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Düsseldorf
Stau in der Zulassungsstelle
Düsseldorf: Stau in der Zulassungsstelle
FOTO: Bußkamp, Thomas
Düsseldorf. Am Donnerstag wurden Bürger, die ihre Autos anmelden wollten, nach stundenlangem Warten nach Hause geschickt. Die Mitarbeiter fühlten sich nach elf Stunden Arbeit ausgebrannt und überlastet. Offenbar gibt es dort viel zu wenig Personal, um den Ansturm bewältigen zu können. Von Oliver Wiegand und Jan Wiefels

Zu tumultartigen Szenen mit lautstarken Beschimpfungen der Angestellten ist es offenbar am Donnerstagabend in der Zulassungsstelle des Straßenverkehrsamts am Höherweg gekommen. Etwa 30 bis 40 Bürger, die zuvor stundenlang darauf gewartet hatten, ihr Auto oder Motorrad anmelden zu können, wurden gegen 18 Uhr per Lautsprecherdurchsage nach Hause geschickt. Das Amt teilte den ziemlich erstaunten Wartenden mit, dass sie sich an der Information einen Termin für den nächsten Tag besorgen sollten.

Die Angestellten waren am Donnerstag vom Ansturm zu Beginn der Motorrad- und Cabriosaison völlig überlastet. Ein großer Teil der Belegschaft soll nach RP-Informationen am Donnerstag aufgrund von Krankheit oder Urlaub im Amt gefehlt haben. Zehn Angestellte hätten mit dem Ansturm fertig werden müssen. Gegen 18 Uhr – nach fast elf Stunden Schicht ohne große Pausen – waren ihre Kräfte offenbar erschöpft. In einem Anruf beim Personalrat teilten sie mit, dass sie überfordert seien und nun das Straßenverkehrsamt schließen möchten. Die Initiative ging von den Angestellten aus. Daraufhin wurden die Wartenden nach Hause geschickt.

Die Bürger sind empört und sauer. "So ein Verhalten gehört sich nicht für eine Landeshauptstadt. In Köln ist man in einer Viertelstunde mit dem Anmelden fertig", sagte jemand, der gestern erneut versuchte, sein Auto anzumelden. Es könne ja nicht angehen, dass man sich in Düsseldorf einen Tag freinehmen muss, um sein Auto anzumelden. Uwe Michalewicz, der seit fast 30 Jahren im Zulassungsdienst arbeitet, reicht die Papiere deshalb vorsichtshalber schon einen Tag früher ein. "Hier wird am falschen Ende gespart, nämlich auf Kosten des Personals", sagte er.

Kritiker werfen der Zulassungsstelle vor, dass Bürger stundenlang warten müssen. Das System der Wartemarken sei unübersichtlich. Man könne anhand der Nummer nicht erahnen, wann man ungefähr dran komme. Die Rede ist auch von einem schlechten Arbeitsklima. Es gebe immer wieder Leute, die wichtige Unterlagen wie TÜV-Bescheinigung für die Zulassung vergessen haben und daraufhin die Angestellten beschimpfen und bedrohen. Wenn aber die Presse oder das Fernsehen vor Ort sei, laufe alles wie am Schnürchen. Gestern mussten noch Anträge vom Vortag abgearbeitet werden, der Betrieb hatte sich aber allem Anschein nach wieder normalisiert. Die Stadt bestätigte gestern den Vorfall in der Zulassungsstelle. "Aufgrund von Krankmeldungen und Urlaub gab es zu wenig Personal", sagte Stadtsprecher Manfred Blasczyk.

Als erste Maßnahme seien gestern fünf Mitarbeiter aus anderen Abteilungen im Amt eingesetzt worden. Am Montag werde es Beratungen geben, wie die Abläufe verbessert werden können. Dabei würden die Kapazitäten und Arbeitszeiten analysiert. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Unterbesetzung von Personal kritisiert wird. Im November richteten 30 Mitarbeiter der Bauaufsicht ein Schreiben an die Amtsleiterin. Sie beklagten, dass das Amt seit Jahren Personal verliere, ohne dass wegfallende Stellen neu besetzt würden. Die Folge seien lange Wartezeiten bei Anträgen und eine hohe Belastung der Mitarbeiter. Zuvor hatten auch Mitarbeiter des Einwohnermeldeamts in einem Brief an den Amtsleiter die Arbeitssituation als unhaltbar kritisiert – die Vorwürfe reichten von Mäuseplage bis zu räumlichen Problemen.

Robert Wollborn, Vorsitzender des Personalrats, sagte, dass im gesamten Bereich des Einwohnerwesens, zu dem auch das Straßenverkehrsamt gehört, die Personaldecke zu dünn sei. "Das Thema ist nicht neu", sagte er. Zwar habe es am Donnerstag einen enormen Andrang in der Zulassungsstelle am Höherweg gegeben, doch könne es nicht sein, dass Mitarbeiter mehr als zehn Stunden arbeiten. Der Personalrat habe den Amtsleiter aufgefordert, zeitnah für eine Lösung zu sorgen.

Quelle: RP
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