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Wegen neuer Regeln
Tagesmütter in Düsseldorf fürchten um ihre Existenz

Wegen neuer Regeln: Tagesmütter in Düsseldorf fürchten um ihre Existenz
Birgit Schlebusch betreibt eine Großtagespflege (v. l. im Bild: Mara, 2, Jasper, 2, und Anton, 1) und ist besorgt. In dieser Woche will sie die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Ursula Holtmann-Schnieder, treffen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Künftig will Düsseldorf Tagesmüttern und -vätern nur noch einen Teil der Betreuungsstunden im Voraus bezahlen. Als Grund nennt das Jugendamt Unregelmäßigkeiten in rund 50 Fällen. Die Betreuer fühlen sich nun unter Generalverdacht. Die wichtigsten Fakten im Überblick. Von Jörg Janssen

Die neuen Regeln der Stadt bei der Abrechnung von Kinderbetreuungszeiten verunsichern rund 900 Tagesmütter und etwa 20 Tagesväter. "Existenzgefährdend" sei, was Stadtdirektor Burkhard Hintzsche und Jugendamtsleiter Johannes Horn auf den Weg gebracht hätten, meinen vor allem Betreiber der gut 100 Großtagespflegen, die in aller Regel neun Kinder betreuen. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Was soll sich ändern?

Tageseltern, die ein Kind 45 Stunden pro Woche betreuen, bekommen bislang ihre pauschale Vergütung im Voraus. Künftig will die Stadt dies nur noch für die ersten 35 Stunden so handhaben. Stunden, die darüber hinausgehen, müssen die Betreuer dokumentieren. Sie werden erst nachträglich abgerechnet.

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Warum wird das Verfahren geändert?

Die Stadt führt Beschwerden von Eltern an, die beispielsweise für einen 42-Stunden-Platz zahlen, das Kind tatsächlich aber nur 35 Stunden bringen durften. "Den Rest der gebuchten Stunden brauche man für die obligatorische Vor- und Nachbereitung", nennt Horn eines der typischen Argumente, das er mit Blick auf die öffentliche Förderung der Plätze unmöglich gelten lassen könne. Mehr als 50 Beschwerden hätten ihn erreicht. Zum Vergleich: Die gut 900 Tageseltern in Düsseldorf betreuen etwa 2850 Jungen und Mädchen. "Wir mussten handeln und lassen uns deshalb die Betreuung jenseits der 35 Wochenstunden auf einem einfachen Blatt mit Unterschrift bestätigen. Gezahlt wird nur, was auch tatsächlich stattgefunden hat."

Was stört die Tageseltern daran?

Birgit Schlebusch, die die Großtagespflegen Benrather und Fleher Engelchen betreibt, erklärt das - stellvertretend für viele Kollegen - an ihrem Beispiel. Jedes ihrer Kinder wird 45 Stunden pro Woche, also Vollzeit, betreut. Pro Kind und Monat erhält sie 1155,02 Euro, hinzu kommen Mietförderung (8,50 Euro pro Quadratmeter) sowie Zuschüsse zur Rente-, Kranken- und Pflegeversicherung. In Summe sind das pro Standort 12.456,97 monatlich. "Davon muss ich alles bestreiten, auch die Gehälter der insgesamt sieben Mitarbeiter", sagt sie. Nach dem neuen Verfahren würde sie nur noch 9763,65 Euro im Voraus erhalten. "Die Finanzierungslücke beträgt künftig knapp 2700 Euro pro Standort. Da muss ich in Vorleistung gehen", sagt Schlebusch, die davon ausgeht, "wochenlang" auf die nachträgliche Auszahlung durch das Jugendamt warten zu müssen. Eine Sorge, die auch Tagesvater Holger Jahn teilt. "In der Bewilligungsstelle sitzen nur noch drei Mitarbeiter. Dass man da drei, vier Monate aufs Geld warten muss, haben doch viele von uns früher schon erlebt", sagt der Ex-Projekt-Manager, der zwei Großtagespflegen an der Schön-Klinik betreibt. Doch nicht nur finanzielle Fragen treiben die Tageseltern um. "Mit der Dokumentationspflicht werden wir unter Generalverdacht gestellt", sagt Jahn. Im Übrigen sei es bei den Kitas an der Tagesordnung, dass Jungen und Mädchen mit 45-Stunden-Verträgen "sehr regelmäßig" früher abgeholt würden. Doch das sanktioniere auch künftig niemand.

Sind die Sorgen begründet?

Das wird die Zukunft zeigen. Amtsleiter Horn legt sich bei der Frage, wie lange die Auszahlung dauern wird, nicht fest. "Zu der Mutmaßung, dies dauere rund zwei Monate, sage ich weder Ja noch Nein." Entscheidend sei aber, dass es keine Existenzgefährdung geben werde. Die angeführte Vorleistung geschehe doch nur einmal gleich zu Beginn des neuen Verfahrens. Deswegen müsse wirklich niemand aufgeben. "Würden wir jemanden gefährden, würden wir uns ja ins eigene Knie schießen, denn wir schätzen die Tagespflege und brauchen sie, um die große Nachfrage bei der U3-Betreuung überhaupt decken zu können."

Quelle: RP
 
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