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Prozess in Düsseldorf
Aussteiger drehte mit Sven Lau Salafisten-Videos

Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf
Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf FOTO: dpa, fg pil
Düsseldorf. Im Prozess gegen den Islamisten Sven Lau aus Mönchengladbach hat erstmals ein Zeuge ausgesagt. Dominic Schmitz war früher selbst Salafist und hat mit Lau zusammengearbeitet. Im Prozess machte er teils widersprüchliche Angaben. 

Erstmals hat ein Aussteiger aus der Salafisten-Szene im Düsseldorfer Prozess gegen den Islamistenprediger Sven Lau ausgesagt. Alle anderen Zeugen hatten zuvor - wie auch Lau selbst - die Aussage verweigert. Im Prozess schilderte Dominic Schmitz am Dienstag, wie er im Jahr 2005 zum Islam konvertierte und Lau bei einem seiner ersten Besuche in der Moschee in Mönchengladbach kennenlernte. Zu diesem Zeitpunkt führte Lau dort den Islamisten-Verein "Einladung zum Paradies" an. 

Als der Salafistenprediger Lau anfing, das Videoportal Youtube für seine Propaganda zu nutzen, habe Schmitz ihm nach eigener Aussage bei der Produktion der Aufnahmen unterstützt. Dabei habe hauptsächlich Lau vor der Kamera agiert, er selbst sei bis auf wenige Ausnahmen hinter der Kamera geblieben.

Der bundesweit bekannte Islamist Lau steht unter Terrorverdacht. Die Bundesanwaltschaft hat den 35-Jährigen wegen Unterstützung einer islamistischen Terrormiliz angeklagt. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat den Hinweis erteilt, dass Lau sogar als Terrorist verurteilt werden könnte. Lau gilt auch als Initiator der "Scharia-Polizei" in Wuppertal.

"Geistige Brandstifter"

Bei der Befragung interessierte den Vorsitzenden Richter vor allem, was Schmitz über die Beziehung zwischen Lau und einem anderen Konvertiten namens Konrad S. sagen konnte. Konrad S. soll 2012 erst zu einem Arabisch-Sprachkurs nach Ägypten und anschließend weiter nach Syrien gereist sein. Dort soll er sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen haben. Zu dem Zeitpunkt hatte Schmitz nach eigener Aussgae noch Kontakt mit ihm. Ob Sven Lau etwas mit der Ausreise von Konrad S. zu tun hatte, wusste der Zeuge nach eigener Aussage nicht. 

Schmitz hat ein Buch als Abrechnung über seine Zeit unter den Islamisten geschrieben, das Anfang des Jahres veröffentlicht wurde (Titel: "Ich war Salafist"). Darin nennt er Lau und Pierre Vogel "geistige Brandstifter". Im Gerichtssaal konfrontierten die Staatsanwaltschaft und der vorsitzende Richter ihn wiederholt mit Aussagen aus seinem Buch sowie aus früheren Vernehmungsprotokollen. An manche Details konnte er sich im Zeugenstand aber nicht mehr erinnern. 

Auch wenn Schmitz während seiner Aussage klar und deutlich sprach, scheint er sich Sorgen um seine Sicherheit zu machen. Bevor der Richter die Personalien von Schmitz überprüfen konnte, bat seine Anwältin darum, den Wohnort des Zeugen geheim zu halten.

Als Grund nannte sie, der Mann habe Angst vor Bedrohungen seitens der Islamisten. Bereits als bekannt worden war, dass Schmitz als Zeuge beim Prozess gegen Lau aussagen würde, sei ihm gedroht worden.

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(heif/siev/top/lnw)
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