.

Sein Studium verdiente sich Darius mit dem Schleppen von Zement auf dem Bau. Doch er sei gut trainiert gewesen, deshalb habe ihm die viele Arbeit nichts ausgemacht. Seine Profession verlor er dabei keinen Augenblick aus dem Visier. 1956, zu Zeiten großen Lehrermangels, gab er seinen Einstand in Benrath. An der Volksschule Erich-Müller-Straße unterrichtete er sieben Jahre lang: "Ich hatte 88 i-Dötzchen in zwei Klassen. Es waren sehr unterschiedliche Temperamente, doch konzentrieren konnten sich die Kinder gut." Als dann die Entscheidung anstand, entweder weiter zu studieren oder eine Familie zu gründen, entschied er sich für den Beruf: "Mir fehlte noch einiges im Bereich der Humanwissenschaften und da war ich stur." Dass er trotzdem währenddessen seine Frau Roswitha kennenlernte, wollte das Leben so oder die Intuition, wie es Peter Darius nennt. Inzwischen sind beide seit 55 Jahren zusammen.

Obwohl Peter Darius promovierte, hatte er nie den Ehrgeiz, zu einer anderen Schulform zu wechseln. Sein Herz gehört besonders den Jüngsten, ihnen wollte er ein tragfähiges, positives Fundament für das Leben mitgeben. Prägend für diese Intention waren die menschlichen Abgründe, die er selbst als kleiner Junge im Krieg so unmittelbar erfahren hatte. "Ich wollte Menschen bilden und nicht nur Wissen vermitteln", erklärt er. Und das tat er über sein Pensionsalter hinaus. Zuletzt unterrichtete Darius ehrenamtlich an der Brunoschule im Stadtteil Golzheim - bis zu seinem 80. Lebensjahr.

In der Wittlaerer Kindertagesstätte schließt sich der Kreis. Dort besucht der rüstige Peter Darius als Lese-Opa die Kinder. "Ich bringe auch immer eines meiner Instrumente mit und führe es vor", erzählt er begeistert. Und da gibt es zahlreiche, etwa die Fidel, das Cello oder Flöten, die er in allen erdenklichen Größen besitzt und spielen kann. Die Musik gehört so wie die Schule zu seinem Leben. "Ich wäre aber nie ein Meister geworden" - ist sich der (Un)-Ruheständler sicher.

Quelle: RP
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