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Markus Schröder
Sternsinger gehen nicht nur zu Katholiken

Markus Schröder: Sternsinger gehen nicht nur zu Katholiken
Kamen gestern gemeinsam mit dem katholischen Stadtjugendseelsorger Markus Schröder zum Rathaus (von vorne): Gabriel (9), Frederick (8), Oliver (9), Niklas (8) und Stella (10) FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Im Rathaus empfing OB Thomas Geisel rund 30 Kinder und ihre Begleiter. Mit dabei: Stadtjugendseelsorger Markus Schröder.

Herr Schröder, es kam in den vergangenen Jahren auch schon mal vor, dass nicht Kinder, sondern Pfarrer, Kaplan und Gemeindereferenten als Sternsinger von Haus zu Haus zogen. Es fehlte offenbar der Nachwuchs. Nur ein Einzelfall?

Schröder Ja. Mein Eindruck ist: Dieses religiöse Brauchtum ist nicht nur im Bewusstsein der Düsseldorfer fest verankert, es erfreut sich sogar einer steigenden Beliebtheit.

Woran machen Sie das fest?

Schröder Schauen Sie nach Gerresheim. Wie mir die dortigen Begleiterinnen berichten, stehen alleine in den Listen von St. Margareta rund 800 Bürger, die einen Besuch wünschen. Jedes Jahr kommen Interessierte hinzu. Die dortigen Sternsinger sind 14 Tage unterwegs, um sämtliche Haushalte zu besuchen.

Bei den drei Gruppen, die der Oberbürgermeister im Jan-Wellem-Saal des Rathauses am Dreikönigstag empfangen hat, gab es nur einen Jungen, der sich ein schwarzes Gesicht angemalt hatte. Darf es in Zeiten der politischen Korrektheit keinen dunkelhäutigen König aus dem Morgenland mehr geben?

Schröder Das würde ich nicht so gerne mit Ja oder Nein beantworten.

Sondern wie?

Schröder An sich spricht nichts dagegen, diese Tradition beizubehalten. Es wird ja nur abgebildet, was der Überlieferung nach so war: drei so genannte Weise unterschiedlicher Hautfarbe - sie stehen für die Vielfalt der Völker - huldigen dem in der Krippe liegenden Gottessohn. Das kann man aufgreifen. Wenn aber das schwarze Gesicht des Sternsingers von manchen als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird und die Debatte darüber die eigentliche Botschaft dieses Brauchs zur Nebensache macht, kann man darauf auch guten Gewissens verzichten. Traditionen sind nichts Statisches, sie ändern sich im Laufe von Jahrhunderten oder Jahrzehnten.

Die Sternsinger sind sehr beliebt, werden auch gern von Menschen gesehen, die gar nicht katholisch sind...

Schröder Stimmt. Viele evangelische Christen freuen sich über den Besuch, auch Muslime haben schon gesagt: Gut, dass ihr da seid, kommt auf jeden Fall im kommenden Jahr wieder.

Das ist schön, hat aber auch eine Kehrseite. Die bunten Kostüme, die nachweihnachtlichen Lieder, die glänzenden Kinderaugen sprechen fast jeden an. Aber ist das alles mehr als nur noch Folklore?

Schröder Natürlich hat die Sternsinger-Tradition ein folkloristisches Element. Aber im Mittelpunkt steht doch ganz klar der Kern der christlichen Botschaft: Liebe geben und Solidarität leben, mit jenen, die nicht in so privilegierten Verhältnissen aufwachsen wie unsere Kinder. In diesem Jahr denken wir da besonders an Kinder in Bolivien.

Gelingt es denn, die Kinder, die Spaß an der Darstellung der drei Könige haben, tatsächlich für Religion und Kirche zu begeistern?

Schröder Selbstverständlich gelingt das nur zum Teil. Bei einigen bleibt es bei diesem besonderen Engagement. Für andere ist es der entscheidende Anstoß, sich mit der christlichen Lehre, unserem Menschenbild und den Schlussfolgerungen für unser Handeln im Alltag auseinanderzusetzen.

JÖRG JANSSEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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