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Düsseldorf
Todsünden als Fotokunst dargestellt

Düsseldorf: Todsünden als Fotokunst dargestellt
Beschäftigten sich für ihr Kunstprojekt mit den Sünden: Pantomime Nemo und Fotograf Wolf R. Ussler (v.l.). FOTO: Beschäftigten sich für ihr Kunstprojekt mit den Sünden: Pantomime Nemo und Fotograf Wolf R. Ussler (v.l.). Andreas bretz
Düsseldorf. In einer gemeinsamen Ausstellung haben der Fotograf Wolf R. Ussler und Pantomime Nemo Habgier, Hochmut und Neid aufs Foto gebracht. Gezeigt werden die Bilder im Paul-Gerhardt-Haus an der Heerdter Landstraße. Von Monika Götz

Habgier, Hochmut, Neid – drei Wesensmerkmale, die zu den im Mittelalter von der Kirche identifizierten Todsünden zählen. Sie nehmen in der gegenwärtigen ich-zentrierten Gesellschaft einen unrühmlichen Stellenwert ein. Diese Meinung wird von Jörg Jerzembeck-Kuhlmann, Wolfgang Neuhausen und Wolf R. Ussler gleichermaßen vertreten. Ebenfalls gemeinsam haben sie jetzt das von der Evangelischen Kirchengemeinde Heerdt initiierte Projekt "Ego³" verwirklicht, das sich auf künstlerischer Ebene mit der Thematik auseinandersetzt.

"Wir möchten den inhaltlichen Dialog anregen", erklärt Pfarrer Jörg Jerzembeck-Kuhlmann. Er begleitet die Kunst-Konzepte, die jeweils zur Passions- und Osterzeit im Kirchenraum Paul-Gerhardt-Haus der Gemeinde realisiert werden, und hat sich intensiv mit dem "aktuellen Thema Todsünden" beschäftigt. Die Begegnung mit dem Düsseldorfer Fotografen Wolf R. Ussler gab schließlich den Anstoß, per Fotokunst an diese sensible Materie heranzugehen.

Dazu wurde der Pantomime Nemo alias Wolfgang Neuhausen mit ins Boot geholt: "Das war die rettende Idee." Denn mit Nemo gelang eine "nicht überbordende, sondern nüchtern und reduzierte Umsetzung". Allein Foto- und Pantomimen-Kunst werden eingesetzt, um die Bedeutung der Begriffe Habgier, Hochmut und Neid darzustellen. Nemos Meinung dazu ist eindeutig: "Das sind drei kriegstreibende Sünden. Sie spalten ebenso Familien wie Nationen." Der Fotograf Ussler war darauf bedacht, das "private Gesicht" des Wolfgang Neuhausen zurückzunehmen, und verzichtete auch auf Schminke: "Der Fokus liegt allein auf dem Thema. Wir wollen genug Raum für Interpretationen der Betrachter lassen."

Wie eindrucksvoll das gelungen ist, wird jetzt im Kirchenraum gezeigt. Dort, wo normalerweise das Kreuz hängt, sind aktuell drei großformatige Fotografien zu sehen. Darauf trägt Nemo eine weiße Maske, ist in einen schwarzen oder roten Frack gekleidet und überzeugt allein durch Mimik und Haltung. Aus den über 400 Fotos wurden weitere ausgewählt, die im kleineren Format gezeigt werden.

Rund um die Ausstellung zum Thema Todsünden gibt es ein Rahmenprogramm. "Unter anderem ist für die Konfirmanden ein Workshop mit Nemo geplant", sagt Pfarrer Jerzembeck-Kuhlmann. Er steht hinter dem im Paul-Gerhard-Haus gepflegten Konzept "Offene Kirche" und ist sicher, dass die Fotokunst zur Darstellung der drei Todsünden auch bei den geselligen Zusammenkünften im Kirchenraum-Foyer Gesprächsstoff sein wird: "Das wird ein spannender Dialog." Dass die Ausstellung, die auf das in der Gesellschaft weit verbreitete "tägliche Monopoly-Spiel um Macht und Einfluss" hinweist, auch provoziert, ist dem engagierten Pfarrer bewusst. Auf jeden Fall wird "Ego³" dem Motto der Gemeinde gerecht. Es lautet: "Eine Gemeinde, die bewegt."

Quelle: RP
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