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Probleme in Düsseldorf
Drei Monate bis zum Telefonanschluss

Telekom in Düsseldorf: Drei Monate bis zum Telefonanschluss
So sieht der Garten von Andreas S. dank Telekom aus. Kurz nachdem der Rasen des Wohnkomplexes fertig war, fing der Konzern mit seinen Buddelarbeiten an - und die Erde landete für eine Woche auf dem frischen Grün. FOTO: Bauer
Düsseldorf. Vor einem Jahr wurden für 115 neue Wohnungen Anschlüsse beantragt. Andreas S. zog im Juni ein, doch erst Ende des Monats soll er freigeschaltet werden. Der Konzern erklärt die Vorgänge hilflos - und verschläft eine Zukunftstechnik. Von Reinhard Kowalewsky

Als Kunde hatte Andreas S. nach mehr als 20 Jahren Vertragsbeziehung zunächst einen guten Eindruck von der Telekom, als international tätiger Unternehmensberater war er beeindruckt. "Die haben große Pläne mit der Digitalisierung." Doch nach fast drei Monaten Warten auf einen Telefon- und Internetanschluss ist er nur noch genervt: "Seltsam, dass die ihren Laden so schlecht im Griff haben. Das schadet uns Kunden und nützt nur deren Konkurrenten wie Unitymedia."

Tatsächlich hat sich der Konzern bei einem großen Projekt in Düsseldorf blamiert. Vor einem Jahr informierte das Immobilienunternehmen Rheinwohnungsbau die Telekom, dass es an der Pariser Straße im Stadtteil Heerdt 95 Miet- und 20 Eigentumswohnungen neu baut, die von der Telekom angeschlossen werden sollen. S. teilte der Telekom am 16. Juni mit, er ziehe um. Am 31. Juli sei alles klar, erfuhr er am Telefon. Doch alles kam anders: Nach Dutzenden Telefonaten in fast drei Monaten bekam er Mitte vergangener Woche endlich die erlösende Nachricht: "Am 27. September kann ich nun wohl wieder per Festnetz telefonieren und ins Internet gehen."

Blamage für den Konzern

Und nicht nur beim Festnetz gab es Probleme. Auch sein Handy mit Telekom-Vertrag ließ ihn im Stich. Das Telekom-Netz in der Straße funktioniert laut S. nur mangelhaft. "Ich muss mit dem Telekom-Handy ans Fenster gehen, um ausreichend Empfang zu haben", erzählt er. Hätte er nicht parallel einen alten Vodafone-Vertrag gehabt, wäre er für längere Zeit unerreichbar gewesen.

Auch für die Rheinwohnungsbau ist der Vorfall unangenehm: "Wir haben vor einem Jahr die Anträge gestellt, aber erst jetzt wird das Projekt beendet. Das ist sehr unbefriedigend für uns und die Bewohner", sagt der technische Prokurist Ralf Hincke. "Besonders ärgerlich war, dass wir die Gärten fertig hatten, dann wurde alles wieder aufgebuddelt, weil die Telekom kam."

Eher hilflos versucht der Ex-Staatskonzern, das Chaos zu erklären. Jede Terminangabe für Anschlüsse sei "mit einer gewissen Ungenauigkeit verbunden". Koordination erfordere "Zeit und Vorbereitung", was für Außenstehende "schwer verständlich" sei. Tiefbauunternehmen seien "nicht auf Zuruf" verfügbar. Ein Planer sei zeitweise ausgefallen. Solche Fälle hätten mit Missmanagement aber nur "in den seltensten Fällen" zu tun.

Keine klaren Auskünfte

Anders sehen das Andreas S. und Rheinwohnungsbau-Manager Hincke. So weist Hincke darauf hin, dass Unitymedia im selben Komplex mit Kabel-TV-Anschlüssen für alle Bewohner pünktlich war. Rheinwohnungsbau mit 6100 Wohnungen habe auch so seine Erfahrungen mit dem Marktführer: "Ähnliche Probleme haben wir leider immer wieder mit der Telekom."

Für S. war dagegen überraschend, dass es lange unmöglich war, klare Auskünfte zu erhalten. Binnen drei Wochen habe er mindestens zehnmal beim Bauherrenservice in Duisburg angerufen - aber entweder niemanden erreicht oder nichts erfahren. Dann erwiderte eine Servicehotline aus Rostock doch freundlich seinen Anruf - die wichtigste Auskunft war: "Sie haben ein Sonderkündigungsrecht."

Gründe zu kündigen, gebe es für S. viele. Wegen der Verzögerung haben die Aufzüge im siebenstöckigen Haus keine Notruffunktion - das ist nicht ohne Risiko. Dem Unternehmensberater fiel auch auf, dass die Telekom für den Gebäude-Komplex keine der zukunftsträchtigen Glasfaserleitungen ans Haus gelegt hat - was das Bonner Unternehmen auf Anfrage bestätigt. "Der Kunde hat das nicht verlangt", erklärt ein Firmensprecher.

Wissenschaftler überrascht

Angesichts dieser Entscheidung ist der Duisburger Betriebswirtschaftsprofessor Torsten Gerpott erstaunt: "Es ist doch unstrittig, dass Glasfaser auf Dauer die überlegene Technologie ist, um Daten sehr schnell zu transportieren. Da hätte ich erwartet, dass die Telekom vorsorglich Glasfaser legt, wenn sie schon für ein Bauprojekt buddelt." Das sei billiger, als in wenigen Jahren die Straßen wieder aufzureißen.

Wie sehr die Telekom beim Ausbau von Glasfaser direkt ans Haus oder in die Wohnung hinterherhinkt, zeigt diese Zahl: Rund 700.000 solcher Anschlüsse wurden laut Berechnung von Gerpott bundesweit vermarktet, nur jeder zehnte Vertrag läuft über die Telekom.

Quelle: RP
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