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Messe Düsseldorf
Stand-Aufbau ist eine heikle Zeitfrage

Messe Düsseldorf: Stand-Aufbau ist eine heikle Zeitfrage
Auf einem Stand der Kunststoffmesse K wurde eine so genannte Blasfolien-Extrusionsanlage mit Kranen aufgebaut - ein Wettlauf gegen die Zeit. FOTO: Messe
Düsseldorf. Keine Messe ohne Messe-Stände. Was Besucher nur als fertige Show-Räume kennen, ist harte Arbeit. Größter Engpass ist die Zeit. Denn den Messebauern bleiben vom Aufbaustart bis zur Eröffnung der Messe meist nur wenige Tage. Von Thorsten Breitkopf

Wer beim Presserundgang, meist einen Tag vor dem offiziellen Start einer Ausstellung, durch die Düsseldorfer Messehallen zieht, blickt ungläubig auf das, was er sieht. Dort sind offene Kabel zu sehen, Rohbauten, Lampen, die auf dem Boden stehen, viel Werkzeug und dazwischen Tausende eilig bis hektisch wuselnde Handwerker. Als Laie kann man beim besten Willen nicht glauben, dass 24 Stunden später alles fertig ist, kein Kabel und keine Lampe mehr fehlen und viele Besucher aus aller Welt durch die Hallen gehen. Und doch gelingt es. Jedes Mal. Pünktlich zur Messeeröffnung ist alles fertig, oder zumindest kann ein Besucher keine Makel erkennen. Wie geht so etwas?

Thomas Bürger weiß es. Er ist Geschäftsführer der Firma Display International aus Würselen. Sein Unternehmen ist unter anderem spezialisiert auf Messebau. 168 Mitarbeiter hat die mittelständische Firma, die bereits sei 130 Jahren am Markt ist - ein Familienunternehmen in vierter Generation. "Allein in den vergangenen sechs Jahren hatte unser Team 54 Einsätze auf dem Düsseldorfer Messegelände", sagt Bürger.

Und auch wenn Zeit am Ende der Flaschenhals auf dem Weg zum fertigen Messestand ist, so beginnt die Planung doch weit im Voraus. Heute werden Messestände lange vor der Veranstaltung ausgeschrieben. Oft ist es ein weltweites Geschäft. Auch Display International ist, wie der Firmenname verrät, im Auslandsgeschäft tätig. Die Aussteller der Düsseldorfer Messe gehören dennoch laut Thomas Bürger zu den wichtigsten Kunden im Geschäft.

In der Ausschreibungsphase sind heute auch bei Messeständen Architekten im Geschäft. In vielen Fällen geht es ja nicht um kleine Buden mit etwas Reklame und einer Sitzgelegenheit. Gerade die Messe Düsseldorf ist bekannt dafür, dass vor Ort wegen bestimmter Anschlüsse und Leitungen komplette Maschinen während der Ausstellung auf dem Messestand laufen können. So geschehen etwa auf der vorigen Kunststoffmesse K beim Stand der Maschinenbaufirma Windmöller und Hölscher, wo eine viele Meter hohe Blasfolien-Extrusionsanlage zu sehen war.

Durchschnittswerte für Messe-Stände gibt es bei Thomas Bürger nicht. "Es gibt welche, die werden mit zwei Lkw antransportiert, und solche, für die sich 300 Sattelschlepper in Bewegung setzen", sagt der Geschäftsführer. Die kritische Phase beim Aufbau ist der Zeitraum, ab dem man aufs Messegelände darf, bis zu der Stunde, zu der die Messe eröffnet. Früher seien zwei Wochen Aufbauzeit die Regel gewesen. "Heute sind sechs bis zehn Tage das absolute Maximum, weil die Belegung der Messen enger getaktet ist", sagt Bürger. Und das heiße auch, dass es nicht die Ausnahme sei, dass wegen der Zeitknappheit im Drei-Schicht-Betrieb 24 Stunden am Tag gearbeitet werden müsse.

Zweiter Engpass neben der Zeit ist oft der Platz. Dann müssen Stände auch schon mal in umgekehrter Reihenfolge aufgebaut werden, weil bestimmte Bereiche während des Aufbaus noch als Lagerflächen dienen. Und Engpass Nummer drei sind laut Bürger Lieferzeiten für besondere, meist ausgefallene Bauteile, die der Kunde wünscht.

Dass es in aller Regel klappt mit der pünktlichen Fertigstellung, ist laut Bürger vor allem Verdienst guter Mitarbeiter. Display International beschäftigt Handwerker aller Gewerke. Die Monteure sind Schreiner, Schlosser oder Elektriker. Besonders geeignet seien die Schreiner, weil sie am ehesten mit allen Werkstoffen umgehen könnten.

Auch die Messe-Bau-Branche bekommt den Fachkräftemangel zu spüren. Denn gute Handwerker finden heute mühelos eine Anstellung. Zwar ist die Bezahlung der Messebauer heute überdurchschnittlich gut. Trotzdem, sagt Thomas Bürger, habe er zunehmend das Problem, gute Leute zu bekommen. "Messebau ist ein Leben im Zeitraffer. Manchen ist die Work-Life-Balance heute wichtiger", so der Geschäftsführer.

Quelle: RP
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