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Düsseldorf
6,2 Millionen Euro Zuschuss für Tour de France?

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Düsseldorf. Die Gesamtkosten für den Auftakt der Tour de France 2017 in Düsseldorf liegen bei elf Millionen Euro, die Effekte für die Wirtschaft bei 57 Millionen Euro. Die Band Kraftwerk ist für einen Auftritt angefragt. In der Politik gibt es viel Skepsis. Von Uwe-Jens Ruhnau

Oberbürgermeister Thomas Geisel hat den Spitzen der Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP gestern sein Konzept für ein Gastspiel der Tour de France in Düsseldorf im Jahr 2017 vorgelegt. Eine Ratsvorlage ist durch eine "Taskforce" formuliert worden, die Unternehmensberatung Deloitte, die mit ihrer Sport-Business-Group bereits einmal die Sportstadt Düsseldorf begutachtet hat, hat eine Untersuchung zu Kosten und Nutzen angefertigt. Dies alles ist unter Hochdruck in wenigen Wochen geschehen, nachdem London überraschend seine Bewerbung für den "Grand Départ" 2017 zurückgezogen hat. Eigentlich wollte sich die Stadt für 2018 bewerben.

Nicht nur bei der Opposition, auch bei der Ratsmehrheit muss Geisel (SPD) noch viel Überzeugungsarbeit leisten. SPD-Fraktionschef Markus Raub hat sich bereits gegen öffentliche Zuschüsse ausgesprochen, ebenso die FDP, bei den Grünen wird in diesen Punkt über einen Ratsantrag nachgedacht. Die wichtigsten Fakten:

Das ist Thomas Geisel – OB in Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)

Finanzen Die Gesamtkosten werden auf elf Millionen Euro beziffert, anders als bei vergleichbaren Veranstaltungen früher sind auch die Leistungen städtischer Töchter eingepreist. Durch Nachverhandeln und Sponsoren hofft man, den Zuschussbedarf um drei Millionen Euro reduzieren zu können, außerdem rechnet man mit einer Gewerbesteuereinnahme durch die Tour von fast zwei Millionen Euro. Unter dem Strich steht folglich aktuell ein Zuschussbedarf von 6,2 Millionen Euro. Die heimische Wirtschaft profitiert auf jeden Fall: 54 Millionen Euro Umsatz werden allein für die Gastronomie erwartet, drei Millionen für die Hotels.

Kerndaten Das Radspektakel würde am Donnerstag, 29. Juni 2017, mit der Mannschaftsvorstellung starten. Es folgten dann am Freitag das Training, am Haupttag Samstag das Zeitfahren (Strecke siehe Grafik, 1. Etappe), Sonntag beendet der Start der 2. Etappe den Départ. Veranstalter, Teams und Journalisten bilden mit mehr als 5000 Menschen den Haupttross. Rund eine Million Besucher werden erwartet.

Alle deutschen Tour-Etappensieger FOTO: AFP

Werbeeffekte Düsseldorf würde sich als attraktive und aktive Stadt international bekannt machen - mehrfach. Denn 2017 finden auch die Europameisterschaft im Triathlon in der Landeshauptstadt statt, ebenso die Tischtennis-Weltmeisterschaft. Die schönen Seiten der Stadt wären durch die ausgewählte Strecke Messe-Rheinufer-Oberkassel-Königsallee-Messe vielfach zu sehen. Den Grand Départ in Utrecht verfolgten dieses Jahr 23 Millionen TV-Zuschauer, weltweit war er im Fernsehen 575 Stunden zu sehen.

Daneben Drumherum gibt es viele Veranstaltungen. Unter anderem ist die weltbekannte Düsseldorfer Band Kraftwerk für ein Konzert angefragt. Titel des letzten Albums: Tour de France. Verkehrsdezernent Stephan Keller hat ein umfangreiches Konzept erarbeitet, das Düsseldorf als Fahrradstadt nach vorne bringen soll.

Greipel verpasst dritten Etappensieg nur knapp FOTO: dpa, yv mr

Abwägung Nach der Absage Londons rechnet sich Düsseldorf gute Chancen aus. 2018 könnte Hamburg im Rennen sein, da würde es schwer. Der Zuschuss könnte zum K.o.-Argument werden. Und: Noch offen ist, ob es eine Ausstiegsklausel gibt, wenn es zu neuen spektakulären Dopingfällen kommt. Andererseits ist die Tour de France eines der größten Sportereignisse der Welt, und wenn sich Düsseldorf beim Verkehr langfristig zu einer moderneren Stadt entwickelt, passt die Tour beim Stadtmarketing zu dieser Entwicklung.

Quelle: RP
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