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Düsseldorf
Trivago: Informatiker nur von außen

Düsseldorf. Erfolgreiches Vergleichsportal macht in Düsseldorf nicht nur gute Erfahrungen Von Uwe-Jens Ruhnau

Wenn in der Landeshauptstadt Wirtschaftsexperten über den Standort Düsseldorf diskutieren, sind viele Schulterklopfer garantiert. Das war jetzt auch beim ersten Zukunftsdialog der CDU-Ratsfraktion so. Mit Blick auf die Lebensqualität und das kulturelle Angebot ist das positive Bild unbestritten berechtigt. Dass im Unternehmensalltag aber viele Hemmnisse das Leben schwer machen können, zeigten die Beiträge von Malte Siewert, der vor zehn Jahren Trivago, das internationale Vergleichsportal für Hotelpreise, mitgegründet hat.

Das Unternehmen wächst rasant, dieses Jahr wurden 300 neue Mitarbeiter eingestellt, 800 sind es jetzt. Im Medienhafen entsteht bald eine neue Unternehmenszentrale für bis zu 2000 Mitarbeiter - ein Weltmarktführer der "New Economy" sitzt also in Düsseldorf. Der Witz ist: Das ist reiner Zufall. "Wir waren halt hier", sagte Siewert. Man begann in einer Garage (!) und zog dann zur Ronsdorfer Straße. Die Firma habe sich auch so gut entwickelt, weil die Stadt nicht eine solch lebendige Digitalszene habe, andererseits aber in der Region viele junge Menschen lebten, auch mit internationalem Hintergrund. Man sei nicht abgelenkt worden und habe sich mit den Mitarbeitern auf die angestrebten Ziele konzentrieren können.

Verwundert rieb sich mancher im Saal die Augen, als der Geschäftsführer berichtete, unter den vielen technischen Mitarbeitern seien sehr viele Absolventen der RWTH Aachen oder der Hochschule in Maastricht. Wie viele Informatiker, die ihren Abschluss an der Heinrich-Heine-Universität gemacht haben, arbeiten bei Trivago? "Null", lautete die lapidare Antwort. Die Absolventen passten nicht zu den Bedürfnissen des Unternehmens, und offensichtlich handelt es sich dabei um übliche Programmiersprachen und Systeme, die zu beherrschen sind. "Handwerk" nannte das Siewert. Irgendwie passte dazu die Erfahrung, dass zwar viele Schulklassen aus Aachen und Maastricht die Trivago-Truppe besucht haben - aus Düsseldorf nicht eine.

Probleme mit Behörden und Bundesregelungen runden das Bild. In Düsseldorf sei es sehr viel schwerer als beispielsweise in Leipzig, eine Arbeitserlaubnis für Mitarbeiter aus dem nicht-europäischen Ausland zu erhalten. Und: Märkte wie Afrika würden nicht bearbeitet, da zum Schutz des europäischen Arbeitsmarktes irreale Löhne vorgeschrieben würden.

Quelle: RP
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