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Düsseldorf
Tour-Bewerbung wird Geisels Bergetappe

Düsseldorf: Tour-Bewerbung wird Geisels Bergetappe
FOTO: Archiv
Düsseldorf. Die Begeisterung bei der Stadtspitze für ein Gastspiel der Tour de France in Düsseldorf ist groß. Nun hofft Oberbürgermeister Thomas Geisel auf eine "weise Entscheidung" des Stadtrats. Die erscheint im Augenblick fraglich. Von Uwe-Jens Ruhnau

Wer heil in Cambrai ankommt, hat bei der Tour de France das Kopfsteinpflaster in der "Hölle des Nordens" überstanden. Dort jubelte auch Thomas Geisel den Radrennfahrern zu, war gepackt von der "unglaublichen Begeisterung" und traf ganz nebenbei Christian Prudhomme. Der Direktor des weltbekannten Radrennens und Geisel verstehen sich gut, der Franzose traut den Düsseldorfern Organisation und Durchführung des "Grand Départ" zu. Die Aussage geht nach dem Ausstieg Londons für 2017 ein wenig flötend über die Lippen. Prudhomme braucht eine Stadt, die in der Lage ist, rasch ein Konzept für das Großereignis zu erstellen. Düsseldorf hat dies in vier Wochen geschafft, noch in diesem Jahr könnte in Paris die Entscheidung für Düsseldorf fallen. Geisels größtes Problem sind die Ratspolitiker, denn die stehen eher auf der Bremse - die anstehende Werbetour von Geisels Beratern durch die Fraktionen wird politisch eine schwere Bergetappe.

Der Grand Départ, der Start der Tour mit Mannschaftsvorstellung sowie Prolog/Zeitfahren, wird seit 60 Jahren verstärkt im Ausland ausgetragen. Dreimal geschah dies in Deutschland: in Köln 1965, in Frankfurt 1980 sowie in Berlin 1987. Karlsruhe und Pforzheim waren 2005 Etappenorte. Die Stadtspitze hat eine konservative Kalkulation vorgelegt, unter dem Strich müsste sie, wenn nicht weitere Sponsoren gefunden werden, gut sechs Millionen Euro aus dem Stadtsäckel zuschießen. Dafür bekäme man eine breite internationale Wahrnehmung und reichlich Umsatz in Hotellerie und Gastronomie (57 Millionen Euro). "Und anders als beim Eurovision Song Contest ist alle Infrastruktur vorhanden", sagt Stadtdirektor Burkhard Hintzsche, "wir müssen nicht wie 2011 für drei Millionen Euro ein Ausweichstadion für die Fortuna bauen."

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Geisel hofft für die Ratssitzung am 5. November nun auf eine "weise Entscheidung". Die mündet für Manfred Neuenhaus (FDP) in ein Nein, denn trotz aller Bemühungen handelt es sich für ihn immer noch um die "Tour de Doping". Düsseldorf habe immer viel in den Breitensport investiert, dies sei besser, und selbst ein Anti-Doping-Kongress zur Tour und eine Ausstiegsklausel, die sich Geisel für den Fall neuer Skandale zusichern lassen will, können ihn nicht überzeugen. Auch SPD-Fraktionschef Markus Raub tut sich schwer, spricht aber ebenso noch nicht endgültig von Ablehnung wie Andreas Hartnigk (CDU), der keine Nachhaltigkeit im Tour-Gastspiel in Düsseldorf entdecken kann. Er will erst einmal auf den Besuch des Beraters Karsten Hollasch von Deloitte warten, der die 30.000 Euro teure Kosten-Nutzen-Analyse erstellt hat. Die Ratsfraktion Die Linke hat sich bereits festgelegt: Sie stellt im Stadtrat den Antrag, dass keine Mittel der Stadt oder ihrer Tochtergesellschaften für die Tour ausgegeben werden dürfen.

Quelle: RP
 
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