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Start in Düsseldorf
Tour de France: Finanzen und Ausstieg noch offen

Tour de France - Das sagen unsere Leser zur Bewerbung
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Düsseldorf. Nach dem Zuschlag für den Start des Radrennens gibt es Zweifel, dass die Stadt hart genug mit den Organisatoren verhandelt hat. Auch Sponsoren, mit deren Hilfe die städtischen Kosten reduziert werden sollen, werden nicht genannt. Von Thorsten Breitkopf und Denisa Richters

Die Euphorie darüber, dass Düsseldorf 2017 Austragungsort eines der größten Sportereignisse der Welt wird, ist bereits stark gedämpft. Denn im Raum steht die Frage, ob die Stadt mit den Organisatoren der Tour de France über die Konditionen für die Ausrichtung des "Grand Départ" hart genug verhandelt hat. So war der Politik von Oberbürgermeister Thomas Geisel zugesagt worden, dass vertraglich eine Klausel vereinbart werden soll, die der Stadt eine Ausstiegsmöglichkeit bietet, falls es zu erneuten Doping-Fällen und in der Folge einem Stopp der Übertragung durch öffentlich-rechtliche Sender kommt. Denn damit wäre der Medienwert für Düsseldorf nahezu verloren.

Tour de France kommt nach Düsseldorf

Die Stadt lässt über eine Sprecherin lediglich vermelden, man sei "hinsichtlich der Anti-Doping-Thematik rechtlich effektiv abgesichert". In welcher Form, lässt sie mit Hinweis auf Vertragsinterna offen. Geisel bestätigt aber, dass es unter anderem eine Ausstiegsklausel gebe, die an die ARD-Liveübertragung gekoppelt sei. Würde die ARD wegen neuer Dopingskandale aussteigen, könnte sich auch Düsseldorf zurückziehen. Er geht jedoch nicht davon aus, dass dies nötig sein wird. Im Gegensatz dazu steht eine Aussage von Tour-Chef Christian Prudhomme. Nur wenige Stunden nach dem offiziellen Zuschlag für Düsseldorf erweckte er in einem Interview mit einem französischen Radiosender den Eindruck, eine solche Klausel gebe es nicht und sie sei bei solchen sportlichen Veranstaltungen auch nicht üblich. Er sei sicher, dass die Tour in Düsseldorf starten wird.

"Eine solche Klausel ist natürlich entscheidend", sagt FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Deshalb werde sie in der nächsten Ratssitzung Einsicht in die Verträge beantragen. "Der Marketingwert hängt im Wesentlichen von der Fernsehübertragung ab, ohne eine Ausstiegsklausel macht das keinen Sinn", sagt CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt. "Uns wurde erklärt, dass die Organisatoren der Stadt stark entgegenkämen, weil London so kurzfristig abgesprungen sei."

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Offen ist auch die Frage der Finanzierung. Elf Millionen Euro soll der Tour-Start die Stadt laut einem Deloitte-Gutachten kosten, zwei Millionen Euro Einnahmen erhofft man sich durch Steuereffekte. Geisel hatte zugesagt, die Summe über Sponsorengelder deutlich zu senken, nennt aber noch immer keine Interessenten. Mit den Veranstaltern seien attraktive Sponsoring-Pakete für die regionale Wirtschaft vereinbart worden, sagt die Sprecherin. Die könnten nun mit möglichen Sponsoren besprochen werden.

Von den städtischen Beteiligungen kann die Stadt wohl nur kleine Beträge erwarten. Bei der Messe, von der man ein Engagement in Höhe von drei Millionen Euro erwartet, soll ein Rechtsgutachten klären, ob ein Sponsoring in dieser Größenordnung der Messe als Unternehmen einen entsprechenden Nutzen bringt. "Es gibt das Risiko einer verdeckten Gewinnausschüttung", sagt Gutt mit Verweis auf einen Fall in Neuss, bei dem es um Sponsoring der Stadtwerke geht. Gleiches könnte für alle anderen städtischen Töchter gelten. "Bei uns ist bisher nicht angefragt worden", sagt IDR-Chef Denis Rauhut. Falls doch, werde man "sehr genau anschauen, wie wir uns beim Sponsoring überhaupt engagieren können". Ähnlich argumentiert Manfred Abrahams, Vorstandsmitglied der Stadtwerke: "Sponsoring ist nur dann möglich, wenn es für die Stadtwerke eine entsprechende Gegenleistung gibt."

Stadtsparkassen-Chef Arndt Hallmann hat gestern grünes Licht für finanzielle Hilfe signalisiert. "Die Stadtsparkasse Düsseldorf wird die Tour durch Sponsoring unterstützen", sagte er auf Anfrage. Allerdings sei von der Stadtverwaltung noch niemand deswegen auf ihn zugekommen. Über den konkreten Betrag wollte er nicht spekulieren. Aus dem Umfeld war die Summe von 50.000 Euro zu hören. Auch Hallmann nennt eine sinnvolle Imagewerbung für die Stadtsparkasse als Bedingung. Hauptsponsor der Tour de France 2017 ist eine französische Großbank. Die muss ihr Einverständnis erteilen, dass sich ein anderes Kreditinstitut als Sponsor beteiligt.

Quelle: RP
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