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Düsseldorf
Tillys Entwürfe werden historisch

Düsseldorf: Tillys Entwürfe werden historisch
Ein Wagen, der dem früheren Bundeskanzler sicher gefiel: Jacques Tilly und sein Modell des Karnevalswagens im Jahr 2003, der das deutsch-amerikanische Verhältnis kommentierte. FOTO: privat
Düsseldorf. Haus der Geschichte übernimmt Modell des Wagenbauers, um deutsch-amerikanisches Verhältnis zu dokumentieren.  Von Torsten Thissen

Die Vereinigten Staaten von Amerika waren für die Menschen der Bundesrepublik schon vieles: Land der Sehnsucht und der Abscheu, Vorbild und abschreckendes Beispiel, Partner und Gegner, Schutz- und Besatzungsmacht. Kein Land polarisiert bis heute so wie die Heimat der Tapferen.

Diesem Verhältnis widmet sich von kommenden Donnerstag an eine Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte. Unter anderem hat auch Düsseldorfs Wagenbauer Jacques Tilly ein Exponat zu dieser Ausstellung beigesteuert. Es geht um einen Wagen, den Tilly für den Rosenmontagszug 2003 gebaut hatte. "Da sie finden, dass Zeitgeschichte in meinen Karnevalswagen exzellent verdichtet und auf eine klare und einfache Bildformel gebracht wird, haben die Ausstellungsmacher um ein Exponat gebeten", sagt Tilly. Er freut sich natürlich sehr darüber.

Um den Wagen zu verstehen, muss man sich kurz in die Zeit versetzen. Die USA unter George W. Bush bereiteten die Welt auf einen Krieg im Irak vor, Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte sich im Wahlkampf 2002 festgelegt, dass es eine deutsche Beteiligung unter seiner Regierung nicht geben werde und die Wahl trotz Vorwurfs des Populismus gewonnen.

Deutschland hatte turnusmäßig einen Sitz im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen und Schröder sagte: "Rechnet nicht damit, dass Deutschland einer den Krieg legitimierenden Resolution zustimmt, rechnet nicht damit." Kurz darauf versuchte US-Außenminister Colin Powell, einen Krieg gegen das Hussein-Regime zu rechtfertigen.

Dann war Rosenmontag, und eben jener Wagen fuhr durch die Düsseldorfer Innenstadt: Der Kanzler als Friedenstaube mit Heiligenschein, eine Kette mit Peace-Zeichen um den Hals und einen Olivenzweig im Mund versperrte einem amerikanischen Panzer mit gigantischem Kanonenrohr den Weg. "Ich habe das Modell in Styropor und Plastilin nachgebaut, in einer Länge von 90 Zentimetern und einer Höhe von 50 Zentimetern. Für das Modell des Wagens wurde extra eine Vitrine gebaut", sagt Tilly.

Nach der Ausstellung, die bis zum 13. Oktober in Bonn zu sehen sein wird, geht das Objekt in den ständigen Besitz des Museums über. Zudem erwarb das Haus der Geschichte noch zwei Entwürfe von Tilly aus anderen Jahren, die das Verhältnis der Bundesrepublik zur USA zum Thema haben. "Die USA waren immer ein Thema für uns. Natürlich habe ich alle Präsidenten im Rosenmontagszug gehabt, angefangen mit Ronald Reagan bis zum aktuellen Präsidenten Barack Obama", sagt Tilly.

Bush junior allerdings habe aber wohl am meisten abbekommen, "die Karnevalisten waren sich da einig, dass dies der falsche Mann war." Auf der anderen Seite fühlt er sich den USA verbunden, schließlich sei es das Land, das den Deutschen nach dem Krieg die Freiheit gegeben hat.

Im Sommer plant Tilly auch, seinen Urlaub dort zu verbringen. Gemeinsam mit den beiden Kindern will er von New York aus die USA erkunden. Es wäre seine erste Reise in das Land.

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