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Düsseldorf
Fünf Tage Hauptstadt der Old Economy

Stahlmessen Wire und Tube 2016 in Düsseldorf
Die Drahtmesse Wire und die Röhrenmesse Tube sind die Weltleitmessen ihrer Branche. 70 Prozent der etwa 70.000 Gäste sind aus dem Ausland. FOTO: messe
Düsseldorf. Zu den Stahlmessen Wire und Tube kommen die Branchengrößen aus aller Welt. Sie tragen Anzug statt Kapuzenpulli, essen gern deftig und brauchen keine Werbegeschenke. Eine ganz besondere Szene. Von Thorsten Breitkopf

Die Messe Boot lockt eine wohlhabende, Lifestyle-orientierte Klientel nach Düsseldorf - die Modemessen eine besonders gut gekleidete. Die Messen Wire und Tube, die noch bis Freitag in Düsseldorf stattfinden, sind anders. Nicht, dass deren Besucher nicht gut angezogen wären, sie tragen Anzüge, in allen Farben, vorausgesetzt, die Farbe ist schwarz. Die Welt der Stahlbosse ist eine sehr sehr alte, mit alten Sitten und Handelsusancen. Und wer beim Geschäft mit nahtlosen Rohren oder hochfesten Stählen Geld verdienen will, der ist angezogen, nun ja, wie ein Geschäftsmann eben. Feiner Zwirn, Maßanzug, Krawatte von Hermès oder Brioni. Und obwohl sie ein bisschen aussehen wie Banker, sieht man sofort, es sind keine, sondern Diplom-Ingenieure oder Diplom-Kaufmänner. Und auf geschlechtergerechte Sprache darf bei der Wire und der Tube getrost verzichtet werden. Frauen sind absolut in der Minderzahl auf dem Messegelände.

Die Welt der Stahlbosse ist die Welt des alten Geldes, Old Economy eben. Die vielen Messestände sind nüchtern gehalten. Werbeutensilien wie Kaffeetassen oder Schlüsselanhänger, wie man sie von den meisten Düsseldorfer Messen kennt, braucht die Stahlbranche nicht. Stattdessen sehen die Hallen aus wie gut gestylte, sehr saubere Fabrikgebäude. Man blickt in ein Meer aus blanken Rohren, Drähten, Kabeln, Hohlprofilen. Was man damit macht, bleibt dem fachfremden Besucher verborgen. Die Wire und die Tube sind Messen der Investitionsgüterbranche, etwas für Profis.

Und diese Messen sind auf gewisse Weise auch kurios. Denn einerseits steckt die Stahlbranche weltweit in einer langjährigen und tiefen Krise. Es gibt Billigstahl aus China, der die Preise unter Druck setzt. Die Unternehmen in der EU beklagen lautstark den für sie wettbewerbsverzerrenden Handel mit CO2-Zertifikaten. Und wie ein Damoklesschwert schwebt über den Firmen eine gigantische weltweite Überkapazität an Röhren- und Stahlwerken. Hinzu kommt noch die Angst vor Schutzzöllen.

Andererseits aber gibt es einen Run auf die Düsseldorfer Stahlmessen. "Die Ausstellungsflächen beider Messen wuchsen um je 1000 Quadratmeter", sagt Messesprecherin Petra Hartmann-Bresgen. Es gibt 2600 Aussteller, 70 mehr als im Vorjahr. "Das Publikum ist zu 90 Prozent mittelständisch, der Rest Schwerindustrie. Die Stimmung ist gut. "Sie sehen hier viele Self-Made-Leute, die das spezielle Stahlgeschäft verstehen", sagt Messe-Geschäftsführer Joachim Schäfer.

Und in der Stadt sind die Besucher und Aussteller der Stahl-Messen sehr beliebt, besonders in der Traditionsgastronomie. "Die Gäste der Wire und der Tube sind echte Stammgäste, die alle zwei Jahre wieder kommen. Die stehen dann auch bei diesem Wetter mit abgelegtem Sakko und hochgekrempelten Ärmeln bis Mitternacht vor dem Brauhaus", sagt Uerige-Baas Michael Schnitzler. "Messen von Branchen, wo handwerklich und mit Metall gearbeitet wird, bringen uns schon immer viel mehr Gäste als Beauty oder Igedo, ergänzt Schnitzler.

Außerdem ist das Publikum sehr international, was bei einem Gang durch die Altstadt am Abend nicht übersehen werden kann. "70 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland", sagt der Messechef.

Quelle: RP
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