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Düsseldorf
Täglich werden 22 Autos abgeschleppt

Düsseldorf: Täglich werden 22 Autos abgeschleppt
Wer sein Auto verkehrsbehindernd abstellt, muss damit rechnen, dass er es später beim Abschleppdienst auslösen muss. FOTO: Hans-Jürgen bauer
Düsseldorf. Für den Halter wird das Abschleppen teuer - trotzdem reichen die Gebühren nicht aus. Der Steuerzahler legt am Ende noch drauf. Von Kilian Treß

Momente, die Düsseldorfer Autofahrer verfluchen: Abends nach der Arbeit durchstreifen sie Straßenzug für Straßenzug, auf der Suche nach der vermeintlich letzten freien Parklücke der Stadt - eine Suche wie nach der Nadel im Heuhaufen. Oft endet sie vergeblich und mit einer Notlösung: dem bewussten Parken im absoluten Halteverbot. Frei nach dem Motto "et hät no immer joot jejange" riskieren sie dann eine Strafe und mehrere hundert Euro Bußgeld.

Wie oft wird in Düsseldorf ein Auto abgeschleppt?

Bis zum Jahresende lässt das Ordnungsamt rund 8000 Autos wegen Falschparkens abschleppen. Im Schnitt sind 22 Autos täglich realistisch. Hinzu kommen einige hundert pro Jahr, die auf das Konto der Polizei gehen. Dabei handelt es sich allerdings nur um Ausnahmefälle, sagt ein Polizeisprecher. Die Polizei bringt Abschlepper vornehmlich dann zum Einsatz, wenn Fahrzeuge nach einem Unfall nicht mehr fahrtüchtig sind und deswegen aus dem Verkehr gezogen werden müssen.

Parken in Düsseldorf wird teurer

Wird zur Weihnachtszeit öfter abgeschleppt?

Statistisch ja, aber der Unterschied ist marginal. "Es gibt keine Stoßzeiten für uns", sagt ein Inhaber eines renommierten Abschleppunternehmens. Zu besonderen Anlässen wie Rheinkirmes, Japanfest oder neulich der Klitschko-Boxkampf seien aber Spitzen zu erkennen.

Was sind die Hauptgründe für die abgeschleppten Autos?

Zu viele Autos auf zu geringem Platz: Die Stadt ist in den vergangenen 25 Jahren extrem gewachsen. Aber eben ohne Parkplätze", sagt der Abschleppunternehmer. Seine Einschätzung belegen auch die im Sommer veröffentlichten Zahlen des Amts für Verkehrsmanagement. Rund 300.000 Autos sind derzeit mit einem D-Kennzeichen angemeldet, zehn Prozent mehr als vor fünf Jahren. Ein Sprecher des Ordnungsamts hält dagegen: "Die Verkehrsüberwachung hat die Verpflichtung die Straßen freizuhalten, und es gibt überall genügend Parkhäuser." Man sei also keineswegs gezwungen, falsch zu parken.

Wann wird abgeschleppt?

Bei akuter Verkehrsbehinderung. Wenn ein falsch geparkter Pkw beispielsweise eine Fahrbahn versperrt und sich dahinter der Verkehr staut, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Ordnungsamt ein Abschleppunternehmen mit der Räumung beauftragt. Dasselbe gilt für das Zustellen von Einfahrten und Behindertenparkplätzen oder das Blockieren von Fahrradwegen und der Straßenbahnschienen.

Wie viel kostet es den Halter, wenn das Auto abgeschleppt ist?

Im Schnitt etwa 200 Euro. Es kann aber auch deutlich teurer werden - je nachdem wie hoch die Verwaltungsgebühr, die Abschleppkosten und die Kosten für das zudem fällige Knöllchen sind.

Die Verwaltungsgebühren können variieren?

Ja, deutlich. Je nachdem wie groß der Aufwand des Beamten vor Ort ist, kann die Stadt zwischen 25 und 250 Euro Verwaltungsgebühr verlangen. Das ist gesetzlich geregelt. "Wenn der Beamte versucht, die Halter des falschgeparkten Fahrzeugs ausfindig zu machen, das Auto noch auf mögliche Vorschäden untersucht und lange auf das Abschleppunternehmen wartet, muss diese zusätzliche Arbeitszeit auch bezahlt werden. Dazu kommt das Personal, das den Kostenbescheid schreibt", sagt Sebastian Veelken, stellvertretender Ordnungsamtsleiter. Im Durchschnitt kommen etwa 70 Euro auf den Kfz-Halter zu. Die Verwaltungsgebühren würden die Bruttolöhne der Mitarbeiter jedoch nicht decken. "Ein Minusgeschäft, der Steuerzahler zahlt sogar noch drauf", antwortet Veelken. "Wir zocken nicht ab."

Wie hoch sind die Abschleppkosten?

Polizei und Ordnungsamt haben mit lokalen Abschleppdiensten individuelle Rahmenverträge geschlossen, weshalb die Kosten auch hier variieren können. Quellen, die der Redaktion vorliegen, zeigen, dass dasselbe Unternehmen im Auftrag der Polizei deutlich günstigere Rahmenkonditionen aufweist, als wenn das Ordnungsamt der Auftraggeber ist. So kostete das "Freikaufen" beispielsweise 58,99 Euro (Polizei) entgegen 82 Euro (Ordnungsamt). Zu den verhandelten Summen wollten sich weder Polizei, noch Ordnungsamt, noch Abschleppdienst äußern. Klar ist: Von diesen Gebühren erhält die Stadt keinen Cent.

Aber aus den Knöllchen?

Ja. Aus dem Bußgeldkatalog, an den sich alle Behörden halten müssen, geht hervor, dass für falsches Parken "mit Behinderung von Einsatzfahrzeugen" 65 Euro Strafe gezahlt werden müssen. Zusätzlich gibt es einen Punkt in Flensburg. Das ist die höchste Strafe fürs Falschparken. Insgesamt kann bei voller Ausschöpfung aller Maximalkosten das verbotswidrige Parken also 397 Euro kosten, im günstigsten Fall um die 140 Euro.

Ist Düsseldorf teurer als andere Städte in Deutschland? Deutschlandweit liegt Düsseldorf im Mittelfeld. Hamburg (ab 260 Euro) und Frankfurt am Main (ab 257 Euro) sind nach Angaben des "Auto Club Europa" (ACE) am teuersten. Dann folgen München (ab 200), Leipzig (ab 198,42) und Bremen (ab 195). Düsseldorf reiht sich zwischen Köln (ab 155) und Aachen (ab 134) ein.

Kann man sich gegen die Gebühren wehren?

Da gibt es keine eindeutige Antwort. "Es erschließt sich nicht, warum Hamburg so teuer ist", sagt ACE-Sprecher Constantin Hacke. Es gebe zwar die Möglichkeit einer Klage, doch weil sich die Kosten in Düsseldorf im Rahmen hielten, habe die in der Landhauptstadt wenig Sinn. Welche Stadtteile sind die mit den meisten Falschparkern? "Am stärksten macht sich das in den Stadtteilen Bilk, Derendorf, Flingern, Pempelfort und Friedrichstadt bemerkbar", sagt ein Sprecher der Feuerwehr, deren Fahrzeuge häufig durch Falschparker behindert werden. Besonders schlimm: Cornelius- und Friedrichstraße.

Was passiert, wenn die Feuerwehr im Einsatz nicht durchkommt? "Wir brauchen 2,5 Meter zum Rangieren. Unsere Fahrer sind gut, aber trotzdem fehlen manchmal ein paar Zentimeter, um durchzukommen, sagt der Feuerwehrsprecher. Wenn jede Sekunde zählt, verschaffen sich die Einsatzkräfte selbst den Platz, indem sie versuchen, mit vereinten Kräften das falsch geparkte Fahrzeug beiseite zu rütteln. Problem: Das funktioniere zwar bei einem Smart, bei "einem 7er BMW klappt das aber schon nicht mehr.

Quelle: RP
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