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Düsseldorf
Städtisches Personal ist verunsichert

Düsseldorf: Städtisches Personal ist verunsichert
Die Mitsubishi Electric Halle war gestern gut gefüllt. Doch das Konzept stieß auf heftige Kritik. "Ich fühle mich nicht mitgenommen", sagte eine Mitarbeiterin und erntete viel Applaus. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Das Konzept Verwaltung 2020 sollte den Mitarbeitern bei einer Versammlung erklärt werden, vieles bleibt aber unklar. Von Verena Patel und Denisa Richters

Die Begeisterung war groß, als Oberbürgermeister Thomas Geisel als eine seiner ersten Amtshandlungen im September 2014 die städtischen Mitarbeiter zu einer Versammlung eingeladen hatte. Fast 5000 Beschäftigte kamen in die Mitsubishi Electric Halle. Gestern waren es fast genauso viele - auch diesmal war es der Rathaus-Chef, der eingeladen hatte. Doch die Stimmung war verändert. "Die Aufbruchstimmung ist weg", sagt Robert Wollborn, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats.

Der Grund für die Ernüchterung ist zum einen das Konzept "Verwaltung 2020", mit dem Geisel in den nächsten Jahren rund ein Fünftel der insgesamt etwa 10.000 Stellen einsparen will. Für Unmut sorgt laut Wollborn aber auch, dass die Stadtverwaltung offenbar versucht, die öffentlichkeitswirksam verkündete Bessergruppierung von Erzieherinnen wieder zurückzudrehen. "Wir sehen darin tarifwidriges Verhalten", sagt Wollborn. Der Personalrat habe deshalb einen Einstellungsstopp verhängt. "Und das versucht man uns nun als Schwarzen Peter wieder zurück zu schieben."

Bei der gestrigen Versammlung bewegen sich Geisel und seine Führungskräfte zwischen Bedeutungsschwere und "Ist doch gar nicht so schlimm"-Rhetorik. Die Erwartung, dass es ganz konkrete Beispiele geben könne, wie das 2020-Konzept umgesetzt wird, wird enttäuscht. Die Unternehmensberatung Bülow & Consorten soll zunächst eine Untersuchung einleiten. Geisel verweist mehrfach darauf, dass er nun noch keine Ergebnisse nennen könne. Er argumentiert vor allem mit dem demografischen Wandel: Weil aus Altersgründen in den nächsten Jahren mehr Mitarbeiter ausscheiden als Fachkräfte-Nachwuchs da ist, müsse sich die Verwaltung anpassen. Auch 2016 ist das Personal mit 540 Millionen Euro wieder der größte Ausgabeposten im städtischen Etat.

Während sich Geisel bemüht, das Angstthema Personalabbau als möglichst leichte Kost herüberzubringen, zeigt Personaldezernent Andreas Meyer-Falcke harte Kante: Er sei sich sicher, dass "wir das schaffen" und führt als ermutigendes Beispiel die Abwicklung der Flüchtlingszüge am Flughafen-Fernbahnhof an, wo viele Stadtmitarbeiter gezeigt hätten, was sie können: Einer kann auf Menschen zugehen, einer kochen, ein weiterer mit Konfliktsituationen umgehen. "Eine Kaminkarriere, bei der man auf einer Stelle bleibt, einem dann über die Jahre neue Aufgaben zukommen und man schließlich so in eine Führungsposition wächst, das wird es so kaum noch geben", so Meyer-Falcke. Sein Schlüsselwort: Rotation. Die Zahl der Auszubildenden werde um 66 bis 75 Prozent erhöht, um für genügend Nachwuchs zu sorgen. Geisel erklärt, dass sich aus vielen Gesprächen, die er mit Mitarbeitern geführt habe, Handlungsbedarf ergeben habe. "Wir wollen damit auf keinen Fall kurzfristig Haushaltslöcher stopfen." Optimierungsvorschläge sollen nun bis April eingereicht werden. Im Juli wird entschieden. Offen blieb für die einzelnen Mitarbeiter die Frage, was mit ihrem jeweiligen Arbeitsplatz passiert.

Personalrätin Katharina Lang befürchtet, dass die Amtsleiter "an ihre Grenzen stoßen" werden. Outsourcing, das, wie Geisel betonte, wo möglich vermieden werden sollte, könne dann unausweichlich sein. "Was ist wichtiger", fragt schließlich eine Erzieherin unter Applaus, "die Ausrichtung der Tour de France oder gut ausgestattete Kitas?"

Quelle: RP
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