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Spektakuläres Video aus Düsseldorf
"Bei so einer Landung zählen Technik und Erfahrung"

Düsseldorf. Sturm Xavier hat am Donnerstag die Landung eines Airbus A380 in Düsseldorf erschwert. Seitenwinde brachten den Jumbojet ins Straucheln. Wie gefährlich war die Situation wirklich? Wir haben einen Flugsicherheitsexperten gefragt.  Von Marcel Romahn

Am Donnerstagmittag hielt ein Planespotter am Düsseldorfer Flughafen die spektakuläre Landung des Passagierflugzeuges mit der Kamera fest. Die Bilder wirken dramatisch. Bereits im Anflug wird die Emirates-Maschine von Windböen mit mehr als 60 Stundenkilometern erfasst. Die Landung ist unsanft, und erst nach mehreren Sekunden schafft es der Pilot, das Flugzeug frontal auf die Landebahn auszurichten. 

So spektakulär die Bilder vom Düsseldorfer Flughafen auch sein mögen, eine Ausnahmesituation war diese sogenannte Seitenwindlandung für den Piloten nicht. "Sicherlich sind böige Seitenwinde bei der Landung grundsätzlich für alle Beteiligten nicht sonderlich angenehm", sagt Flughafensprecher Christian Hinkel. "Piloten werden aber generell speziell für solche Windverhältnisse ausgebildet."

Der Airbus A380 in Zahlen

Das Üben von Landungen bei Seitenwind gehöre zur Grundausbildung und sei daher Routine. "Man ist überrascht, bei welch extremen Verhältnissen die Maschinen noch sicher landen", sagt Hinkel. Meist herrsche am Düsseldorfer Airport West- bzw. Ostwind, wonach die Start- und Landebahnen ausgerichtet seien. "In abgeschwächter Form gehören Seitenwinde aber zum Alltag eines Piloten."

Technische Hilfsmittel 

Allein auf seine Erfahrung muss sich der Pilot jedoch bei erschwerten Landebedingungen nicht verlassen. Die Deutsche Flugsicherung übermittelt den Piloten fortlaufend aktuellen Wetter- und Windwerte ins Cockpit. "Darüber hinaus stehen sie auch ständig über Funk in Kontakt zum Zielflughafen", sagt Jan Richter, Gründer und Leiter des Hamburger Flugunfallbüros JACDEC. "Über ihre Anzeigen im Cockpit erhalten sie außerdem ständig aktuelle Informationen. Denn gerade die Windverhältnisse können sich minütlich ändern."

Jan Richter ist Gründer und Leiter des Hamburger Flugunfallbüros JACDEC. FOTO: Jan Richter

Jedes Passagierflugzeug hat unterschiedliche Toleranzgrenzen bei Windlandungen. Der Wert variiert außerdem nach Landebahnbreite oder den Vorgaben der Airline. "Allein schon wegen seiner großen Masse läuft ein Airbus A380 bei der Landung wie auf Schienen", sagt Richter. "Selbst bei einer Seitenwindstärke von 45 Knoten darf die Emirates-Maschine noch gelandet werden. Im aktuellen Fall waren die Böen mit maximal 33 Knoten also noch deutlich unterhalb der Toleranzgrenze." Letztlich entscheide jedoch der Pilot, ob er die Maschine bei erschwerten Bedingungen aufsetzt, oder sicherheitshalber noch einmal durchstartet und einen neuen Landeanflug einleitet. 

Die moderne Technik ermögliche es sogar, den Riesenjet trotz Windböen vollautomatisch zu landen. "Der Pilot greift dann nicht ein und überwacht den Vorgang nur", erklärt Richter. "In dieser Situation hat er das Flugzeug vermutlich manuell gelandet, um spontan reagieren zu können." Eine richtige Entscheidung, glaubt der Experte.

Unsanfte Landung ist gewollt

Denn trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kann es Komplikationen geben. "Bei einer Landung mit unregelmäßigen Windböen muss die Maschine möglichst schnell, also auch möglichst abrupt, aufsetzen", sagt Richter. "Solange die Maschine in der Luft ist, können Unterwinde den Kurs beeinflussen. Dadurch muss der Pilot immer wieder korrigieren und verliert wichtige Meter auf der Landebahn. Und die ist nunmal auch irgendwann zu Ende."

Eine extreme Situation sei die Windlandung für den Piloten jedoch längst nicht mehr. "Ausbildung, Erfahrung und Technik machen diese Manöver beherrschbar", sagt Richter. "Wer als Pilot quer durch Europa fliegt, wird das häufig erleben."

 
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