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Wittlaer
Wenn die Martinstrompete trötet

Wittlaer: Wenn die Martinstrompete trötet
FOTO: Schalmeien-Corps
Wittlaer. Seit 66 Jahren besteht das Schalmeien-Corps in Wittlaer. Die Musiker werden mit ihren besonderen Instrumenten bis nach Bayern eingeladen. Von Julia Brabeck

Wenn das Schalmeien-Corps aus Wittlaer auftritt, dann sorgen die 15 Musiker regelmäßig für Aufsehen. Das liegt nicht nur daran, dass sie sehr lautstark sind, sondern vor allen Dingen an ihren ungewöhnlichen Instrumenten. Diese sehen aus, als hätte jemand mehrere lange Blechtröten gebündelt und mit drei Tasten und einem Trompetenmundstück versehen. Insgesamt acht Töne können einem Instrument entlockt werden. "Da wir aber unterschiedlich große Schalmeien spielen, haben wir verschiedene Tonarten und dadurch eine größere Vielfalt", sagt Kaspar Hilger, Mitglied im Corps.

Die Gruppe, die hauptsächlich im Karneval auftritt, konnte nun mit dem 66. Geburtstag ein närrisches Jubiläum feiern. Entstanden ist sie durch einen Zufall. Um 1950 wurden in Wittlaer auf verschiedenen Dachspeichern die Blechtröten entdeckt. "Woher diese stammen, ob es etwa schon früher eine Schalmeien-Gruppe in Wittlaer gab, ist leider nicht überliefert", sagt Hilger. Einige Dorfbewohner, darunter auch Helmut Parnitzke, Mitbegründer und heutiges Ehrenmitglied des Corps, hatten die Idee, darauf Musik zu machen. Man setzte sich zusammen, schrieb Musikstücke um und probte fleißig. Am 11.11.1951 zum Hoppediz-Erwachen, erfolgte der erste Auftritt und fortan waren die Musikanten gerngesehene Gäste auf vielen Veranstaltungen.

Besonders in den 1970er Jahren war das Corps eine sehr gefragte Gruppe, die bis zu vier Auftritte im Karneval an einem Abend absolvierte. Da der Spaß an der Sache dabei viel zu kurz kam, wurde beschlossen, künftig in Wittlaer zu bleiben und auf Touren zu verzichten. 2012 stand dann die Zukunft der Gruppe auf der Kippe. Viele Mitglieder hatten diese aus verschiedensten Gründen verlassen. Doch mit dem neuen musikalischen Leiter Hans-Werner Balgheim und seinem Stellvertreter Axel Wenders kam neuer Schwung in die Band.

"Seitdem hat sich die spielerische Qualität stetig verbessert, viele neue Musikstücke und Auftritte sind hinzugekommen", sagt Hilger. Rund 30 Werke umfasst das Repertoire, das ständig erweitert und modernisiert wird. "Wir wagen uns jetzt auch an rockigere Stücke und aktuelle Ohrwürmer heran, die von unseren musikalischen Leitern für uns umgeschrieben werden." Und inzwischen geht es auch wieder auf Tour außerhalb des Ortes. "Ein Highlight war beispielsweise eine Fahrt zu einem historischen Skirennen in Oberbayern."

Einmal in der Woche wird dafür geübt. "Wer mitmachen will, muss ein bisschen verrückt sein, aber auch Ehrgeiz mitbringen." Weitere Vorkenntnisse seien nicht notwendig, das Instrument und die Noten schnell erlernbar. Für Feuerwehrmann Kaspar Hilger hat die Schalmei aber noch einen besonderen Bezug. So wird das Instrument auch als Martinshorn beziehungsweise Martinstrompete bezeichnet und ebenso wie die elektrischen Signalhörner seit über 130 Jahren von der Deutschen Signal-Instrumenten-Fabrik Max B. Martin hergestellt. "In der Vorkriegszeit wurden die Schalmeien auch als Kommunisten-Hörner bezeichnet, da die Instrumente oft bei deren Aufmärschen eingesetzt wurden." Dass die Hörner, die in Wittlaer gefunden wurden, aus dieser Epoche stammen, der Ort eine heimliche Kommunistenhochburg war, weist Kaspar Hilger aber lachend von sich.

Quelle: RP
 
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