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Kolumne rund ums Rathaus
Geisel diszipliniert Stadttöchter-Chefs

Thomas Geisel diszipliniert Stadttöchter-Chefs
FOTO: Bretz/Endermann/Schaller/Radowski/Schafetter
Meinung | Düsseldorf. Arndt Hallmann von der Stadtsparkasse, Dirk Biesenbach von der Rheinbahn oder Werner Dornscheidt von der Messe: Oberbürgermeister Thomas Geisel versucht die Chefs der städtischen Gesellschaften auf seinen Kurs zu bringen. Von Denisa Richters

Als sich Thomas Geisel das erste Mal der breiten Basis seiner Partei, der SPD, als Oberbürgermeister-Kandidat präsentierte, geschah dies in einem Zirkuszelt. Mancher fragte sich, ob Popcorn, bunte Lichter, Samtvorhänge und Manege der richtige Rahmen für eine doch so ernste Angelegenheit sind - schließlich ging es darum, den Chefsessel im Rathaus zu erobern. Der Stimmung tat die Zirkusatmosphäre gut, mit überwältigendem Applaus wurde Geisel damals als Kandidat akzeptiert. Und der Wahlsieg glückte knapp ein Jahr später tatsächlich.

Rückblickend könnte man in der Kulisse von damals sogar ein Zeichen für Geisels Regierungsstil sehen. Denn der entspricht nicht nur der Rolle eines Zirkusdirektors, sondern immer öfter auch der des Dompteurs. Wer nicht spurt, wird auf Kurs gebracht. Das bekamen in den vergangenen Monaten gleich mehrere Chefs von Unternehmen zu spüren, die der Stadt gehören oder an denen sie beteiligt ist.

Bereits im Wahlkampf, besonders aber nach Geisels Wahlsieg herrschte Eiszeit zwischen ihm und Werner M. Dornscheidt, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Düsseldorfer Messe. Dornscheidt war ein enger Vertrauter von Amtsvorgänger Elbers und hatte, sagen wir mal, nicht allzu positiv reagiert, als der Wahlkämpfer Geisel seine Strategie kritisierte. Inzwischen soll sich das Verhältnis aber entspannt haben. Vor allem weil Dornscheidt sich bei den Ausschüttungserwartungen der Stadt kooperativ zeigt und bereit ist, auf die vereinbarten sechs Millionen Euro noch ein Schippchen drauf zu legen. Wie viel genau, steht noch nicht fest. Das Rathaus erwartet ungefähr neun Millionen Euro.

Ganz anders agiert Stadtsparkassen-Chef Arndt Hallmann. 26 Millionen Euro soll sein gut aufgestelltes Institut an die Stadt ausschütten - dies vor allem vor dem Hintergrund, dass die Stadtsparkasse im vergangenen Jahr nicht nur einen Gewinn von 140 Millionen Euro, sondern durch den Verkauf der Immobiliensparte Corpus Sireo auch Sondereinnahmen von etwa 50 Millionen gemacht hat. Doch Hallmann will alles ins Eigenkapital abführen, bleibt bisher kompromisslos. Die Fronten sind seit Monaten verhärtet. Dompteur Geisel zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass es zu einer Ausschüttung kommt. Wie das gelingen soll, ist allerdings derzeit noch offen. Dass es zu einem entsprechenden Ratsbeschluss kommt, gilt derzeit als wenig wahrscheinlich. Womöglich wird Geisel den Jahresabschluss der Stadtsparkasse für 2014 beanstanden.

Der neueste Fall in der Serie "Disziplinierung von Stadttöchter-Chefs" ist Rheinbahn-Vorstand Dirk Biesenbach. Diesmal geht's nicht ums Geld, zumindest nicht direkt. Sondern um Ziele, die Geisel im Wahlkampf formuliert hatte und die sich auch im Ampel-Vertrag von SPD, Grünen und FDP finden: So sollen Busse und Bahnen häufiger fahren, auch abends, am Wochenende und nachts, um die Rheinbahn für mehr Kunden attraktiver zu machen. Ein Knackpunkt des Konflikts ist der Erhalt der Linie 708, auf den die Ampel pochte und den Biesenbach ablehnte. All das kostet natürlich Geld - und widerspricht Biesenbachs Ziel (und bisherigem Auftrag), zu sparen und den städtischen Zuschuss gering zu halten.

Auch hier sind die Fronten verhärtet. Nun bringt Geisel einen dritten Vorstand ins Gespräch, ein echter ÖPNV-Experte mit technischem Knowhow soll es sein. Der könnte am Ende Biesenbach vorgesetzt werden. Vielleicht lässt man aber auch nur Biesenbachs Vertrag im nächsten Jahr auslaufen (was ebenfalls teuer wird). Oder ist es am Ende doch nur als warnender Peitschenhieb gedacht?

Quelle: RP
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