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Kolumne Auf Ein Wort
Stolz bedarf der Dankbarkeit

Düsseldorf. Worauf sind Sie stolz? Mit dieser Frage begann ich in der Militärseelsorge meinen Unterricht zum Thema Nationalstolz. Und bei jeder Antwort bohrte ich nach: "Warum? Was hat das mit Ihnen zu tun?" Das ist mit dem Stolz nämlich so eine Sache. Wenn es nicht um die eigene Leistung geht, sondern um die der Kinder, der Eltern, des Vereins oder auch der Nation, kommt man bei der Antwort ins Stottern. Sie glauben es nicht? - Probieren Sie es aus! Wenn Sie sich dann auch noch mit anderen darüber austauschen, werden Sie merken: Das Wort "Stolz" füllt jeder individuell, es schillert.

Für mich ist Stolz ohne Dankbarkeit nicht denkbar, sonst ist es Arroganz. Denn alle Leistungen wurden durch Voraussetzungen ermöglicht, die ich geschenkt bekommen habe. Wann, wo, unter welchen Umständen, von wem, mit welchen Talenten und Eigenschaften ich geboren wurde: alles unverdient. Wenn ich aber daraus etwas mache (oder eben die, mit denen ich mich identifiziere), kann mich das mit Stolz erfüllen, aber ich hebe nicht ab und erhebe mich schon gar nicht über andere.

Seit Mittwoch sind wir in der Passionszeit. In den Kirchen erinnern wir an das Leiden Jesu und gleichzeitig an unsere Fehlbarkeit, unsere Sünde. Umkehr ist das Thema, Umkehr zu einem Leben im Einklang mit mir, mit den Mitmenschen, der Umwelt und damit mit Gott. Das geschieht zum Beispiel, wenn es gelingt, sich seiner Sucht zu stellen, wenn Engagement für andere neu entdeckt wird, wenn die eigene Annehmlichkeit nicht mehr unhinterfragt das Ziel des Lebens ist. Dann ist die Königsklasse dessen erreicht, was ich aus den Voraussetzungen etwas machen nenne. Die Voraussetzung dafür ist, dass Gott jedem von uns zutraut, sich trotz aller Fehlbarkeit zu ändern. Mich erfüllt es mit Dankbarkeit und Stolz, dass Gott mit mir (und Ihnen!) an seiner Welt arbeiten will.

Quelle: RP
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