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Düsseldorf
Die Lieblinge des Publikums

Theaterpreis "Gustaf": Die Lieblinge des Publikums
Anna Kubin, Rainer Galke und Alexander Steindorf (links unten) sind die Gewinner des "Gustaf". Gestern wurde der Preis den Schauspielern in einer Gala im Kleinen Haus verliehen. Intendant Günther Beelitz (rechtes Bild, Mitte) verabschiedete bei dieser Gelegenheit sein Ensemble in die Sommerpause. FOTO: Archiv (3)/Reichwein
Düsseldorf. 2000 Besucher haben ihre Stimme abgegeben: Die Gewinner des Theaterpreises "Gustaf" stehen fest.Anna Kubin, Rainer Galke und Alexander Steindorf bekommen Preis.  Von Franziska Hein

Bei allen Unruhen der vergangenen Spielzeiten, den Intendantenwechseln, den Umbauarbeiten, den Finanzdiskussionen, war das Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses immer eine feste Bank. Waren die Inszenierungen noch so umstritten - die Darsteller waren meist über allen Tadel erhaben. Einige der rund 40 Schauspieler haben in ihren Rollen besonders überzeugt und wurden im Laufe der Spielzeit zu Publikumslieblingen.

Die Theatergänger haben aus dem Ensemble nun ihre Favoriten für den "Gustaf" gewählt. Intendant Günter Beelitz entließ seine Schauspieler gestern bei der Preisverleihung im ausverkauften Kleinen Haus in die Sommerpause. Anna Kubin bekam den Preis für die beste Schauspielerin, Rainer Galke war in den Augen der Zuschauer der beste Darsteller. Und Alexander Steindorf wurde als Bester des Jungen Schauspiels ausgezeichnet.

So schön war die Gustaf-Preisverleihung

Die Gewinner wussten vorher nicht von ihrem Glück. Alexander Steindorf zog sich noch schnell ein Jackett über, bevor er auf die Bühne trat und seinen Preis entgegennahm. Und Anna Kubin stand sogar noch auf der Bühne als LaVerne, eine der Andrews Sisters. Zusammen mit Klara Deutschmann und Katrin Hauptmann sang sie einige Nummern aus dem Stück "Sisters of Swing", das in der kommenden Spielzeit Premiere haben wird. Daneben gab es auch einen Vorgeschmack auf die Inszenierung "Die Comedian Harmonists". "Es gibt kaum ein Theater, das in der Lage ist, diese Rollen aus dem eigenen Ensemble heraus zu besetzen", sagte Dirk Diekmann, stellvertretender Intendant, der durch den Abend führte.

Rund 2000 Stimmen gab es. Die meisten auf Abstimmungskarten, die im Schauspielhaus allabendlich verteilt wurden, ein paar hundert bei RP-Online. Den nach Gustaf Gründgens benannten Preis vergeben die Freunde des Schauspielhauses gemeinsam mit der Rheinischen Post. Zum ersten Mal wurde er während der Intendanz von Amélie Niermeyer verliehen - gestern Abend zum dritten Mal. Das Preisgeld stiften die Freunde des Schauspielhauses. Der beste Darsteller und die beste Darstellerin erhalten je 3000 Euro. Den Preis fürs Junge Talent (2000 Euro) stiftet der Düsseldorfer Unternehmer Peter Haeffs.

Verleihung Theaterpreis Gustaf

Anna Kubin wurde 1979 in Münster geboren, seit der Spielzeit 2006/07 ist sie im Ensemble. Sie war bereits nominiert für den Gustaf. Zuletzt sah man sie in "Die Ratten", in "Kreise/Visionen", in "Midsummer" und jetzt aktuell in "Sisters of Swing". Davor hat sie in "Supergute Tage" im Jungen Schauspielhaus gespielt, auch in "Figaro", "Emilia Galotti" und der "Dreigroschenoper". Mal war sie hübsch überdreht, dann die junge Naive. "Sie verleiht Wonne wie Verzweiflung überzeugend Ausdruck und kann hinreißend singen wie etwa als Susanna im Figaro", sagte RP-Feuilletonchefin Annette Bosetti gestern in ihrer Laudatio. Wenn sie barfuß tanzt, kann sich jeder vorstellen, dass ihr sogleich Hundertschaften von Männern zu Füßen liegen.

Rainer Galke, 1971 in Meerbusch geboren, seit neun Jahren in Düsseldorf, war auch schon einmal für den Gustaf nominiert. Zu sehen war er in "Die Wildente", "Der Besuch der alten Dame", "Richard III" (Titelrolle), den "Goldberg-Variationen", "Die Ratten", "Mord" und "Dantons Tod". Galkes Markenzeichen ist seine sehr verständliche, tragende Stimme. Er verleiht den kleineren Rollen Größe, jeder Figur ihre Würde. Er spielt mit Humor und Herz. Knallcharge kann er auch, nahe am Millowitsch-Theaterstil. Und er kann auch den Frauenabschlepper. Er war nicht immer optimal besetzt - aber wenn, dann kam er ganz groß zum Zuge. Sein stärkster Moment: In Taboris "Goldberg-Variationen", wendig, zerrissen, widerständig, glaubwürdig - am Ende hängt er am Kreuz. Und man will weinen.

Alexander Steindorf, geboren 1972 in Schmölln (Thüringen), weniger Hauptrollen als viele belebende Figuren auf der Bühne im Jungen Schauspielhaus. "Ein Mann für mehr als 20 Rollen" war er auch schon einmal, gespielt hat er in "Patricks Trick", "Michael Kolhaas", "Demian" und "Kreidekreis".

Seine Stärke: Er ist ein Mann für alle Fälle. Er kann der Böse, der Riese, der Teufel, der König oder der liebenswerte Bösewicht sein. Steindorf ist wandelbar, verwächst mit seinen Rollen - auch äußerlich. Er ist komisch, fantasievoll, abseitig -einfach ein klasse Typ, "Ein Mann, der keinen Sockel braucht!"

Quelle: RP
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