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Düsseldorf
Streit um Kunst an Schulgebäuden

Düsseldorf: Streit um Kunst an Schulgebäuden
Uneins über die Kunst am (Schul-)Bau: Wolfgang Scheffler (Grüne, l.) und Stefan Wiedon (CDU). FOTO: Hans-Jürgen Bauer / Benefoto
Düsseldorf. Bei neuen Hochbauprojekten werden bis zu zwei Prozent der Kosten für Kunstprojekte zurückgelegt. Eine noch zu bildende Kommission soll entscheiden, wer das Geld bekommt. Die CDU hält das gesamte Vorhaben für falsch. Von Jörg Janssen

Triste Mauern werden bunt, zum Nachdenken anregende Fantasie-Figuren grüßen von einem Flachdach, der Schulhof wird zum kreativen Erlebnis-Raum: Auf den ersten Blick klingt gut, was demnächst an Düsseldorfs Schulen unter der Überschrift "Kunst am Bau" passieren soll. Bis zu zwei Prozent der Gesamt-Summe, die bei Neu- oder Anbauten ausgegeben wird, wollen Verwaltung und Ampel-Bündnis zurücklegen. Über die konkrete Vergabe dieser Mittel soll dann eine (noch nicht eingesetzte) Kunst-Kommission entscheiden.

Doch genau das will die CDU so nicht haben. Im Schul- und Bauausschuss des Rates stimmte sie in der vergangenen Woche zwar für die neuen schulorganisatorischen Maßnahme-Pakete (SOM) mit einem Gesamtvolumen von 55 Millionen Euro, nicht jedoch für die bis zu zweiprozentige Kunst-Abgabe. "Der Stadt geht es finanziell nicht gut. Wir können uns eine solche Regelung schon deshalb nicht mehr leisten. Das Geld wird uns an anderer Stelle fehlen", sagt Bürgermeister Friedrich G. Conzen (CDU), der auch Vorsitzender des Kulturausschusses ist. Und CDU-Ratsherr Stefan Wiedon ("wir verteuern mit dieser Sonderabgabe jedes einzelne Bauprojekt") mag nicht ausschließen, "dass die Grünen mit Hilfe dieser Kunst-Kommission einen wichtigen Teil ihrer Wählerklientel bedienen wollen, in dem am Ende ganz bestimmte Künstler die Aufträge bekommen." Seit längeren kritisieren die Christdemokraten das noch zu schaffende Vergabe-Gremium, das auch innerhalb der Verwaltungsspitze für Meinungsverschiedenheiten gesorgt hatte.

Wolfgang Scheffler, grüner Schulexperte und Vorsitzender des Schulausschusses, findet die Kritik aus den Reihen der Opposition "Quatsch". "Es geht bei diesen Mitteln nun wirklich nicht darum, ob sich hier ein grüner oder ein schwarzer Künstler verwirklicht", meint er. Entscheidend sei, dass Jungen und Mädchen immer mehr Zeit an der Schule verbrächten und dort auf "ein anregendes und kreatives Umfeld treffen wollen".

Doch die Christdemokraten bleiben misstrauisch. Auch deshalb, weil unter dem Strich viel Geld in dem besonderen Topf landet. "Kostet eine Maßnahme 25 Millionen Euro, reden wir bei zwei Prozent von einer halben Millionen Euro", sagt Wiedon. Erst vor wenigen Tagen hatte Stadtdirektor Burkhard Hintzsche 700 Millionen (statt der bislang kommunizierten 600 Millionen) Euro genannt, die bis 2020 in den Schulbau fließen sollen. Tatsächlich ergäbe das - rein rechnerisch - eine "Kunst am Bau"-Abgabe von bis zu 14 Millionen Euro. Die wird es allerdings nicht geben. So wurde bereits beim Albrecht-Dürer-Berufskolleg (Gesamtkosten: rund 70 Millionen Euro) eine nach unten abweichende Regelung beschlossen. "Außerdem unterscheiden wir zwischen den Projekten der Schulbau-Firma IPM und den aus dem städtischen Haushalt finanzierten Maßnahmen. Die zwei Prozent sind nur bei den IPM-Bauten verbindlich", sagt Wolfgang Scheffler.

Ob und wann Schulen bei Neu- oder Erweiterungsbauten nun Gelder für Kunst am Bau bekommen, bleibt also weiterhin offen. "Ich hoffe mal, dass wir nun nicht jahrelang auf die Freigabe dieser Mittel warten müssen", sagt ein Schulleiter.

Quelle: RP
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