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Wittlaer
Kita-Kinder helfen bosnischen Familien

Wittlaer. Der katholische Kindergarten St. Remigius sammelt regelmäßig Geld für die Bosnienhilfe. Davon werden Schafe gekauft, die Familien in Bosnien eine bescheidene Existenzgrundlage bieten. Von Julia Brabeck

Johanna freut sich: "Das Schaf, das unsere Gruppe verschenkt hat, hat den Namen Josefine bekommen, denn ich habe diesen Namen vorgeschlagen", sagt die Sechsjährige. Wie die 60 anderen Kinder der katholischen Kindertagesstätte St. Remigius hat sie sich an dem Schafsprojekt der Bosnienhilfe beteiligt. Dafür wurden von den Jungen und Mädchen aus Pappmaché und Luftballons große Schafe gebastelt, die dann als Spardosen dienten. In jeder der drei Kita-Gruppen wurde während der St. Martinszeit ein solcher Sammelbehälter aufgestellt und in den folgenden Wochen nach und nach ordentlich gefüllt.

"Früher haben wir Lebensmittel gesammelt, an der Schafsaktion haben wir uns jetzt bereits zum dritten Mal beteiligt und jedes Mal Geld für drei Schafe gespart. In diesem Jahr konnten wir sogar den Kauf von fünf Schafen finanzieren, da wir noch zusätzlich bei einer Kinderkunst-Auktion Gelder gesammelt haben", sagt Birgit Romich, Leiterin der Kindertagesstätte. Rund 130 Euro kostet die Anschaffung eines Muttertiers und 150 Euro ein Bock.

Dieses Engagement wurde nun ausgezeichnet. Der Direktor der Caritas aus Sarajewo hat dem Kindergarten eine Dankesurkunde ausgestellt, die von Heribert Hölz persönlich übergeben wurde. Der 73-Jährige ist der Gründer dieser und vieler anderer Hilfsprojekte und sorgt immer persönlich dafür, dass die Spenden auch wirklich vor Ort ankommen. Dafür ist er in den letzten 24 Jahren 83 Mal nach Bosnien gereist.

"Die fünf Schafe der Kita sind diesmal an eine Familie mit fünf kleinen Kindern gegangen. Bei der Übergabe haben sich sehr bewegende Szenen abgespielt, zumal der Züchter noch fünf Lämmer, eines für jedes Kind, dazu geschenkt hat", sagt Hölz. Durch die kleine Herde kann sich die Familie jetzt eine bescheidene Existenz aufbauen. "Sie hat nun eine Perspektive und braucht nicht, wie das bereits angedacht war, in ein anderes Land flüchten. Wir leisten also Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Hölz.

Gleichzeitig werden die Kindergartenkinder für die Lebenssituation anderer Menschen sensibilisiert. "Mir ist es wichtig, dass sie erfahren, wie glücklich wir hier über unser Leben sein können und dass es anderen nicht so gut geht", sagt Romich. Zudem gehöre es zu den Werten einer katholischen Einrichtung, mitmenschlich zu handeln - auch über die Ortsgrenzen hinweg. Deshalb wird auch immer mit den Kindern an den jeweiligen Spendenempfänger ein Brief geschrieben. "Die Kinder wünschen dann beispielsweise der Familie viel Erfolg mit der Schafszucht und dass sie sich mit der Wolle schöne warme Kleidung stricken können", sagt die Leiterin. Heribert Hölz wiederum bringt später von der Übergabe der Schafe Fotos mit, damit die Kinder genau sehen können, was mit den Spendengeldern bewirkt wird.

"Ich wusste vorher gar nicht, was man alles mit der Hilfe eines Schafs machen kann, dass man dadurch warme Kleidung und etwas zu trinken bekommt", sagt die sechs Jahre alte Jamie-Lee. Sie erzählt ganz begeistert von der Aktion. "Ich habe dafür Geld von der Oma bekommen."

Birgit Romich will das Projekt auf alle Fälle weiter fortsetzen. "Es ist toll zu sehen, wie sich die Kinder damit identifizieren und mitmachen. Die Aktion ist eine gute Gelegenheit, sehr persönlich Hilfe zu leisten."

Quelle: RP
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