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Düsseldorf
Ulmer Höh: Abriss bis Jahresende

Düsseldorf: Ulmer Höh: Abriss bis Jahresende
So plant die Baugruppe mit der Kapelle: zwei Wohnetagen, im Erdgeschoss mit Gärten. Die alte Verbindung zum Zellentrakt soll als Treppenhaus bleiben (vorn).
Düsseldorf. Die Kosten für die Brandsanierung der Kapelle könnten ein geplantes Wohnprojekt zu Fall bringen. Die Macher wollen Denkmalschutz. Von Stefani Geilhausen und Sonja Schmitz

Mehr als vier Jahre nach dem Umzug der Justizvollzugsanstalt bereitet der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb BLB nun die Ausschreibung für den Abriss der Zellen- und Nebengebäude vor. Der Verkauf des Areals werde zudem vorbereitet, erklärte ein BLB-Sprecher: "Wir geben das jetzt an den Markt." Auch die Begutachtung der vor zwei Wochen teils ausgebrannten Kapelle dauert:

Bis Freitag lag noch kein Ergebnis vor. Vor zwei Wochen hatten Unbekannte dort Feuer gelegt, der Dachstuhl ist seither einsturzgefährdet. Ob das mehr als 100 Jahre alte Mauerwerk Feuer und Löschwasser standgehalten hat, soll der Gutachter feststellen. Käme er zu dem Schluss, die alte Knastkirche sei nicht zu retten, will die "Baugruppe Leben-Kunst-Ulmer Höh" ein eigenes Gutachten in Auftrag geben. "Das nehmen wir auf keinen Fall so hin", sagt Mitinitiator Horst Wackerbarth.

Unter dem jetzt ausgebrannten Dachstuhl stellt sich die Gruppe einen öffentlichen Kulturraum für Ausstellungen und Veranstaltungen vor, wie es ihn in Derendorf bislang nicht gibt. FOTO: Leben-Kunst-Ulmer Höh

Während alle anderen Gebäude auf dem Areal abgerissen und von einem Investor Wohnungen gebaut werden sollen, war der Erhalt der Kapelle beschlossene Sache - unter der Auflage, dort ein kreatives Wohnprojekt zu installieren. Das Konzept der Baugruppe um Wackerbarth hat bereits breite Unterstützung: Wohnen für mehrere Generationen, Sozialwohnungen und ein öffentlicher Kulturraum sollen in der alten Kirche entstehen, die die Gruppe seit Jahren vom BLB erwerben will. Ob neben dem Um- und Ausbau der Kapelle ihre Mittel noch für die Sanierung der Brandschäden reicht, kann die Baugruppe erst sagen, wenn sie sich von den Schäden ein Bild gemacht hat. Auch deshalb ist ein eigener Gutachter nötig, er durfte aber bislang noch nicht in die Kapelle hinein.

Sollten die Kosten die Gruppe aus dem Rennen werfen, will sie sich dennoch weiter um den Erhalt der Kapelle bemühen. "Sie ist ein bedeutsames Stück unserer Stadtgeschichte", sagt Wackerbarth, der sich auch vorstellen kann, Denkmalschutz für die Gefängniskirche zu beantragen - denn bislang ist sie, entgegen weit verbreiteter Informationen, nicht geschützt. "Wenn der Denkmalschutz unsere Baupläne beschränken würde, wäre das auch egal", sagt Wackerbarth, "Hauptsache, die Kapelle wird gerettet".

Feuer auf der Ulmer Höh' in Düsseldorf FOTO: Anne Orthen

Seit etwa zwei Jahren wurden Kapelle und die übrigen Gefängnisgebäude regelmäßig von allerhand heimlichen Besuchern verwüstet. Erst waren verwertbare Bauteile gestohlen, dann die Wände besprüht und die Fenster zerschlagen worden. Selbst die große Kirchenorgel hatten Randalierer von der Empore gestoßen. Schon vor dem Dachstuhlbrand der Kirche hatte es mehrfach Feuer im Gelände gegeben. Gleichwohl beharrte der BLB noch vergangene Woche darauf, das leerstehende und nicht versicherte Areal ausreichend gegen Eindringlinge geschützt zu haben.

Die Verzögerung beim Verkauf sei "Gesprächen und Klärungen mit Nachbarn, innerhalb der Landesregierung und mit der Kommune" geschuldet, die mehr Sicherheit für Investoren schaffen sollen, so der BLB-Sprecher. Die benachbarten Bauflächen von Awista und SKFM wurden bereits Ende 2014 verkauft. Der Mönchengladbacher Investor Dornieden Generalbau will dort 2017 mit dem Bau beginnen.

Quelle: RP
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