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Düsseldorf-Süd
Trainer-Rausschmiss bei den Judoka

Düsseldorf-Süd: Trainer-Rausschmiss bei den Judoka
Der erfolgreiche Judo-Nachwuchs mit seinen gefeuerten Trainern Benedikt Koch (r. außen) und Karsten Volkmer (daneben). FOTO: Judofreunde 73
Düsseldorf-Süd. Der Vorstand der Judofreunde 73 hat engagierten Jugend-Trainern ohne Angabe von Gründen gekündigt. Eine Mutter zweier junger Judoka hat eine Unterschriftenaktion gestartet, damit die Kinder wieder trainieren können. Von Birgit Wanninger

Nathalie Sebetzky ist fassungslos. Sie kann nicht verstehen, dass die beiden Judo-Trainer Benedikt Koch und Karsten Volkmer, die ihre Kinder erfolgreich unterrichten, ihre Arbeit nicht weiterführen dürfen. Der Vorstand des Vereins Judofreunde 73 hat den beiden Judoka zum 31. März ohne Angabe von Gründen gekündigt.

"Wir möchten, dass die Trainer weiterhin in Benrath als Trainer arbeiten und uns, beziehungsweise unseren Kindern den Judo-Sport näher bringen", sagt Sebetzky. Sie hat inzwischen eine Petition verfasst, die schon mehr als 50 betroffene Eltern unterschrieben haben. Diese Petition möchte sie demnächst an den Stadtsportbund schicken.

Beide Judo-Trainer bestätigen, Anfang März per Einschreiben-Rückschein einen Brief des Vorstandes erhalten zu haben, in dem steht, dass sie zum 31. März nicht mehr als Trainer arbeiten sollten. "Warum, das ist mir schleierhaft", sagt Benedikt Koch. Dem 54-Jährigen wurde darüber hinaus sogar die Mitgliedschaft gekündigt. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich bin nicht rebellisch. Ich habe nur Spaß daran, mit den Kindern und Jugendlichen auf der Matte zu arbeiten", sagt der 54-Jährige.

"Ich wüsste gern etwas über die Hintergründe", sagt Koch und ergänzt, nicht nur ihm und Karsten Volkmer sei gekündigt worden, sondern auch Helmut Neubauer. Alle Drei erfahrene Judoka. Neubauer beispielsweise arbeitet seit mehr als 50 Jahren im Jugendbereich. Vor einem Jahr hat er in Oberbilk an der Eller Straße mit vier Jugendlichen angefangen. "Jetzt sind es 16 Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren", sagt der 74-Jährige stolz. "Das ist eine Vervierfachung". Seit 1959 ist er im Judosport aktiv, aber offenbar gefiel dem Vorstand sein Stil nicht, mutmaßt er den Grund seiner Kündigung. Er sei vielleicht zu selbständig vorgegangen.

Von mangelnder Unterordnung, fehlender Zusammenarbeit mit dem Vorstand und Cliquenbildung ist seitens der Vereinsspitze die Rede, wenn es um die Kündigungen geht - sogar von einem Vereinchen im Verein.

Die Vorsitzende Dagmar Fronhold ist der Überzeugung, dass "eine Clique versucht, den Verein kaputt zumachen". Über die Petition im Internet ist sie "total entsetzt" und schließt juristische Schritte nicht aus. "Das ist strafrechtlich relevant", meint sie.

Die engagierte Mutter Nathalie Sebetzky schreibt zu ihrer Unterschriftenaktion im Internet: "Die beiden Trainer zeichnen sich durch ein überdurchschnittlich hohes persönliches Engagement aus." Mehr noch: Der Stadtsportbund ehrte Benedikt Koch im Mai vergangenen Jahres mit dem Preis "Verdiente Jugendwarte 2015".

"Ich hätte gern mehr über die Gründe erfahren", sagt Koch. Vorsitzende Dagmar Fronhold erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, es stimme nicht, dass sie keine Angaben zur Kündigung gemacht habe: Der Grund: "Unregelmäßigkeiten im Zahlungsverkehr" sagt sie. Karsten Volkmer widerspricht: "Im Kündigungsschreiben steht davon nichts." Und was die Vertragsauflösung von Helmut Neubauer betrifft, sagt Fronhold: "Das hat andere Gründe." Nathalie Sebetzky ist davon überzeugt, dass die Kündigungen mit dem traditionellen Heidepokal-Turnier im Mai zu tun haben. "Da gab es ein Minus von rund 300 Euro. Die hat Benedikt Koch aus eigener Tasche bezahlt", sagt sie. Koch bestätigt dies, möchte es aber nicht an die große Glocke gehängt haben. Die Vereinsvorsitzende bemängelt diese Fahrt - "offenbar, weil sie nicht mit dem Vorstand abgesprochen war", spekuliert Koch.

"Die Entlassung ist immer noch unfassbar für alle Beteiligten" schreibt Sebetzky zu ihrer Unterschriftenaktion und: "Das über mehrere Jahre aufgebaute Jugendteam droht auseinanderzubrechen." Die Trainer überlegen, zu anderen Vereinen zu gehen. Wenn es nach ihnen ginge, könnten in Benrath und Oberbilk die Trainingszeiten und Übungsorte bleiben.

Quelle: RP
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