| 10.12 Uhr
Verkehrsminister Harry Voigtsberger
Tausendfüßler darf abgerissen werden
Das ist der Tausendfüßler
Das ist der Tausendfüßler FOTO: Katharina Maaßen
Düsseldorf. Montagabend kam der lang erwartete Wink aus dem Ministerium: Verkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) wird dem Abriss des Tausendfüßlers zustimmen. Für Fachleute kommt die Entscheidung nicht überraschend. Von Hans Onkelbach

Auf den Entscheid wird seit Monaten gewartet, immer wieder war er aufgeschoben worden – aber Montagabend kam er dann doch: Aus dem unmittelbaren Umfeld von Verkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) ging am Montag ein Hinweis an Düsseldorfs OB Dirk Elbers, dass der Minister den Abriss genehmigen wird.

Damit wäre ein langes Tauziehen um das Bauwerk zu Ende, das die Stadt abreißen will, um das Stadtmitteprojekt Kö-Bogen wie geplant zu Ende zu bringen. Die Meldungen von gestern Abend wurden offiziell nicht bestätigt, aber im Ministerium war eine ganze Reihe von Mitarbeitern seit Tagen informiert.

Aus dem Rathaus war keine Stellungnahme zu erhalten. Obwohl man auch dort nicht von der Entscheidung überrascht sein dürfte. Offen war bis zuletzt lediglich der Zeitpunkt, zu dem Voigtsberger seinen Beschluss verkünden wird. Da heute die letzten Koalitionsverhandlungen von SPD und Grünen anstehen, rechnete man in Düsseldorf fest damit, dass er noch ein paar Tage warten würde, um die Gespräche nicht zu belasten. Immerhin waren die Grünen bis zuletzt vehement gegen den Abriss eingetreten.

Die zuständige Fachabteilung im Ministerium hatte dem Minister bereits vor geraumer Zeit erklärt, die Hochstraße stehenzulassen sei "wirtschaftlich unzumutbar". Denn die Sanierung werde sehr teuer, und den Tausendfüßler auf den neuesten Stand der Technik – vor allem in Fragen der Sicherheit – zu bringen, werde enorme Kosten verursachen. Zudem war man sich einig, dass die Hochstraße durch die Umbauten ihren Charakter und damit ihre Eignung als Denkmal ohnehin verlieren würde.

Ein weiteres Gutachten, das zum 31. Mai vorgelegt worden war, ist nach inoffiziellen Aussagen von Ministeriums-Experten zum selben Ergebnis gekommen – daher war bereits erwartet worden, dass der Minister pro Abriss entscheidet. Die Hochstraße steht als typisches Bauwerk ihrer Zeit unter Denkmalschutz. Der Abriss ist bei den Bürgern umstritten, die Initiative "Lott stonn" hält ihn und den Tunnelbau für Geldverschwendung. Trotzdem hatte eine Mehrheit im Düsseldorfer Rat – gegen SPD und Grüne – den Abriss beschlossen.

Der Landeskonservator sprach sich für den Erhalt des Tausendfüßlers aus – daraufhin war der Minister als oberster Denkmalschützer eingeschaltet worden. Er hätte den Abriss verbieten können, doch mit einem derart tiefen Eingriff in die kommunale Selbstbestimmung rechneten nur wenige. Zudem ist der Kö-Bogen ein Projekt von städtebaulich prägender Bedeutung, demgegenüber eine Hochstraße aus den 1960er Jahren als nachrangig gilt.

Voigtsberger wird seinen Entscheid allerdings an eine Bedingung knüpfen: Die Stadt muss eine professionelle Dokumentation über die Hochstraße anlegen – mit Fotos, Zeichnungen, Plänen und Teilen der Konstruktion, um sie jederzeit der Nachwelt präsentieren zu können.

Quelle: RP/ila/csi
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