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Mehr als 800.000 Betroffene
Strategien gegen die Online-Sucht

Mehr als 800.000 Betroffene: Strategien gegen die Online-Sucht
Armin Halilovic und Emilia Heitmann verzichten in der Schule auf ihre Smartphones und schließen sie weg. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der Handykonsum ihrer Kinder macht vielen Eltern Sorgen. Mit dem Wettbewerb "#Sendepause" wollen AOK und die Initiative "Schau hin" helfen, die richtige Balance zwischen Online und Offline zu finden. Von Elena Erbrich

Mehr als 800.000 Menschen in Deutschland sind Schätzungen zufolge onlinesüchtig. Am meisten betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene - auch in Düsseldorf. Viele Eltern machen sich Sorgen. Nicht selten blicken sie mit Bedenken auf den Medienkonsum ihrer Kinder. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) hat in Kooperation mit der Initiative "Schau hin" Eltern bei einer Abendveranstaltung Tipps zum richtigen Umgang mit dem Thema gegeben.

Eine Frage lag den Düsseldorfer Müttern und Vätern besonders am Herzen: Welches Alter eignet sich für den Smartphone-Einstieg? Die Medienpädagogin Kristin Langer von "Schau hin" konnte eine eindeutige Antwort geben: "Es ist ratsam, ein eigenes Smartphone erst im Alter von elf oder zwölf Jahren anzuschaffen. Davor sollte eine gemeinsame Einfindung in das Gerät erfolgen."

Eltern sollten in dieser Phase Kindern Wissen über die Zusammenhänge der Netzwelt vermitteln und sie bei der Nutzung begleiten. Empfehlenswert sei es, Jugendschutz-Apps, Kinderstartseiten (www.meine-startseite.de) und Kindersuchmaschinen (Blinde Kuh, fragFINN, Helles Köpfchen) zu installieren. Bei Kindern ab dem Grundschulalter empfiehlt die Expertin eine Medienzeit von zehn Minuten pro Lebensjahr am Tag.

Viele Kinder und Jugendliche nutzen Medien aber deutlich intensiver. Durchschnittlich sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren rund 22 Stunden pro Woche online. In den meisten Fällen wird dafür das Smartphone genutzt (77 Prozent).

Mit dem Wettbewerb "#Sendepause" versuchen AOK und "Schau hin" gegenzusteuern. Eine App misst, wie oft Schüler zum Handy greifen. Die Klasse, die am wenigsten das Smartphone nutzt, gewinnt einen DJ-Gig mit Felix Jaehn. Der Siebtklässler Armin Halilovic und die Fünftklässlerin Emilia Heitmann vom Gymnasium Gerresheim machen bei der Aktion mit. "Anfangs war es schwierig, auf das Smartphone zu verzichten", sagt der zwölfjährige Armin. "Aber je weniger ich es benutzt habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass ich es gar nicht brauche." Am schwersten fiel ihm, auf den Messenger-Dienst "Whatsapp" zu verzichten. Über diesen kommuniziert er mit seinen Freunden. Emilia fiel es leichter, auf ihr Handy zu verzichten. "Aber viele aus meiner Klasse hatten damit Probleme", sagt sie.

Alexander Jasch, Lehrer vom Gymnasium Schmiedestraße und Teilnehmer der Informationsveranstaltung, kennt das Thema nicht nur aus dem Schulunterricht. "Meine eigenen Kinder zeigten Züge von Burnout, als sie in der fünften Klasse waren und das Smartphone ganz neu für sie war. Sie haben sich sehr intensiv damit beschäftigt", sagt der Pädagoge. "Aber ich halte es nicht für richtig, den Kindern erst im siebten und achten Schuljahr ein Handy zu erlauben. Dann stecken sie mitten in der Pubertät und sind wahrscheinlich noch mehr überfordert." Außerdem hätten sie gleich einen Außenseiterstatus, wenn sie in der fünften Klasse in ein neues Schulumfeld kommen und dann kein Handy besäßen. Jasch erlebt, dass Schüler ab der siebten Klasse - wenn das Handy nicht mehr ganz so neu ist - lockerer damit umgehen und es auch mal an die Seite legen.

Der Unterschied zwischen starker Nutzung und Onlinesucht ist laut Langer deutlich zu erkennen. "Betroffene sind zum Beispiel unruhig, aggressiv, unausgeschlafen, wollen in ihrem Zimmer essen, brechen Kontakte zu Freunden ab und sind auch in Gedanken nur noch mit dem Computer, dem Tablet oder dem Smartphone beschäftigt", sagt die Expertin. Eltern sollten in dem Fall mit ihren Kindern reden. Hilfe gibt es bei Suchtberatungsstellen.

Quelle: RP
 
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