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Etappe Probe gefahren
Tour de Düsseldorf

Etappe Probe gefahren: Tour de Düsseldorf
Der Jubel über die geschaffte Bergwertung sollte nicht lange anhalten. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Im Juli 2017 startet die Tour de France in der Landeshauptstadt. Unser Autor ist die zweite Etappe Probe gefahren – und hat gelitten. Von Jan Wiefels (Text) und Andreas Bretz (Fotos)

Zwischen dem größten Erfolg und der massivsten Enttäuschung des Tages liegen 15,7 Kilometer. Vor etwa einer halben Stunde habe ich die erste Bergwertung der Tour de France 2017 in Ludenberg bezwungen und mich gewundert, wie leicht es war. Nun stehe ich an der Ringstraße in Mettmann und es geht fast nichts mehr. Die Rahmenschaltung an meinem knapp 30 Jahre alten Rennrad streikt. Ich fühle mich kraftlos und zittere. Mich hat der "Hungerast" ereilt – so wie Jan Ullrich 1998 auf der Etappe nach Les Deux Alpes. Nur, dass ich wohl deutlich weniger heldenhaft aussehe.

Ich bin an diesem Tag unterwegs auf der zweiten Etappe der Tour de France 2017. Diese führt die Teilnehmer des wichtigsten Radrennens der Welt am 2. Juli durch den Osten der Stadt, ins Neandertal, nach Mettmann und wieder zurück ins linksrheinische Düsseldorf. Von dort aus soll es weiter nach Westen gehen – wohin genau, wird noch entschieden, nur Mönchengladbach als Ort der ersten Sprintwertung ist fix. Etwa 54 Kilometer lang ist der Teil der Etappe, der bereits feststeht. Er führt durch flaches bis hügeliges Gelände und ist für Profisportler sicher eine angenehme Distanz, um warm zu werden. Für mich – einen regelmäßigen Läufer und nur sporadischen Fahrradfahrer – jedoch eine Herausforderung.

Von Gerresheim führt die Etappe über die Düsseldorfer Straße nach Erkrath. FOTO: Bretz, Andreas

Meine Rettung ist gelb wie das maillot jaune. Eine Tankstelle erscheint vor mir an der Düsseldorfer Straße in Mettmann. Bis hierhin, etwa ein Kilometer den Berg hinauf, habe ich mein Rad überwiegend geschoben. Nach einer Pause und einem Schokoriegel sieht die Welt schon deutlich besser aus. Es kann weitergehen. On y va! v Ganz so schnell ist die Weiterfahrt allerdings nicht möglich. Während für Radrennstars wie Chris Froome oder Tony Martin die Straßen abgesperrt und die ein oder anderen Schlaglöcher sicher noch ausgebessert werden, muss ich mich mit den Gegebenheiten arrangieren. Schließlich sind auch Möchtegern-Radrennprofis angehalten, Radwege nutzen. Diese beginnen und enden im Kreis Mettmann ebenso abrupt wie in Düsseldorf. Zudem sorgen Ampeln vor allem in der Stadt dafür, dass nur bedingt ein Tour-Gefühl aufkommen will.

An anderer Stelle ist das Vorankommen für Rennradfahrer nicht nur unkomfortabel, sondern risikoreich. Nahe des Aaper Walds führt die Strecke über einen holprigen Weg, der die Kopfsteinpflaster-Passagen des Radrennens Paris–Roubaix, welches Oberbürgermeister Thomas Geisel kürzlich besucht hat, fast wie eine frisch geteerte Autobahn aussehen lassen. Kann man das den Rennprofis tatsächlich zumuten?

Auf der Fahneburgstraße in Ludenberg steht die erste Bergwertung der Tour de France 2017 an. FOTO: Bretz, Andreas

Trotzdem gibt es genug Momente, in denen ich mich freue, dass ich mich aufs Rad gesetzt habe. Der Blick aus Mettmann kommend auf die Silhouette Düsseldorfs zum Beispiel entschädigt für zähe Kilometer durch die Innenstadt. Auch die tolle Fernsicht, die sich eröffnet, wenn man vom Grütersaaper Weg nahe Hubbelrath nach Norden Richtung Ruhrgebiet blickt, nehme ich zum ersten Mal wirklich wahr. Und die überraschend schnelle Abfahrt mit dem Rennrad durch den Aaper Wald nach Rath ist ein Spaß, den ich zwar im Sauerland, aber nicht in Düsseldorf erwartet hätte.

Was man ebenfalls merkt, wenn man die Strecke abfährt: Sie ist aus Marketing-Sicht klug gewählt. Sofern nicht strömender Regen oder ein schwerer Unfall die Etappe überschatten sollte, dürfte der TV-Zuschauer Bilder von einer sehr vielseitigen Stadt in Erinnerung behalten. Die Route streift das moderne wie das historische Düsseldorf (Kö-Bogen/Basilika St. Margareta), durchquert fast zwei Dutzend zum Teil sehr unterschiedliche Stadtteile und führt durch viel Natur.

Fotos: Pressekonferenz zum Tour Start 2017 in Düsseldorf FOTO: dpa, mjh fdt

Für Hobbyfahrer gibt es genug Gründe, die Etappe auszuprobieren. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, eine Tour-de-France-Strecke direkt vor der Haustür zu er-fahren? Im Rheinland hatten alleine die Kölner 1965 dieses Vergnügen. Zudem ist die Düsseldorfer Strecke – im Gegensatz zu den vielen Etappen in den Alpen oder in den Pyrenäen – für einigermaßen geübte Radfahrer absolut machbar. Sofern man einen Schokoriegel dabei hat.

Das Magazin "Mein Rheinland" hat pünktlich zur Saison das Sonderheft "Radtouren" (132 Seiten, 9,80 Euro) herausgebracht. Es enthält u.a. 16 Ausflüge mit heraustrennbaren Karten. Es ist ab heute am Kiosk erhältlich. Es kann bestellt werden unter www.rp-online.de/radtouren oder 0211 505-2255 (Mo bis Fr 8-16 Uhr).

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