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Breitbart.com berichtet über Messebrand
Trumps Freunde blicken nach Düsseldorf

Breitbart.com berichtet über Messebrand: Trumps Freunde blicken nach Düsseldorf
Das Nachrichten-Portal Breitbart blickt neuerdings auch verstärkt nach Düsseldorf und berichtet unter anderem über den Brand an der Messe. FOTO: Screenshot
Düsseldorf. Das Online-Portal Breitbart berichtet erneut über den Brand im Flüchtlingsheim an der Düsseldorfer Messe. Die Seite gilt als Sprachrohr der Rechten in den USA - zeigt aber zunehmend auch Interesse am Geschehen in Deutschland. Von Arne Lieb

Der Brand im Flüchtlingsheim an der Messe verschafft Düsseldorf noch einmal einen internationalen Auftritt. Schon mehr als 14.000 Mal wurde bei Facebook ein am Montag veröffentlichter, englischsprachiger Artikel geteilt, der über das Feuer vom 7. Juni berichtet - und über die mutmaßliche Motivation der Täter. Die Überschrift lautet: "Migranten brennen Halle ab. ,Es gibt nicht genug Nutella und Gummibärchen.'"

Die Autorin Virginia Hale ist offenbar durch Berichte über die gerade erhobene Anklage gegen die beiden Verdächtigen auf das Thema aufmerksam geworden. Sie bezieht sich vor allem auf zwei Artikel der "Bild"-Zeitung. Bemerkenswert ist aber vor allem die Seite, auf der man ihren Text findet - und die bislang nicht in Zusammenhang mit Düsseldorf aufgefallen ist: das US-Portal Breitbart. Das erlangte internationale Aufmerksamkeit als Sprachrohr der neuen rechten Bewegung in den USA und als lauter Unterstützer von Donald Trump. Ex-Breitbart-Chef Stephen Bannon war dessen wichtigster Berater, jetzt ist er "Chefstratege" des Präsidenten.

Die Nachricht ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich Breitbart verstärkt für Europa interessiert. Sie stammt vom 2013 gegründeten Büro in London. Es ist nicht das erste Mal, dass Düsseldorf dort eine Rolle spielt, auch wenn sich der aktuelle Artikel besonders gut verbreitet. Die Auswahl der Themen nährt jedoch den Verdacht, dass sich die Macher nur sehr punktuell für das hiesige Geschehen interessieren.

Fotos: Flüchtlingsheim in Düsseldorf in Flammen FOTO: Patrick Schüller

Breitbart hat sich vor allem Berichte herausgepickt, die zur politischen Stoßrichtung passen, also Probleme mit Einwanderern schildern oder als Hinweise für eine kulturelle Unterwanderung dienen können. Dazu gehört zum Beispiel die Gründung einer "Bürgerwehr" kurz nach den Vorfällen zu Silvester oder die Nachricht von der angeblichen Zunahme von sexueller Belästigung in Bädern. Sogar ein Artikel unserer Redaktion darüber, dass manche Schulen statt St. Martin ein "Lichterfest" ausrichten, hat demnach Interesse in London erregt.

Der Aufsehen erregende Brand ist allerdings das populärste Düsseldorfer Thema auch auf anderen fragwürdigen Internet-Seiten - wozu natürlich auch das angebliche, so profane Motiv beiträgt. Aber stimmt überhaupt die Geschichte von den undankbaren Flüchtlingen, die nur für etwas fehlenden Süßkram zu Brandstiftern werden?

Dass es wochenlangen Streit in der Einrichtung gab und es dabei unter anderem um die Verpflegung ging, scheint klar. Bei Breitbart heißt es, Flüchtlinge hätten gerufen, dass es "nicht genug Nutella, Gummibärchen und Schokolade" gebe. Die Seite führt als Quelle eine frühere Äußerung von DRK-Chef Olaf Lehne an. Der sagt aber auf Anfrage: "Das habe ich nie behauptet" und vermutet "stille Post" als Urheber. Auch in der Anklageschrift ist von Süßigkeiten keine Rede, wie es von der Staatsanwaltschaft heißt. Die beiden Verdächtigen streiten die Tat ab. Die Vermutung liegt nahe, dass die griffige und weltweit verbreitete Darstellung die Vorgeschichte der Tat zumindest stark verkürzt.

Die Breitbart-Zielgruppe stört das nicht: Unter dem Artikel finden sich bereits mehr als 1600 Kommentare, darunter Gewaltaufrufe und Hasstiraden. Der erste Kommentar lautet: "Zeit, die Gummigeschosse durch Blei zu ersetzen."

Quelle: RP
 
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