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Stockheim will sich gesundschrumpfen

Düsseldorf: Stockheim will sich gesundschrumpfen
Zur Systemgastronomie bei Stockheim gehören die Cafetiero-Filialen wie hier im Düsseldorfer Hauptbahnhof. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die Firma SSP übernimmt 500 Mitarbeiter und die Systemgastronomie. 230 Mitarbeiter bleiben für CCD/Messe, Rheinterrasse, Catering. Von Uwe-Jens Ruhnau

Zurück zu den Wurzeln: Die insolvente Düsseldorfer Stockheim-Gruppe verkauft ihre Sparte Systemgastronomie und gibt zwei Drittel der Belegschaft ab. Das Unternehmen will sich auf das Kerngeschäft und damit auf jene Standorte konzentrieren, mit denen man groß geworden ist: Im Düsseldorfer Kongresszentrum CCD, in Messe und Rheinterrasse tischt weiterhin Stockheim auf. Zudem will das Unternehmen mit den verbleibenden 230 Mitarbeitern den Catering-Bereich ausbauen. "Im Messe- und Eventcatering weisen wir eine hohe Expertise sowie eine breite Erfahrung auf", sagt Sanierungsgeschäftsführer Utz Brömmekamp. Die Familie Stockheim bleibt Gesellschafterin der Gruppe.

Die Firma SSP ist ein weltweit tätiger Verkehrsgastronom. Dieser übernimmt von Stockheim 25 Filialen an den Flughäfen und Hauptbahnhöfen in Düsseldorf und Köln-Bonn sowie am Flughafen Münster-Osnabrück. Den Kunden sind die Eigenmarken wie Meister Bock, Cafetiero oder Ida & Frida, aber auch Drittmarken wie Backwerk, Pizza Hut, Kamps, Sushi Factory oder Edeka bekannt. Rund 500 Mitarbeiter sind heute in der Stockheim-Systemgastronomie tätig, sie werden von SSP übernommen. Der Umsatz des Geschäftsbereichs liegt bei 35 Millionen Euro.

Der Verkaufsvertrag wurde am Mittwoch in Düsseldorf unterschrieben. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die operative Führung wird SSP voraussichtlich ab Jahresanfang übernehmen. Die Kartellbehörden müssen dem Geschäft noch zustimmen.

Im Mai hatte Stockheim einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenregie gestellt. Der Rechtsanwalt Biner Bähr wurde vom Gericht zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Der Sanierungsberater Brömmekamp arbeitete bereits vor dem Insolvenzantrag für Stockheim und wurde Sanierungsgeschäftsführer.

Die existenzielle Krise bei Stockheim begann mit dem Verlust von sieben Gastronomie-Flächen am Düsseldorfer Flughafen, die beim letzten Jahreswechsel wirksam wurde. Das Düsseldorfer Unternehmen war bei der Ausschreibung unterlegen und büßte rund zehn Millionen Euro Umsatz ein. Insgesamt erwirtschaftete Stockheim 2016 rund 70 Millionen Euro Umsatz.

Ins Kontor schlug außerdem, dass ein weiterer Umsatz in Höhe von sieben Millionen Euro für zweieinhalb Jahre weggebrochen ist. Hintergrund: Das Kongresscenter in Hamburg wurde abgerissen und entsteht in zwei Jahren Bauzeit neu. Dort war Stockheim für das Catering verantwortlich.

Özgür Günes ist Geschäftsführer der Stockheim-Gruppe. Er beurteilt den Deal mit SSP positiv: "Das ist ein guter Schritt für alle Beteiligten. Beide Unternehmen legen großen Wert auf eine gesunde Unternehmenskultur, sind dienstleistungsorientiert und setzen hohe Maßstäbe an die geleistete Qualität." Stockheim fokussiere sich künftig auf das Kerngeschäft der Messe- und Eventgastronomie in Düsseldorf und wolle in den Bereich weiter investieren. "Zudem genießen wir einen guten Ruf über Düsseldorfs Grenzen hinaus. Das wollen wir weiter nutzen und ausbauen", sagt Brömmekamp.

Am 20. Dezember findet vor dem Amtsgericht Düsseldorf die Gläubigerversammlung statt. In dem Termin stimmen die Gläubiger über die von den Unternehmen vorgelegten Insolvenzpläne ab. Wenn die Gläubiger die Sanierungsvorschläge mittragen, können die Verfahren wenige Wochen danach aufgehoben werden.

Quelle: RP
 
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