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Düsseldorf
Turnhallen vorbereitet für Flüchtlinge

Düsseldorf: Turnhallen vorbereitet für Flüchtlinge
Volkmar Schultz-Igast, beim DRK Abteilungsleiter für Flüchtlingsunterkünfte, vor den Pavillons in der Schulturnhalle des Leo-Statz-Berufskollegs FOTO: H.-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Der Stadt werden vom Land mehr Asylbewerber zugewiesen als erwartet. Um Raum für Unterkünfte zu schaffen, stellt das Rathaus auch Schulturnhallen zur Verfügung. Das Deutsche Rote Kreuz richtet Räume in Unterbilk und Unterrath ein. Von Denisa Richters

Die Zahl der Flüchtlinge, die aus Kriegs- und Armutsgebieten nach Deutschland strömen, ist groß. Auch für Düsseldorf ist es eine strategische Herausforderung, die von der Bezirksregierung zugewiesenen Menschen unterzubringen. Deshalb werden jetzt weitere Turnhallen dafür vorbereitet. Gestern hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Düsseldorf im Auftrag der Stadt in den Sporthallen des Leo-Statz-Berufskollegs (Unterbilk) und der ehemaligen Schule an der Kalkumer Straße (Unterrath) Pavillons und Betten aufgestellt, in den nächsten Tagen kommen die Turnhalle der Carl-Sonnenschein-Schule an der Gerresheimer Landstraße in Unterbach sowie die zweite Turnhalle der Fritz-Henkel-Schule an der Stettiner Straße in Garath hinzu. Insgesamt dienen dann sieben Hallen der Flüchtlingsunterbringung, drei wurden ohnehin nicht mehr für Schulsport genutzt.

In Zahlen: Flüchtlinge pro Stadt FOTO: RP

"Die Zuweisungspraxis ist für uns immer weniger kalkulierbar", sagt Peter Lorch, Leiter der zuständigen Abteilung im Rathaus. Zwar habe man aktuell Wohnungen an der Sylt- und der Juiststraße in Unterrath, an der Hansallee in Oberkassel und ein leerstehendes Bürogebäude am Vogelsanger Weg in Mörsenbroich anmieten können, das reiche aber nicht aus. Damit können laut Rachid Jaghou vom Amt für Gebäudemanagement 250 Plätze geschaffen werden, benötigt werden jedoch weit mehr. Die nächsten Container-Anlagen werden erst in einigen Wochen stehen (siehe Info-Kasten).

Rund 3500 Flüchtlinge sind es laut Lorch derzeit in Düsseldorf, davon sind 900 in Hotels, 200 in den Containern an der Benrodestraße und 1900 in Sammelunterkünften untergebracht, der Rest in Provisorien. Mit 5000 Flüchtlingen rechnet die Stadt bis Jahresende, sagt Lorch. Um Reserven zu haben und handlungsfähig zu bleiben, müsse man nun auf weitere Schulturnhallen zurückgreifen. Das sei für die Flüchtlinge zwar keine optimale Lösung, "aber wir versuchen, mit abgetrennten Pavillons zumindest ein wenig Privatsphäre zu schaffen".

Fotos: So leben die Menschen in der Flüchtlingsunterkunft FOTO: dpa, a htf tba

Volkmar Schultz-Igast, Abteilungsleiter Flüchtlingsunterkünfte beim DRK Düsseldorf, und seine Kollegen tragen Matratzen in die Turnhalle des Leo-Statz-Berufskollegs. Der Boden ist neu verlegt, zehn Pavillons stehen zwischen Sprossenwänden und Ringen, eine Essensausgabestelle folgt. Insgesamt 50 Plätze entstehen hier innerhalb einiger Stunden - ausschließlich für alleinreisende Männer. In Kalkum werden Flüchtlingsfamilien untergebracht. In Unterbilk wird das DRK tagsüber mit zwei Helfern und einem Sozialarbeiter vertreten sein, nachts ist ein Helfer vor Ort. Die Flüchtlinge werden durch das deutsche Gesundheitssystem begleitet, bei Bedarf inklusive Traumatherapie. "Wir nennen das Laufenlernen in Deutschland", sagt Schultz-Igast.

Vorteil dieses Standorts: Die Turnhalle hat einen separaten Eingang zur Straße, kommt als Flüchtlingsbleibe dem Schulbetrieb auch nach Ende der Ferien nicht in die Quere. Dass das Provisorium auch dann gebraucht wird, ist laut Lorch wahrscheinlich. Mit dem Stadtsportbund werden deshalb Alternativ-Standorte für Schulsport und Sportvereine gesucht. Die Schulleitung sieht die Aktion als "relativ kurzfristig" an, offiziell äußern will man sich nicht. "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" steht am Schwarzen Brett. Auf Integrationsarbeit ist man hier stolz.

Düsseldorf: Aktivisten stellen Kreuze für Flüchtlinge auf FOTO: Kai Jürgens
Quelle: RP
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