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Ständehaus-Treff
Schröder lobt Putin und tadelt Merkel

Gerhard Schröder beim Ständehaus-Treff in Düsseldorf
Gerhard Schröder beim Ständehaus-Treff in Düsseldorf FOTO: Enderrmann
Düsseldorf. Beim Ständehaus-Treff in Düsseldorf setzte Altkanzler Gerhard Schröder bewusst eigene Akzente mit Blick auf die Ukraine-Krise. Den Ausschluss des russischen Präsidenten Putin aus G7 bezeichnete er als Fehler. Von Jan Dobrick und Martin Kessler

Altkanzler Gerhard Schröder zieht noch immer. Bis auf den letzten Platz war diesmal der "Ständehaus-Treff" gefüllt. Veranstalter Axel Pollheim hätte gut drei Mal so viel Gäste einladen können. Schließlich war es der damalige Bundeskanzler Schröder, der die Veranstaltungsreihe "Ständehaus-Treff" in dem umgebauten früheren Landtag im Juli 2002 als erster Gast eröffnete.

Er hatte gerade mit seiner ungestümen Kritik am Irak-Krieg eine historische Aufholjagd gegen Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber begonnen und am Wahlabend die SPD mit 38,5 Prozent hauchdünn vor der Union ins Ziel gerettet. Rot-Grün konnte weiter regieren. Er ist eben der geborene Wahlkämpfer. Etwas, von dem er sagt, dass man es nicht erlernen könne. "Regieren können auch Technokraten", schrieb er in seiner Autobiografie.
Heute liegt die SPD bundesweit in Umfragen bei 25 Prozent. Ein Magnet wie Schröder fehlt der Partei an allen Ecken und Enden. Der 71-Jährige kann zufrieden auf seine Bilanz zurückzuschauen.

Kein Langweiler

Vor allem ist Schröder kein Langweiler, kein Abwäger, kein Bedenkenträger. Und so ging es gleich in die Vollen. Der SPD-Politiker präsentierte sich schlagfertig, humorvoll und bestens informiert. Auch, als RP-Chefredakteur Michael Bröcker den bekennenden Fußballanhänger gleich zu Beginn zum Fifa-Skandal und seinem Verhältnis zu Sepp Blatter befragte.

"Ich habe nicht vor, Fifa-Präsident zu werden, obwohl ich es könnte", lautete Schröders launiger Kommentar. Die WM habe Deutschland bekommen, weil der Charme der Botschafter Claudia Schiffer, Boris Becker und des Glückskinds Franz Beckenbauer gewirkt habe. Politisch habe Deutschland nicht nachgeholfen, schon gar nicht mit Waffengeschäften mit Saudi-Arabien, wie manche behauptet hätten.

Schröder bekräftigte im Vorfeld des G7-Gipfels im bayrischen Schloss Elmau seine Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Wir stehen in freundschaftlichen Beziehungen und sprechen miteinander." In der Ukraine hätten beide Seiten große Fehler gemacht. Man hätte die Russen bei den Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen einbinden müssen. "Ich halte es für einen Fehler, den russischen Präsidenten nicht zu G7 einzuladen", sagte Schröder. "Russland hat eine Alternative zu Europa. Umgekehrt gilt das nicht."

Schwächen der SPD

Sorgen bereitet Schröder, dass die SPD nicht ausreichend auf die Wirtschaft zugehe. "Es gibt bei der SPD eine gewisse Schwäche, was die Wirtschaft angeht", sagte der Altkanzler. Gabriel müsse seinen Frieden mit dem Reformwerk Agenda 2010 machen. "Ich hoffe, dass ihm die Energiewende gelingt und ich hoffe, dass er seinen Frieden mit der enorm wichtigen Gewerkschaft IGBCE und dem wichtigen Landesverband NRW macht." Kritik äußerte der frühere SPD-Vorsitzende an den rentenpolitischen Entscheidungen der großen Koalition.

"Die Rente mit 63 und die Mütterrente sind ein teurer Spaß, der sich rächen wird." Er fügte hinzu: "Ich glaube, dass es 2017 eher zu einer schwarz-grünen Koalition kommt. Die haben doch ihren Frieden miteinander gemacht." Es lohne sich aber für die SPD zu kämpfen.

Essen mit Kraft und Königs

550 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren ins Ständehaus gekommen. Unter den Gästen befand sich erstmals seit langer Zeit auch wieder NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), außerdem Düsseldorfs OB Thomas Geisel und FDP-Chef Christian Lindner. Stephan Gemkow, der Vorstandschef des Duisburger Mischkonzerns Haniel, hatte sich ebenfalls unter die Gäste gemischt.

Der Altkanzler fühlte sich in der Düsseldorfer Altstadt sichtlich wohl. Nach der Veranstaltung ging er noch mit Hannelore Kraft und dem Präsidenten von Borussia Mönchengladbach, dem Unternehmer Rolf Königs, in das italienische Restaurant "Saitta". Kraft ist begeisterter Borussia-Fan. Welches die wahre Borussia ist, darüber sind sich BVB-Fan Schröder und Kraft allerdings nicht ganz einig.

(kes)
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