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Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch
So könnte die Luft in Düsseldorf sauberer werden

Stickstoffdioxid-Belastung - So könnte die Luft in Düsseldorf sauberer werden
Das Land NRW betreibt die Messstation an der Corneliusstraße - und die zeichnet besorgniserregende Werte auf. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Düsseldorf steht nach der Klage der Umwelthilfe unter Druck. Ein Gutachter hält "einschneidende Maßnahmen" für nötig, um die Grenzwerte für Stickstoffdioxid einzuhalten. Die Rheinbahn setzt trotzdem vorerst weiter auf Diesel. Von Arne Lieb

Welche Folgen hat die erfolgreiche Klage der Umwelthilfe?

Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hat Düsseldorf als erster Kommune nahegelegt, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge einzuführen, um die ständige Überschreitung des Grenzwerts für Stickstoffdioxid zu beenden. Das Gericht hat der Bezirksregierung eine Frist bis Oktober 2017 für einen neuen Luftreinhalteplan gesetzt. Allerdings ist noch unklar, ob ein Verbot kommen wird. Denn Berufung und Revision sind noch möglich - und der Protest gegen das Dieselverbot ist laut.

Warum ausgerechnet Düsseldorf?

FOTO: dpa-Infografik

Die Umwelthilfe hat kein besonderes Problem mit der NRW-Landeshauptstadt, sondern verklagt systematisch Kommunen und die zuständigen Länder in Deutschland. Vor Düsseldorf wurden unter anderem München, Darmstadt, Wiesbaden und Limburg angehalten, ihre Pläne zu verschärfen. Die Richter machten jedoch bislang keinen konkreten Hinweis auf ein Diesel-Verbot. Deshalb hält die Umwelthilfe das Urteil für "bahnbrechend".

Wie ist die Lage in Düsseldorf?

Drei Stationen an stark befahrenen Straßen messen laufend die Belastung mit Stickstoffdioxid. Alle zeigen zu hohe Werte an, und zwar in jedem Jahr, seit die EU 2010 einen Grenzwert für Stickoxide festgelegt hat. Maßgeblich ist dabei das Jahresmittel, das eine Konzentration von höchstens 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten soll. Am höchsten ist die Belastung an der Corneliusstraße, wo das Land seine Messstation installiert hat. Stickoxide gelten als stark gesundheitsgefährdend. Sie greifen unter anderem die Atemwege an und verursachen Schlaganfälle. Das Umweltbundesamt stellt an 60 Prozent der Messstationen an stark befahrenen Straßen in Deutschland eine zu hohe Konzentration fest.

Woher kommt der Schadstoff?

Im ganzen Stadtgebiet ist eine bestimmte Konzentration von Stickoxiden messbar. Diese sogenannte Hintergrundbelastung entsteht unter anderem durch Straßenverkehr, Industrie und Schiffsdiesel. Die Konzentration ist überall dort besonders hoch, wo viel Autoverkehr hinzukommt. Die stärkste Konzentration des Tages gibt es dabei im abendlichen Berufsverkehr gegen 19 Uhr. Am Wochenende sinkt sie deutlich.

Was müsste passieren, damit Düsseldorf die Grenzwerte einhält?

Ein Gutachter hat für die Stadt bereits im Sommer diverse Szenarien durchgerechnet. Demnach müsste der Stickstoff-Ausstoß des Straßenverkehrs am Beispiel Corneliusstraße um 60 Prozent sinken. Der Gutachter kommt zum Ergebnis, dass dafür "einschneidende Maßnahmen" nötig wären. Ein Mittel wäre die "blaue Plakette", also eine noch schärfere Umweltzone. Die Einführung des Siegels hat das Umweltministerium kürzlich gestoppt, die Stadt könnte aber ähnliche Regelungen vor allem gegen die schadstoffreichen Dieselfahrzeuge trotzdem einführen - darauf drängt das Gericht. Ein Ausschluss von emissionsreichen Fahrzeugen hätte laut Gutachter einen erheblichen Effekt. Allerdings sehen das Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer kritisch. Denn bei 111.439 Diesel-Pkw und fast 15.000 Diesel-Lkw in der Stadt wäre eine hohe Anzahl von Betrieben und Privatpersonen betroffen.

Welche anderen Vorschläge gibt es?

Keine, die sich mal eben umsetzen lassen. Für weniger Stickoxide müsste die Verkehrswende vorangetrieben werden. Der Gutachter rät dazu, E-Fahrzeuge zu fördern und die Lenkung des Verkehrs durch die Stadt zu optimieren. Zudem müssten Fahrradstrecken und ÖPNV ausgebaut und damit sauberere Alternativen zum Auto gestärkt werden.

Warum fährt die Rheinbahn nicht mit E-Bussen?

Immerhin elf Prozent der Stickoxide durch Straßenverkehr auf der Corneliusstraße entfallen auf die Busse der Rheinbahn. Die SPD fordert deshalb, dass das städtische Verkehrsunternehmen in E-Fahrzeuge investiert und dafür Fördergelder nutzt. Für die Rheinbahn ist das allerdings noch kein Thema, sagt Vorstandschef Michael Clausecker. "Es gibt bislang keine Alternative zu Diesel-Fahrzeugen, die uns technisch überzeugt." Die beiden E-Busse, die man testweise angeschafft hat, hätten eine zu geringe Reichweite und seien zu anfällig für Pannen. Clausecker kündigt aber an, die Flotte aus rund 430 Bussen möglichst zügig auf neue, deutlich schadstoffärmere Fahrzeuge umzustellen. 80 moderne Solo-Busse sind bereits bestellt, im kommenden Jahr folge eine größere Bestellung von Gelenkbussen. Clausecker verweist zudem darauf, dass selbst die ältesten Linienbusse immer noch weniger Schadstoffe produzieren, als wenn die Fahrgäste alle im eigenen Pkw unterwegs wären. "Wir sind nicht Teil des Problems, sondern der Lösung", sagt er.

Quelle: RP
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