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Düsseldorf
Tour-Start: Die Welt blickt nach Düsseldorf

Tour de France - Das sagen unsere Leser zur Bewerbung
Tour de France - Das sagen unsere Leser zur Bewerbung
Düsseldorf. Rathaus-Chef Geisel, SPD und Grüne freuen sich kurz vor Weihnachten über die Zusage aus Paris. CDU und FDP bleiben skeptisch und erwarten, dass die Kosten für die Stadt mit Sponsorengeldern deutlich gesenkt werden. Von Denisa Richters

Die gute Nachricht hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können: Nach Debatten, bei denen Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) viel Kritik hatte einstecken müssen, konnte er kurz vor Weihnachten verkünden, dass Düsseldorf 2017 Ausrichter eines der wichtigsten Sportereignisse der Welt sein wird. Nur knapp sieben Wochen, nachdem der Stadtrat mit hauchdünner Mehrheit der Bewerbung um den "Grand Départ" der Tour de France zugestimmt hat, erhielt die Stadt gestern um 10 Uhr die Zusage der Tour-Organisatoren aus Paris.

"Es ist ein großer Tag für Düsseldorf", sagte Geisel, "abgekämpft, aber glücklich", wie er betonte. Es ist sein Erfolg - und der seines Beraters Peter Kluth, der die Tour-Bewerbung vorangetrieben hat. Dass die Rechnung, Düsseldorf damit über internationale Berichterstattung bekannter zu machen, aufgehen könnte, zeichnete sich gestern ab: Wenige Stunden nach der Bekanntgabe verkündeten hunderte Artikel von Medien aus ganz Europa im Internet den Zuschlag für die NRW-Landeshauptstadt. "Das ist ein Kick-Start", so Geisel, der auch positive Effekte für den Radverkehr und die Sportstadt erwartet. Ein entsprechendes Konzept soll im Frühjahr vorgelegt werden.

Tour de France kommt nach Düsseldorf

Bei aller Euphorie bleibt noch die Frage der Kosten für die Stadt. Ein Deloitte-Gutachten hatte die im Vorfeld der Ratsentscheidung über die Tour-Bewerbung mit 11,1 Millionen Euro taxiert, dem aber auch erwartete Einnahmen gegenübergestellt: 1,9 Millionen Euro aus zusätzlicher Gewerbesteuer von Gastronomie und Hotellerie, die von dem publikumsträchtigen Ereignis profitieren. Auch Einspar- und Refinanzierungseffekte in Höhe von drei Millionen Euro wurden einkalkuliert, ohne genau zu sagen, woher die kommen sollen. Informierten Kreisen zufolge sollen die Kosten für die Stadt bei den Nachverhandlungen mit den Tour-Organisatoren noch gesenkt worden sein.

Weitere Refinanzierungseffekte erhofft man sich durch Sponsoren. Potenzielle Interessenten nannte Geisel auch gestern nicht, betonte aber: "In den Vereinbarungen zwischen der Stadt und dem Tour-Veranstalter sind Regelungen vereinbart worden, die attraktive Sponsoringpakete für die örtliche Wirtschaft ermöglichen." Von städtischen Töchtern dürfte nur mit kleinen Beträgen zu rechnen sein. Ein von der Rathaus-Spitze erwartetes Sponsoring der Messe Düsseldorf in Höhe von drei Millionen Euro etwa ist unwahrscheinlich. Der Aufsichtsrat sieht massive rechtliche Probleme. Nun soll eine externe rechtliche Prüfung bis Mitte Januar Klarheit schaffen. Selbst wenn es dann grünes Licht für ein größeres Engagement der Messe geben sollte, ist offen, ob es zu einer Mehrheit im Aufsichtsrat kommt.

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Die Finanzierung des viertägigen Tour-Events war zum Hauptstreitpunkt im Stadtrat geworden. CDU, FDP und Linke hatten die Bewerbung wegen der hohen Kosten abgelehnt, die Mehrheit fiel mit 40 zu 39 Stimmen äußerst knapp aus. Vor allem die Grünen haderten damit, Rechtspopulisten als Mehrheitsbeschaffer akzeptiert zu haben, und forderten von Geisel, bei weiteren Tour-Beschlüssen für eine breitere Mehrheit zu sorgen. Entscheidungen stehen aber wohl frühestens mit dem Haushalt für 2017 an.

"Wir schauen jetzt auf die Managementfähigkeiten des Oberbürgermeisters und drücken die Daumen, dass er ausreichend Sponsoren findet", sagt Andreas Hartnigk (CDU). Er begrüße den Tour-Prolog, aber nur bei deutlich niedrigeren Kosten. "Wir warten darauf, dass Herr Geisel zehn Millionen Euro von Sponsoren zusammenbekommt", sagt FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. SPD-Fraktionschef Markus Raub ist überzeugt, dass es am Ende Sponsoren und eine breite Mehrheit im Rat gibt: "Die Bewerbung hat offenbar überzeugt." Freude auch bei Grünen-Fraktionschef Norbert Czerwinski, der aber betont: "Das ärgerliche Ergebnis bei der Ratssitzung heilt man am besten, wenn man ausreichend Sponsoren findet."

Tour de France-Entscheidung im Rat

Unter den Unterstützern der Tour sind auch deutsche Radrennprofis wie John Degenkolb, André Greipel, Marcel Kittel, Tony Martin und Ruben Zepuntke, Sohn von Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke. "In meiner Heimatstadt bei der Tour zu fahren, ist das Höchste, das ich mir vorstellen kann", sagt Zepuntke. Jubel auch bei der Botschafterin der Sportstadt, Christina Begale: "Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung Hamburgs ist Sportdeutschland mit der Ausrichtung der Tour in Düsseldorf wieder zurück auf der internationalen Bühne des Sports."

Quelle: RP
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