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Serie So Klingt Düsseldorf
Tanze Samba mit mir

Düsseldorf. Ein Mal im Monat mischen die "Amigos do Samba" das Benrather Schützenheim auf - die Truppe sucht noch Verstärkung. Von Ute Rasch

Benrath Normalerweise ist das Vereinsheim der Cäcilia-Schützen in Benrath kein Ort für Paradiesvögel. Ein Mal im Monat aber ändert sich das Bild: Da verbannt funkelndes Strassglitzern das gewohnte Bild der Uniformen. Da proben die "Amigos do Samba" ihre temperamentvolle Show. Dann geben die Trommeln den Ton an, und durch die Räume weht eine Brise Rio. Die Geschichte der "Amigos" ist die Geschichte von Marcelo da Paz. Der 49-jährige Brasilianer ist Gründer, Lehrer und Seele der Truppe. Er wurde in den Armenvierteln von Rio de Janeiro geboren. Um seine Kindheit zu beschreiben, reicht ihm ein Satz: "Als ich sieben Jahre alt war, trennten sich meine Eltern, von da an lebte ich auf der Straße." Zur gleichen Zeit erlebte er einen schicksalhaften Moment: Marcelo da Paz hörte Samba, von nun an träumte er davon, Musiker zu werden.

Seine erste Gitarre war alt und kaputt, er reparierte sie und lernte sie zu spielen, in dem er Musikern zuhörte und ihre Handgriffe kopierte. 2001 kam Marcelo da Paz nach Deutschland - auf den Spuren einer Liebe. Er blieb, auch als die Beziehung zerbrochen war, bekam einen Job in einer Düsseldorfer Bar. 2008 gründete er seine Samba-Schule, vielleicht auch als rhythmisches Heilmittel gegen Heimweh.

Viele Menschen konnte er in diesen Jahren auf seine musikalische Spur ziehen. Wenn die "Amigos" vollzählig auftreten, kommen 40 Tänzerinnen und Musiker zusammen - Zuwachs ist noch erwünscht. "Trommeln ist ein anderes Wort für Freude, das ist wie ein Sprung über einen Zaun, der Alltag bleibt auf der anderen Seite", sagt Rolf Huth, der schon lange dabei ist. Ohnehin lässt die Kraft der Trommeln jeden Raum swingen - der Anblick der Tänzerinnen in ihren prachtvollen Kostümen, reich bestickt mit Pailletten und Perlen, sowieso. Den Kopf der "Königin der Musiker" schmückt ein gewaltiger Federnschmuck, ansonsten reicht ihr ein Minimum an Textilien, das viel braune Haut blitzen lässt. Alles ist Bewegung.

Dass nicht jede Tänzerin aus dem Heimatland des Sambas kommt, schmälert das Gesamtbild keineswegs. Rachel Steichan stammt ursprünglich aus Kenia und tanzt, als hätte sie den Samba im Blut - "alle glauben eh, ich sei Brasilianerin." Den Düsseldorfern sind die "Amigos" von ihren Auftritten bei Kultur- und Straßenfesten und aus dem Rosenmontagszug vertraut.

Ein Teil von Marcelos Gagen fließt nach Brasilien zurück. Im Nordosten des Landes gründete der Musiker vor Jahren ein Projekt: 15 Dörfer hat er bereits mit Brunnen versorgt, von ihm finanziert und selbst gebaut. Wenn er von der Situation der Menschen erzählt, wird sein sonst so strahlendes Gesicht ganz ernst. Aber dann dreht er sich um und greift nach seiner Trommel: "It's Samba-Time."

Quelle: RP
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