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Düsseldorf
Uerige-Fassade wird interaktives Kino

Düsseldorf: Uerige-Fassade wird interaktives Kino
Michael Schnitzler, Christian Geiger und Lukas Loss (v.l.) zeigen die Funktionen des Steuerpults. FOTO: Schaller
Düsseldorf. Knapp einen Monat lang können Gäste des Uerige an einem Steuerpult auf der Straße eine Bilderschau übers Brauen des leckeren Dröpke steuern. Das Medienprojekt in Düsseldorf gilt als innovativ und bekommt Zuschüsse vom Land. Von Michael Brockerhoff

Beim Uerige kann jeder Gast zu einem Braumeister werden, kann die einzelnen Schritte bei der Herstellung des leckeren Dröpke Alt selbst steuern und auf den Fenstern des Brauhauses Stickum verfolgen. Da sieht er beispielsweise, wie die Gerste angeliefert wird für die Maische, sieht die Flammen unter dem Baukessel lodern, sieht das Filtern und die Gärung. "Public Brewing" nennt Uerige-Baas Michael Schnitzler die mediale Schau, die er für die Fassade des Stickum hat entwickeln lassen und die ab Anfang Juni in den Sommernächten mit Einbruch der Dämmerung zu sehen ist.

Die Idee hatte Lukas Loss, der schon an der Produktion eines Films zum 150-jährigen Bestehen des Uerige maßgeblich beteiligt war. Er wollte Bilder mit unterhaltsam gestalteten Informationen über das Brauen nicht nur auf Bildschirmen zeigen, sondern mit ihnen ein ganzes Haus lebendig werden lassen und sie in die Umgebung des Brauerei-Ausschanks einbetten. Um das Interesse der Zuschauer zu erhöhen, sollen sie selbst in die Schau eingreifen können. Diese interaktive Medienwand, die Loss im Rahmen seiner Masterarbeit in den Fachbereichen Design und Medien der Fachhochschule (FH) Düsseldorf entwickelt hat, ist in der Medienproduktion einzigartig und wurde deshalb auch aus dem Förderprogramm der Innovationsallianz NRW bezuschusst.

Kernstück der medialen Schau ist ein etwa drei Meter breites Schaltpult, das auf der Rheinstraße vor dem Stickum platziert ist. Es hat mehrere Schalter, Röhren, einen Wasserhahn und eine Pumpe sowie ein kleines Schaufenster. Mit dem Einwurf einer Zwei-Euro-Münze beginnt die Vorführung, werden die Fenster des Hauses zu Bildschirmen, die das Geschehen in den Räumen dahinter zeigen.

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Station für Station wird der Brauvorgang gezeigt, nach jeder Station muss der Zuschauer am Pult ein Zeichen geben, damit die Produktion im Bild weiterlaufen kann. "Dafür ist nicht bloß ein Knopfdruck wie bei einem Computerspiel nötig, sondern wenn Wasser benötigt wird, muss am Pult ein Wasserhahn aufgedreht werden, oder wenn beim Brauvorgang Pumpen nötig ist, muss eine kleine Pumpe betätigt werden", erklärt Loss das Prinzip der Interaktion.

Eine mediale Interaktion in dieser Form gab es bisher nicht und ist eine innovative Leistung, die Loss mit seiner Masterarbeit erbringt, erklärt Christian Geiger. Der Professor im Fachbereich Design der FH betreut die Masterarbeit und ist froh, "dass Unternehmen wie der Uerige durch solche Projekte die wissenschaftliche Arbeit unterstützen". Es sei wichtig, dass Ideen ihren Praxistest bestünden. Aber auch die wissenschaftliche Diskussion werde gefördert. "Die Fachwelt ist interessiert daran, wie Medienpräsentation weiter entwickelt werden und interessanter für den Zuschauer gestaltet werden kann", erklärt Geiger. Das Projekt werde sicherlich auf Fachtagungen diskutiert.

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Diese unterhaltsame Information hat auch Schnitzler überzeugt: "Der Gast kann nicht nur das Alt genießen, sondern spielerisch die Arbeitsschritte in einer Brauerei kennenlernen und erfahren, wie viel Mühe in der Produktion steckt." Dazu gehört übrigens auch das Abfüllen der Uerige-Flaschen mit dem Lecker Dröpke und der Transport der Flaschen zum Verladen.

Und da springt die Medienschau in die Realität. Denn am Ende wird in dem Kasten des Steuerpults auf der Straße eine Flasche Uerige auf einem Transportband in ein Auswurffach befördert. Sie ist der Lohn für das aktive Spiel und ist natürlich etwas Besonderes: Auf dem Etikett steht Public Brewing als Erinnerung an das Fassaden-Kino in der Altstadt.

Quelle: RP
 
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