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Düsseldorf
Der IS kann uns mal

Terror-Plan für Altstadt: Der IS kann uns mal
Nahe der U-Bahn-Station "Heinrich-Heine-Allee" wollten die Attentäter Sprengsätze zünden und Menschen erschießen. FOTO: andreas Endermann
Meinung | Düsseldorf. Die Terrororganisation Islamischer Staat wollte aus der Düsseldorfer Partymeile einen Ort der Verzweiflung machen. Unsere Autorin hat sich Gedanken darüber gemacht, warum selbst ganz konkrete Terror-Drohungen die Düsseldorfer kalt lassen - und warum das gut so ist. Von Stefani Geilhausen

Mit unserem Rechtsstaat haben die islamistischen Terroristen nicht viel am Hut, das Strafgesetzbuch gilt ihnen so wenig wie die zehn Gebote. Kein Wunder bei Menschen, die in dem Glauben morden, dass sie im Paradies von 72 Jungfrauen dafür belohnt würden. Bei solchen Aussichten verbreitet man doch gern mal Angst und Schrecken unter den Ungläubigen.

Tja. Dumm gelaufen für die falschen Flüchtlinge, die sich mit Hass im Herzen und Mord im Kopf eingeschlichen haben, um unserer Altstadt den Frohsinn zu nehmen. Sie haben elf mächtige Paragrafen ignoriert, die uns vor Angst und Panik schützen: Das Rheinische Grundgesetz bewahrt uns auch angesichts der menschenverachtenden Szenarien vor paralysierender Panikmache. Et is, wie et is, sagen wir. Und dass es kommt, wie es kommt. Und wenn Terroristen kommen wollen - sei's drum. Wir warten nicht zitternd daheim.

Et hätt noch immer joot jejange

Als am 11. September 2001 die Türme des World Trade Centers einstürzten, war auch im Rheinland klar, dass sich die Welt verändern würde. Spätestens fünf Jahre danach war der Terror in NRW angekommen. Libanesische Islamisten wollten Züge in die Luft sprengen, in den Bombenkoffern hatten sie Speisestärke deponiert, die sich als Feinstaub über die von ihnen kalkulierten zahlreichen Verletzten ausbreiten und die ersticken sollten. Die Bomben waren so zerstörerisch konstruiert wie die von London 2005. Sie haben nur nicht funktioniert. Um Haaresbreite der Katastrophe entgangen, sagen die einen. "Et hätt noch immer joot jejange", schulterzuckt der Rheinländer.

Und nun also ausgerechnet die Heinrich-Heine-Allee und die Altstadt. Blutvergießen an der längsten Theke der Welt. Der selbst ernannte Islamische Staat, diese Killertruppe, die von der Religion, deren Namen sie führt, weniger weiß als ein Flönz-Röggelchen, wollte aus der Partymeile einen Ort der Verzweiflung machen. Hat nicht geklappt. Und nicht nur das: Die Düsseldorfer haben eben nicht ihr Donnerstagsritual auf der Ratinger gegen ein dunkles Eckchen hinterm Sofa eingetauscht. Sie sind auch nicht wie der Bodensee-Reiter vor Nachangst in Schockstarre gefallen. Nee, IS - wir machen doch nicht euren Job und sperren uns selber ein.

Was wir vom IS halten? Jacques Tilly macht das jedes Jahr ziemlich deutlich. Dafür haben sie uns voriges Jahr sogar zum Rosenmontagszug bedroht. Haha. Als würden wir nicht zum Zoch gehen, bloß weil irgendjemand im Nordirak meint, wir dürften keine Meinung zu den IS-Mördern von Charlie Hebdo haben. Psycho- statt Bombenterror ist das. Den nehmen wir genauso wenig hin. Wir haben Spaß beim Karneval. Und wissen ziemlich sicher, dass die Sache mit den Jungfrauen gar nicht stimmt. Natürlich haben wir hier auch ein paar Spaßbremsen. Solche, die Muslime mit Islamisten gleichsetzen. Die nicht kapieren, dass die meisten Flüchtlinge, die zu uns kommen, gar keine Verbrecher sind, sondern vor Verbrechern auf der Flucht. Und die sich ihrerseits formieren, um Angst zu verbreiten. Das haben sie mit dem IS gemeinsam. Und, dass die Düsseldorfer sich auch von denen nicht beeindrucken lässt. Jeder Jeck ist anders. Die einen mag man. Die anderen lässt man montags im Kreis laufen.

Man wirft den Düsseldorfern ja bisweilen nicht ganz zu Unrecht vor, sie seien überheblich und auch ein bisschen ignorant. Aber mal jetzt unter uns: Kann man Terroristen besser begegnen als mit eiskalter Schulter?

Die Welt war vielleicht noch nie so unsicher wie heute. Aber bei uns ist zumindest eines sicher: Am 27. Februar ist Rosenmontag. Vielleicht macht Tilly den IS noch mal aus Pappmaché. Aber bestimmt gehen wir danach in die Altstadt. Der IS kann uns mal.

Quelle: RP
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