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Trauerfeier in Düsseldorf
Die Toten Hosen tragen Wölli zu Grabe

Bilder: Wöllis Grab auf dem Düsseldorfer Südfriedhof
Bilder: Wöllis Grab auf dem Düsseldorfer Südfriedhof FOTO: Endermann
Düsseldorf. In einer bewegenden Trauerfeier haben sich Familie und Freunde vom Ex-Toten-Hosen-Drummer Wolfgang "Wölli" Rohde verabschiedet. 700 Trauergäste kamen zum Südfriedhof in Düsseldorf. Campino hielt die Trauerrede. Von Sebastian Peters

Es war eine letzte Feier, wie sich Wölli diese wohl gewünscht hätte: Es wurde gesungen, gescherzt, erzählt, gelacht, und natürlich auch geweint. Mit 66 Jahren ist Rohde am 25. April in Meerbusch verstorben. Am Samstagvormittag trugen ihn die ehemaligen Bandmitglieder, die Toten Hosen, auf seinem letzten Weg von der Kapelle zum Gemeinschaftsgrab der Band auf dem Düsseldorfer Südfriedhof. Hunderte Wegbegleiter, neben der Familie und der Bandfamilie auch Prominente wie Ärzte-Schlagzeuger Bela B und der Meerbuscher Autor Jan Weiler, dazu viele Düsseldorfer und Meerbuscher, erwiesen Wolfgang Rohde die letzte Ehre.

Kein Pfarrer, Wegbegleiter hielten Reden

Die Trauerfeier wurde in einer christlichen Kapelle abgehalten, Wölli liegt in einem Grab auf einem christlichen Friedhof. Es gab aber keine Worte eines Pfarrers. Stattdessen erzählten Wegbegleiter vom Leben des dreifachen Familienvaters. Und natürlich wurden Lieder gespielt: Zum Einzug lief über Band das Lied "Philadelphia" von Neil Young, dann erinnerte Ex-Frau Dani an Wolfgang Rohdes letzte Wochen, an all die Kraft, die er ihnen gegeben habe. Wöllis drei Kinder, Alex, Nana und Joey sangen für ihren Vater das Lied "Kein Grund zur Traurigkeit". Sie kämpften immer wieder mit den Tränen, sangen das Lied aber zu Ende. Die Trauergemeinde, sichtlich berührt von dem ergreifenden Vortrag, applaudierte spontan.

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Die Toten-Hosen-Musiker Kuddel und Andi spielten danach ein Instrumental, ehe Hosen-Sänger Campino das Wort ergriff. Es war Campino, der Wölli 1986 in die Band holte. Rohde war damals mit Campinos Schwester Beate befreundet – die Hosen suchten einen Drummer. Es fand zusammen, was zusammen gehört.

Campino hält bewegende Trauerrede

Campino erinnerte in einer bewegenden, in weiten Stücken frei vorgetragenen Rede an seinen Ex-Drummer. Er eröffnete, indem er eine Flasche Kirschwasser öffnete und einen Schluck daraus trank – in Erinnerung an Rohdes Spitznamen "Kirschwasserkönig" oder "Cherrywaterking". "Er war immer ein Freund und eine ganz ganz gerade Person." Dann erzählte Campino Anekdoten.

Etwa die, wie Wölli im Berliner Kaufhaus KDW, vor einen Tresen urinierte, weil man ihn dort rauswerfen wollte. Oder die, wie sich Wölli nach der Chemotherapie vor einem Jahr in Meerbusch auf die Straße begab, um gegen eine NPD-Demo zu protestieren. Dabei kam es zu Reibereien, die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren gegen Wölli wegen Beamtenbeleidigung. Dieses Verfahren, so teilte Campino mit, sei vor drei Tagen eingestellt worden, wie die Staatsanwaltschaft schriftlich mitgeteilt habe. Wieder lautes Gelächter in der Kapelle. So wechselten Trauer und Freude über ein aufrecht gelebtes Leben ab.

Erinnerungen an Wolfgang "Wölli" Rohde FOTO: Gabowicz

Campino schloss mit einigen Versen, die er für Wölli aufgeschrieben hatte und die er vom Zettel ablas. "Wenn du in einer Zeit erwachsen wirst, in der du dagegen sein darfst, auch wenn es etwas kostet, wenn es dir nichts ausmacht, in einer kalten Neuköllner Wohnung mit Außenklo zu hausen, weil du es dir dann leisten kannst, in einem noch kälteren Übungsraum endlos lange laute schräge Musik zu machen, dann brauchst du Träume und Freunde, die genauso drauf sind wie du; und wenn dann deine Träume irgendwann mal wahr werden und du dir alles rausnehmen und leisten kannst, dann musst du Freund sein können, ein Kumpel, ein Vertrauter, ein Begleiter, bei dem Versuch, es anders zu leben, und ein väterlicher Freund für die, die danach kommen. Wölli, all das warst du." Dann hob Campino ein letztes Mal die Kirschwasserflasche: "Prost, Leute."

Die Toten Hosen tragen Wöllis Sarg

Den Trauerzug führten die Hosen an, die den Sarg trugen. Dahinter liefen Kinder und die Ex-Partnerinnen, eine hunderte Meter lange Menschenschlange bildete sich auf dem Friedhof. Am mit vielen Kränzen geschmückten Grab verweilte die Trauergemeinde, ehe es weiter ging ins Dr. Thompson's an der Erkrather Straße, wo Wölli gerne verkehrte. Dort feierten die Trauergäste den Verstorbenen. Und die Flasche mit Kirschwasser, so versprach Campino, werde auch kreisen.

 

 

 

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