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Flüchtlingsunterkunft in Düsseldorf
TBC-Verdacht: Was für die Stadt zu tun ist

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft
Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. In einer Flüchtlingsunterkunft an der Rather Straße gibt es bei einem Bewohner Verdacht auf Tuberkulose, der bisher noch nicht bestätigt wurde. Es ist nicht der erste Fall einer hochansteckenden Krankheit in einer Unterkunft. Von Denisa Richters

Noch ist nicht bestätigt, dass der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Rather Straße, der am Dienstag isoliert und zu weiteren Untersuchungen in die Uni-Klinik gebracht wurde, tatsächlich an offener Tuberkulose (TBC) erkrankt ist. Der 30-jährige Algerier ist seit 3. September in Düsseldorf.

Wie lange muss er im Krankenhaus bleiben? Es werden zwei weitere Speichelproben genommen und mikrobiologisch untersucht. Je nach Befund können weitere Untersuchungen wie Bronchoskopie hinzukommen. Erst dann kann über Therapie, Entlassung aus dem Krankenhaus und Aufhebung der Isolierung entschieden werden.

Die wichtigsten Fakten über Tuberkulose FOTO: Puwadol Jaturawutthichai/ SHutterstock.com

Sollte sich der Verdacht bestätigen: Was muss getan werden? Laut Stadt werden dann die bereits ermittelten, engen Kontaktpersonen auf Tuberkulose mit dem sogenannten IGRA-Test (Interferon-Gamma-Release-Assay) untersucht und gegebenenfalls ebenfalls isoliert.

Wie oft kommen TBC-Fälle in Düsseldorf vor? 2014 gab es in Düsseldorf 50 gesicherte Tuberkulosefälle; 2015 war diese Zahl bereits im August erreicht. Es gelten die Routineempfehlungen des Robert-Koch-Institutes und das Infektionsschutzgesetz, das Isolation und Untersuchung vorschreibt. Bestätigt sich der Verdacht, erfolgt die Behandlung mit Antibiotika, bei offener TBC werden auch Kontaktpersonen untersucht.

Wie hoch ist die Gefahr, dass sich in der unübersichtlichen Flüchtlingssituation hochansteckende Krankheiten verbreiten? Bei der Erstaufnahme in Deutschland soll zwar jeder Flüchtling möglichst schnell ärztlich untersucht werden, um hochansteckende Erkrankungen auszuschließen. Es gibt auch präventive Impfungen auf freiwilliger Basis. In Bezug auf Tuberkulose ist festgelegt, dass zum Ausschluss einer ansteckenden Lungentuberkulose alle Erstaufnahmen geröntgt, Schwangere und Kinder unter 15 mit Blut- oder Hauttests untersucht werden. Die Tuberkulosefürsorgestelle des Gesundheitsamtes steht in Kontakt mit den Leitern der Erstaufnahmeeinrichtungen in der Stadt und begeht regelmäßig Flüchtlingsunterkünfte. Bei den teils chaotischen Flüchtlingsströmen der vergangenen Wochen war aber nicht alles immer garantiert.

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Es gab bereits Windpockenfälle, Hepatitis C - wie oft kommen ansteckende Krankheiten in den Unterkünften vor? Nach Angaben der Stadt liegt die Fallzahl der verschiedenen Infektionserkrankungen im Rahmen der Verbreitung in der allgemeinen Bevölkerung.

Was sind die Folgen von Quarantäne? Nach Einleitung einer Isolierung darf der Erkrankte ein vom Gesundheitsamt festgelegten Bereich nicht mehr verlassen - zum Schutz der Bevölkerung.

Wie werden andere Personen (z.B. Mitbewohner, Betreuer) rechtzeitig geschützt? Bei einem Infektionsfall gibt es laut Gesundheitsamt eine Umgebungsuntersuchung, gegebenenfalls wird der Arbeitgeber über notwendige Maßnahmen informiert. Auf geltende Impfempfehlungen soll bei diesen Gruppen besonders geachtet werden, hinzukommen je nach Erkrankungsart Schutzmaßnahmen wie Hände-Hygiene oder Atemschutzmasken.

Hat das Gesundheitsamt ausreichend Personal? Ärzte und ausgebildetes medizinisches Assistenzpersonal werden dringend benötigt, um die wachsenden Aufgaben weiterhin zum Schutz der Bevölkerung gewährleisten zu können, heißt es.

Quelle: RP
 
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