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Düsseldorfer Traditionsunternehmen schließt
Das letzte Kapitel des Stern-Verlags beginnt

Ein Rückblick auf 116 Jahre Stern-Verlag
Ein Rückblick auf 116 Jahre Stern-Verlag FOTO: Stern-Verlag
Düsseldorf. In vier Wochen schließt der alteingesessene Stern-Verlag an der Düsseldorfer Friedrichstraße. Heute beginnt der Ausverkauf. Ein Rückblick auf 116 Jahre. Von Christian Herrendorf

Die Geschichte beginnt mit einem Unglück und endet sehr traurig. Dazwischen aber liegen mehr als 100 Jahre einer einmaligen Buchhaus-Geschichte. Wenn im Stern-Verlag heute der Ausverkauf beginnt und das Geschäft in vier Wochen schließt, sind dies die zentralen Momente im letzten Kapitel dieser Geschichte.

Seinen Anfang nimmt das Buchhaus Stern-Verlag 1900. Ferdinand Studt, der Großvater des heutigen Inhabers, eröffnet am Graf-Adolf-Platz das erste Geschäft, das schon gleichermaßen auf aktuelle Bücher wie antiquarische Stücke setzte. So wächst die Zahl der ersten Stern-Fans schnell in die Tausende, nach dem Ersten Weltkrieg ist das Haus mit der roten Fassade endgültig zu klein für das Unternehmen. Dann hilft das erwähnte Unglück.

So schaffen’s die kleinen Düsseldorfer Buchhandlungen FOTO: Christoph Goettert

Noch vor der Gründung des Stern-Verlags rast am Graf-Adolf-Platz eine Lokomotive, die eigentlich den Köln-Mindener-Bahnhof als Ziel hatte, in das Haus Möbelhaus des Hoflieferanten Arnold. Dieser beschließt, sein neues Geschäft auf wenig gefährlichem Terrain zu errichten, und zieht weiter südlich. Das "Kaiser Friedrich Haus" gerät dann so groß, dass dort neben dem Möbelgeschäft auch die Oberpostdirektion und Pferdeställe Platz hatten. Die Räume der Post übernimmt Mitte der Zwanziger der Stern-Verlag, der nun Platz genug hat, um Lager und Versand richtig auszubreiten, schließlich beliefert er inzwischen das gesamte Reich.

Der Schriftsteller Rolf Bongs hat diese Zeit später wie folgt beschrieben: "Wenn man früher jemanden aus der Friedrichstadt fragte 'Wo wohnen Sie', sagte er 'Im sonnigen Süden'. Das war mit einem Schuss Selbstironie gesagt, aber auch mit einer Spur von Stolz. Man war dort zu Hause. ... An der Ecke Herzog- und Friedrichstraße dominierte die große Buchhandlung, vor deren Fenstern ich klebte, um wenigstens die Bücher betrachten zu können, die ich so heiß begehrte."

Reaktionen auf Schließung des Stern-Verlags

Die letzte einigermaßen gute Nachricht für viele Jahre stammt ausgerechnet aus der Pogromnacht. Die Nazis dringen in das Bettengeschäft von Laue neben dem Stern-Verlag ein und beginnen, die Einrichtung zu zerschlagen. Der Prokurist des Buchhauses, Gustav Mihm, wird von dem Krach geweckt, stürmt ins Geschäft, erklärt, die Einrichtung gehöre dem Stern-Verlag und fordert die Schläger auf, das Haus zu verlassen. Die glauben ihm und ziehen ab.

Im Zweiten Weltkrieg wird das Geschäft an der Friedrichstraße 26 mehrfach getroffen. 1940 zerstört eine Bombe ein Hofgebäude, 1942 das Vorderhaus, ein Jahr später das andere Hofgebäude und mit ihnen Berge von Büchern.

Diese Traditions-Buchhandlungen gibt es in der Region FOTO: Christoph Reichwein

Aus den Trümmern entsteht zunächst ein kleines Geschäft in einer ehemaligen Arbeitsdienst-Baracke, in dem gänzlich andere Regeln gelten. Da Papier äußerst knapp ist, gibt es kaum neue Bücher. Deshalb werden die noch vorhandenen Werke gegen einander getauscht und eine Bibliothek für den Buchverleih eingerichtet.

In den Fünfzigern wächst der Stern-Verlag wie die gesamte Bundesrepublik. Das Haus mit der Nummer 26 wird mit der Nummer 24 sowie der Talstraße 21 verbunden, 400.000 Bücher finden nun Platz. Und so geht es weiter: Ein Nordflügel kommt hinzu, die Buchhandlung auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität und schließlich Anfang des neuen Jahrhunderts der Südflügel. 1975 führt der Buchreport den Stern-Verlag erstmals als größte deutsche Buchhandlung.

Und obwohl das Haus schon Ende der Siebziger sich an Bildschirm-Text-Experimenten beteiligt und in eine Frühform des Online-Geschäfts einsteigt, wird es schließlich von der digitalen Welle überrollt. Da immer mehr Menschen ihre Bücher im Internet kaufen und im Umfeld zwei Konkurrenten eröffnen, muss Inhaber Klaus Janssen im Dezember das Ende des Stern-Verlags für den 31. März ankündigen. Aus der Vielzahl von rührenden Briefen und E-Mails sei hier stellvertretend ein Kunde zitiert: "Der Stern-Verlag ist keine normale Buchhandlung, es ist eine Institution, ein Alleinstellungsmerkmal von Düsseldorf. Ich kenne keine Buchhandlung auf dieser Welt, die so persönlich ist, soviel Anziehungskraft hat und soviel Atmosphäre."

Quelle: RP
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