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Düsseldorf
Taxiunternehmen unter Druck

Taxis in Düsseldorf: Unternehmen durch Mindestlohn unter Druck
Horia Rosea: "Einige Taxiunternehmen können es sich überhaupt nicht leisten, den Mindestlohn zu zahlen. Am Ende werden da einfach weniger Stunden aufgeschrieben. Von der Preiserhöhung halte ich gar nichts. Der einzige Effekt ist, dass sich die Kunden nach Alternativen zum Taxi umschauen." FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Damit der Mindestlohn gezahlt werden kann, hatte die Stadt im Frühjahr die Taxipreise im Schnitt um 25 Prozent erhöht. Der Umsatz ist nicht gestiegen, der Mindestlohn lässt sich damit nicht finanzieren, heißt es in der Branche. Von Sonja Schmitz und Tim Harpers

Den Mindestlohn einzuführen ist das eine. Ob er im Arbeitsalltag auch überall ankommt, ist aber etwas anderes. Das wissen Taxifahrer in Düsseldorf nur zu gut. "Einige Taxiunternehmen können den Mindestlohn überhaupt nicht bezahlen", sagt zum Beispiel Horia Rosea, der an der Blumenstraße auf Kundschaft wartet. "Die Margen sind einfach zu niedrig. Die Preiserhöhung bewirkt nur, dass die Kunden unzufriedener sind und sich nach Alternativen umsehen. Der Schuss ist also nach hinten losgegangen."

Trinkgeld geht zurück

Die Anhebung der Taxitarife im Frühjahr sollte den Unternehmern höhere Umsätze bescheren, um den Mindestlohn zu finanzieren. Wie sie sich jedoch tatsächlich auswirkt, darüber gehen die Meinungen auseinander. "Das Privatkundengeschäft geht Stück für Stück zurück", meint Frank Hofmann, der sein Taxi an der Heinrich-Heine-Allee geparkt hat. "Das ist vielen einfach zu teuer. Sie glauben nicht, wie viele Beschwerden wir jeden Tag zu hören bekommen. Das ist auch für uns als Fahrer schlecht. Kunden, die ihre Fahrt für überteuert halten, sparen am Trinkgeld."

Kemal Denizci: "Tagsüber ist es nur halb so schlimm. Messe- und Flughafenkunden ist der Preis oft egal. Da zahlt ja das Unternehmen. Die neuen Preise machen sich vor allem nachts und am Wochenende bemerkbar. Einige von uns haben jetzt auch schon mal schlechtere Wochen." FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Auch sein Kollege Kemal Denizci schätzt die Situation heute schlechter ein als vor der Preiserhöhung. "Es kommt darauf an, welche Touren man fährt", sagt er. "Chauffiert man überwiegend Geschäftskunden zu Messe und Flughafen, dann merkt man nichts. Stellt man sich dagegen Samstagnacht an die Heinrich-Heine-Allee, ist der Unterschied schon spürbar."

Fahrer Hakan Dogan ist da deutlich gelassener: "Das ist wie nach einer Mieterhöhung. Erst meckert man, irgendwann vergisst man es auch wieder", sagt Dogan. Schaut er in sein Portemonnaie, dann nimmt er heute nicht weniger ein als früher. "Auch wenn heute einige weniger fahren als vorher, gleicht sich das wieder aus", sagt er.

Frank Hofmann: "Das Privatkundengeschäft ist im vergangenen halben Jahr Stück für Stück zurückgegangen. Und die Privatleute, die noch mit uns fahren, beschweren sich regelmäßig. Ich kann das verstehen, ganz ehrlich. Für uns als Fahrer bedeutet das aber leider auch weniger Trinkgeld." FOTO: Bretz, Andreas (abr)

"Die Mauscheleien haben zugenommen"

Ein Eindruck, den Dennis Klusmeier von der Taxi Düsseldorf Genossenschaft bestätigt. Mit Blick auf seinen Umsatz sagt er: "Ich kann die Leute bezahlen und komme klar. Es ist nicht schlechter geworden." Hans Becker, Geschäftsführer von Rhein-Taxi, sieht sogar "keinen nennenswerten Rückgang bei der Auftragslage". Während früher die durchschnittliche Tour 13 Euro gekostet habe, zahlten die Kunden im Schnitt nun 18 Euro für eine Fahrt. Seinem Eindruck nach hätten die Kunden Verständnis dafür, dass der Mindestlohn wichtig ist. In Anbetracht dessen, dass ein Rheinbahnfahrer - dank Subventionen - 12 bis 13 Euro verdiene, seien die 8,50 Euro Mindestlohn "nicht die Welt".

Mindestlohn: Das sind die neuen Taxi-Preise in der Region

Aber auch Becker weiß, dass der Mindestlohn nicht überall gezahlt wird. "Die Mauscheleien haben zugenommen", glaubt er. Und der Druck auf die Fahrer wächst: "Wer bei manchen Unternehmen nicht einen festgesetzten Umsatz bringt, der kann seinen Hut nehmen", sagt Peter M., der seit 17 Jahren Taxi fährt und seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Dass sich das Geschäft für einige kaum noch rechnet, sieht Becker daran, dass zurzeit eine Reihe von Taxiunternehmen zu kaufen seien. Über Mund-zu-Mund-Propaganda wisse man in der Branche darüber Bescheid. Dabei können die Inhaber ihr Geschäft nur komplett verkaufen. "Die Möglichkeit, sich gesund zu schrumpfen, indem man von zehn Taxen etwa drei verkauft, gibt es nicht", sagt Becker. Dies sei im Personenbeförderungsgesetz so geregelt. Dass die etwa 1300 Taxen in Düsseldorf zu viel sind, darin ist man sich in der Stadt einig. Aber wie die Zahl reduziert werden soll, dafür gibt es keine Lösung.

Becker würde sich wünschen, dass die Stadt die überschüssigen Konzessionen zurückkauft. Neben der großen Konkurrenz untereinander machen den Taxen außerdem die Mietwagen zu schaffen. Weil sie nicht dem Personenbeförderungsgesetz unterliegen, fahren sie unterhalb des Taxitarifs. Dass sich diese Preise - korrekt verbucht - rechnen, wird von Branchenkennern bezweifelt.

Becker setzt darauf, dass die Kunden Betriebe bevorzugen, die korrekt abrechnen und entsprechende Steuern zahlen. Er rüstet seine 150 Fahrzeuge große Flotte nach und nach mit sogenannten Insika-Modulen aus, die Daten zu Fahrten und Zahlungen dokumentieren und alle Manipulationen sichtbar machen. Wenn es dafür später ein Label gibt, könnten Taxiunternehmen schwarze Schafe unter Zugzwang setzen.

Wie die Taxi-Preise in den einzelnen Städten der Region gestiegen sind, erfahren Sie hier. 

Quelle: RP
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