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Mein Düsseldorf
Traum vom günstigen Wohnen

Düsseldorf. Zweimal im Monat sind wir ein paar Tage in Hessen, nahe Marburg. Neulich fragte uns ein dort lebender Freund, wo er denn für seinen in Düsseldorf studierenden Sohn eine Wohnung finden könne. Sehr gern zwei Zimmer, 50 qm, maximal 650 Euro warm, wenn möglich Carlstadt. Da war es schwer, ihn nicht auszulachen.

Unser Tipp: "Setz eine 1 vor den Preis, und dann fang an zu suchen!" Ungläubiges Staunen, denn in seiner Region schauen die Menschen zwar ebenfalls besorgt auf die Grundstückspreise - weil die noch vor wenigen Jahren unvorstellbare Grenze von 100 Euro pro Quadratmeter erreicht werden könnte. Welche volkswirtschaftlichen Folgen die nach wie vor steigenden Preise in Düsseldorf haben werden, scheint vielen Politikern jedoch immer noch nicht klar zu sein. Oder vermutlich ahnen einige, was kommen wird, gucken aber auf den nächsten Wahltermin oder versenken ein paar Millionen Euro in törichte Sportevents, wohl wissend, dass das Wohnproblem erst in einigen Jahren wirklich akut sein wird. Oder auch nicht - et hätt noch immer jot jejange, sagt der Rheinländer. Oder er hofft darauf, dass der Markt es richten wird. Das tut er längst.

Neulich brachte die RP die Nachricht, viele Einzelhändler - vor allem Bäckereien und Metzgereien - hätten Probleme, Personal zu finden. Unter anderem, weil Kandidaten die Anreise zu aufwändig ist. Wer mal auf Sylt war und nicht nur in der Sansibar nach Promis schielte, kennt das. Denn dort kann man erkennen, wohin es führt, wenn das eigene Heim zum Luxus wird: Service-Personal, Verkäuferinnen wohnen kaum noch auf der Insel, sondern müssen per Zug vom Festland pendeln. Ein großes Hotel bei List hat eigene Unterkünfte gebaut. Auch in Düsseldorf geht der Trend klar in diese Richtung. Dass man bei Neubauplänen die amtliche Auflage macht, preiswerten Wohnraum zu ermöglichen, ist bisher nur ein theoretischer Ansatz geblieben. Wirklich funktionieren tut es nicht. Weil die Baukosten viel zu hoch sind, und das vor allem aufgrund der Grundstückspreise. Solche Probleme von oben zu lösen ist schwer, aber nicht unmöglich. Man müsste es nur kreativ angehen, sozusagen zur Chef-Sache machen. In einigen Straßenzügen in Rath und Lörick sieht man nachahmenswerte Ansätze: auf zwei oder dreistöckige Mehrfamilienhäuser wurde ein weiteres Stockwerk gesetzt, jeweils entstanden Dutzende neue Wohnungen. Eine mit großem Tamtam präsentierte Idee, Innenhöfe auf Wohnkapazität zu prüfen, scheint dagegen nicht den erwünschten Erfolg zu haben - man hört nichts mehr davon.

An mangelndem Baugrund jedenfalls liegt es nicht. Die Stadt hat noch riesige Flächen, aus denen Bauland gemacht werden könnte. Aber sie hat keinen Zugriff, weil die Eigentümer das Land lieber brach liegen lassen, als es zu verkaufen - kein Wunder bei zweistelligen Wertzuwächsen im Jahr. Soviel Zinsen gibt es sonst nirgends. Was nach wie vor entsteht, ist Luxus-Wohnraum - obwohl daran kein Mangel besteht. Was komische Blüten treibt: Die mit enormen Aufwand hochgezogenen Projekte im feinen weißen Stil stehen nur scheinbar leer: einige dieser Wohnungen wurden von ausländischen Investoren gekauft und sind oft nur ein- oder zweimal im Jahr bewohnt.

Quelle: RP
 
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