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Samstag in der Landeshauptstadt
Tour-Tag und Museumsnacht lockten nach Düsseldorf

Fahrrad-Tag plus Nacht der Museen in Düsseldorf
Fahrrad-Tag plus Nacht der Museen in Düsseldorf FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Der Aktionstag zur Tour de France und die anschließende Nacht der Museen zogen zehntausende Besucher an. Eindrücke von einem Frühlingstag, der ganz im Zeichen des Radsports stand. Von Verena Kensbock, Arne Lieb und Anne Orthen (Fotos)
  • Tour-de-France-Direktor Christian Prudhomme kennt die Anspannung der Athleten vor dem Start. Am Samstagvormittag gab er gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Geisel den Startschuss für ein ganz neues Rennen - das bei den Teilnehmern für besondere Aufregung sorgte: Auf der Uni-Sportanlage in Wersten startete der Kinderradwettbewerb "Petit Départ". Der Auftakt der Veranstaltungsserie war mit 100 Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren (Jahrgänge 2005 bis 2008) ausgebucht. Fünf weitere Rennen sind geplant, es werden Anmeldungen angenommen.
  • 100 Stunden hat Johannes Buchwald gebraucht, um die rund 22.000 Legosteine zu verbauen. Dabei rausgekommen ist der Eiffelturm - in einem großen Miniaturformat. Maßstabsgetreu eins zu hundert: Die Version des 54-jährigen Düsseldorfers ist 3,24 Meter groß und war bei der Auftaktveranstaltung zur Tour de France "Bonjour le Tour" vor dem Rathaus zu sehen. Die Veranstaltung stimmte 98 Tage vor dem Start der Tour de France in Düsseldorf auf das Groß-Event ein - und konnte sich auch angesichts des traumhaften Frühlingswetters über Zuspruch freuen. Neue Steine musste Johannes Buchwald für das Projekt nicht kaufen - die waren alle bereits im Haushalt vorhanden. Denn das Bauen mit den bunten Steinen hat eine lange Geschichte in der Familie. Die erste Kiste haben Johannes und Agnes Buchwald vor 25 Jahren geschenkt bekommen - zur Hochzeit. Das erste Großprojekt hat er vor zwei Jahren gestartet und den Rheinturm in ähnlichem Ausmaß nachgebaut. Mit dem Eiffelturm offenbart er jetzt auch sein Faible für das Original: "Ich bin schon zwei Mal oben gewesen - also auf dem echten Eiffelturm. Und das ist schon ein Wahnsinns-Bauwerk." Dennoch macht Johannes Buchwald mit seinen Lego-Kunstwerken, was auch Kinder tun: Er baut sie wieder auseinander. Und das sei vor allem eine lästige Arbeit: Er sortiert die Steine beim Auseinandernehmen wieder nach Größe - das dauert mehrere Tage. Dieses Schicksal wird auch den Eiffelturm ereilen, aber erst, wenn die Tour vorbei ist.
  • Rebecca Ehlen kann auch jonglieren und etwas Diabolo spielen, aber am besten kann sie Einradfahren. Die 22-jährige aus Dollendorf in der Eifel ist mit einer Gruppe von Akrobaten unterwegs. Sie gehören zur Fairplay-Radtour, einem sportlichen Jugendprojekt. Auf der Bühne vor dem Rathaus zeigen die Jungen und Mädchen, was man auf einem Rad alles anstellen kann. Rebecca Ehlen beherrscht das Einradfahren schon seit mehr als zehn Jahren. "Es dauert ungefähr ein halbes Jahr, bis man sicher fahren kann", sagt sie. Nach so vielen Jahren Übung steht für die Gruppe mit der Tour de France ein besonderer Auftritt an: Sie werden das Rahmenprogramm am Etappenziel in Luxemburg mitgestalten. "Wir sind zwar viele Zuschauer gewohnt, aber das wird schon etwas Besonderes", sagt sie. Bis dahin steht vor allem eins auf dem Plan: "Ganz viel Training."
  • Sie wissen, was es heißt, die Tour de France im Sattel durchzuhalten: Die Ex-Sieger Stephen Roche (1987) und Bernard Thévenet (Sieger 1975 und 1977) feierten in der Delegation des Tour-Veranstalters A.S.O. mit beim großen Fest vor dem Rathaus.
  • Mit gekonnten Pinselstrichen malt Johny den alten Reifen mit blauer Farbe an. Das Kunstwerk des Neunjährigen wird Teil eines noch größeren Kunstwerks sein: Ein Turm aus rund 70 alten Fahrradreifen und -schläuchen. Dafür hat Projektleiterin Mareike van Elsbergen vom Verein "Krass" gefühlt alle Fahrradläden der Stadt abgeklappert und alte Fahrradteile gesammelt. Die können die Kinder am Stand des Vereins auf dem Marktplatz nun bunt anmalen und zu einem Turm aufbauen. Lange wird der allerdings nicht überleben. "Der Verein hat keine festen Räumlichkeiten, deshalb haben wir keinen Platz für das Kunstwerk", sagt van Elsbergen. "Aber es geht um die Aktion vor Ort."
  • "Das hier ist eines der schönsten Räder", sagt Markus Halbe und hebt das schmale Rennrad an. "Das merken die meisten Leute aber nicht, weil es keine Reifen mehr hat." Das Retro-Rad aus den 90er Jahren ist eines der wenigen Stücke, die auf dem Velo-Flohmarkt nicht sofort vergriffen waren. Passend zum Tour-Auftakt hat der Veranstalter der Nacht der Museen einen Fahrrad-Flohmarkt im "PostPost" ins Leben gerufen. "Es war verrückt", sagt Organisator Markus Halbe. "Schon nach einer Stunde waren die meisten Räder vergriffen." Einen Tag vorher konnten die Verkäufer ihre Räder im früheren Postgebäude vorbeibringen, Preisvorstellungen angeben und darauf hoffen, dass jemand Gefallen an ihrem alten Zweirad findet. Santiago Pfeifer und seine Schwester Caroline zum Beispiel sind fündig geworden. Ein violettes 90er-Jahre-Modell mit weißen Reifen hat es dem Bochumer angetan. Er ist auf der Suche nach einem alten Rad, an dem er basteln und es neu aufbereiten kann. "Der Rahmen ist das Wichtigste", sagt Santiago Pfeifer. "Alle anderen Teile kann ich dazu kaufen." Wie viel das Rad kosten darf? Pfeifer zuckt mit den Schultern. "Das ist mein Hobby - dafür gebe ich so viel Geld aus wie nötig." Für das violette Rad werden es 330 Euro sein.
  • Axel Naß mag Fahrräder, die auch fahren können. Was banal klingt, ist bei den Rädern des Künstlers keine Selbstverständlichkeit. Er gibt Fahrrädern mit Trichtern einen Gegenwindantrieb, verleiht ihnen ein Gefieder, setzt ihnen einen Tierkopf auf oder bringt ihnen eben das Fahren bei. "Ich habe einen Heimtrainer befreit", sagt der Künstler und zeigt auf ein kleines Modell, das noch entfernt an ein Trainingsgerät erinnert. "Die stehen sonst immer nur in Räumen rum und kommen nie raus. Jetzt kann man mit ihm an der frischen Luft fahren." Seine Kunstwerke hat er auf der Messe Cyclingworld auf dem Areal Böhler ausgestellt. Hier zeigen mehr als 100 Aussteller alles rund um Fahrradkultur. Und dazu gehören auch Axel Naß' gefiederte Räder und befreite Heimtrainer.
So schön war die Nacht der Museen 2017 in Düsseldorf FOTO: Anne Orthen

 

  • Zuerst haben sich Martin Strzeja und seine Freunde Thomas und Anna am Rhein den Sonnenuntergang angesehen, dann im NRW-Forum die Ausstellung von Peter Lindbergh. Obwohl sie alle in Düsseldorf wohnen, sind sie zum ersten Mal bei der Nacht der Museen. "Es ist wirklich eine super Stimmung und ich finde gut, dass das Publikum so gemischt ist - von jung bis alt", sagt Anna, die auf ein Fahrrad steigt. Um die nächsten Museen auf ihrem Plan, Kunst im Tunnel (Kit) und das K1, abzuklappern, nutzen die drei das Angebot "Free Bikes" des Kollektivs "Denken 3000". Die Gruppe um den Gestalter Dominique Lucien Garaudel hat fast 50 Fahrräder aufgetrieben, die sich Gäste kostenlos ausleihen können. Sie stammen aus Spenden: Jeder, der ein Rad übrig hatte, hat dafür freien Eintritt ins NRW-Forum bekommen. So sind rund 50 Räder zusammengekommen, von denen sich Martin Strejza und seine Freunde nun drei Stück ausleihen. "Wir haben zufällig davon erfahren und das ist perfekt für unsere Runde", sagt der 32-Jährige. "Wir werden die Räder auch auf jeden Fall am Kit wieder abgeben." Dort, am Freien Forum Theater und an der Kunsthalle stehen Freiwillige, die die Räder annehmen. Darauf kann sich das Kollektiv nicht verlassen: Die Fahrräder haben keine Schlösser. "Wir vertrauen auf die Menschen", sagt Dominique Lucien Garaudel. So sollen die Fahrräder dauerhaft als Transportmittel zwischen den Museen dienen.
  • Wenige Meter weiter ist die Nacht der Museen schon in eine Party übergegangen. Unter freiem Himmel legt ein DJ auf, in den Kühlschränken gibt es Bier und Wein, die Leute tanzen im offenen Teil des NRW-Forums zu elektronischer Musik. Wer es etwas ruhiger mag, lauscht in der Basilika St. Lambertus dem Jazz des Duo Lambertus. Und auch das Tour-de-France-Thema findet sich in der Nacht wieder: Große Gebäude in der Altstadt wie das Hetjens-Museum und das Maxhaus erstrahlen in der Trikolore.
  • Viel Geduld brauchten die Besucher der Museen um den Grabbeplatz. Die Schlange vor der Kunstsammlung NRW mit der Ausstellung von Otto Dix reicht bis auf die Straße. Annika Ziemke steht ganz vorne in der Schlange im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, um sich die Werke der Neuseeländerin Alicia Frankovich anzusehen. Die Künstlerin hat einen Ausstellungsparcours entwickelt, der in einem separaten Raum installiert ist. Nur wenn Besucher den Raum verlassen, dürfen neue rein. "Wir warten seit einer halben Stunde", sagt Ziemke. "Aber meist lohnt sich das Warten bei der Nacht der Museen, weil es immer besondere Sachen zu sehen gibt." Das dachten sich auch die Besucher, die den besonderen Ausblick aus dem 21. Stockwerk des Mannesmann-Hochhauses erleben wollten. Auch hier galt: Vor dem besonderen Vergnügen stand das Einreihen in eine imposante Warteschlange.

Lesen Sie hier: Sieben Entdeckungen bei der Nacht der Museen in Düsseldorf

Quelle: RP
 
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