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Düsseldorf
Tochter nach Schüssen auf Weg der Besserung

Mutter schießt auf 18-Jährige in Düsseldorf
Mutter schießt auf 18-Jährige in Düsseldorf FOTO: Patrick Schüller
Düsseldorf. Weil die 44-jährige, die auf ihre Tochter schoss, sich selbst getötet hat, wird die Akte geschlossen.  Von Stefani Geilhausen

Die 18-jährige Abiturientin Sabrina*, die am Montag von mehreren Schüssen aus der Waffe ihrer Mutter getroffen wurde, wird sich nach Auskunft der Polizei wohl wieder ganz erholen. Zumindest körperlich wird das Drama, das sich in der Wohnung von Mutter und Tochter in Alt-Heerdt abgespielt hat, keine Folgen für die junge Frau haben. Wie sie psychisch verarbeiten wird, dass ihre Mutter lieber mit ihr sterben wollte, als sie auf eine Reise gehen zu lassen, liegt nach Ansicht von Etta Hallenga, Traumatherapeutin bei der Frauenberatungsstelle, auch an ihrem Umfeld. "Sie braucht jetzt gute Freunde, denen sie vertrauen und sich anvertrauen kann, die keine Erwartung an das haben, was sie nun fühlen oder wie sie sich verhalten soll." Oft sähen sich Opfer traumatischer Erlebnisse von gut gemeinter Anteilnahme zusätzlich belastet. "Viele wollen vor allem ganz normal behandelt und nicht als Opfer gesehen werden." Deshalb sei auch ein externer und zur Verschwiegenheit verpflichteter Ansprechpartner hilfreich.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft sind die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen, seit nach der Obduktion des Leichnams von Annette S.* feststeht, dass sich die 44-Jährige in den Kopf geschossen hat, nachdem ihre schwer verletzte Tochter aus der Wohnung geflohen war. "Wir gehen von einem Suizid aus", sagte Polizeisprecher Markus Niesczery. Und der Tod der Täterin stoppt die Strafverfolgung auch im Hinblick auf die Schüsse, die die 44-Jährige auf die Tochter abfeuerte. "Das Mädchen weiß, was geschehen ist. Und andere geht es nichts an", so der Polizeisprecher. Denn die Hintergründe des schrecklichen Geschehens seien ausschließlich im persönlichen Bereich von Mutter und Tochter zu finden.

Vor dem Haus, in dem sich das Drama abspielte, haben Unbekannte mit Kerze und Blume ihr Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. FOTO: Andreas endermann

Auslöser für das Drama soll die Reise gewesen sein, zu der Sabrina gestern mit einer Freundin hatte aufbrechen wollen. Mehrere Monate wollten die Heranwachsenden, die gemeinsam im Frühjahr ihr Abitur bestanden hatten, durch die Welt reisen. Schon um die Planung soll es Konflikte zwischen Mutter und Tochter gegeben haben, die am Montag, als die Abreise unmittelbar bevorstand, eskalierten.

Mutmaßlich hatte Annette S. den Gedanken, ihre Tochter nicht mehr bei sich zu haben, nicht ertragen, als sie zu ihrer Waffe griff. Die kleinkalibrige Pistole war das Sportgerät der 44-Jährigen, die in einem Düsseldorfer Verein aktive Schützin war. Daher war sie auch legal im Besitz der Waffe, die laut Polizei ordnungsgemäß in einem Tresor untergebracht war.

*) Namen geändert

Quelle: RP
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